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Synthetischer Kraftstoff
Synthetischer Kraftstoff: E-Diesel als Alternative

Zu schön, um wahr zu sein: Die Autoindustrie sieht die Zukunft des Diesels in synthetischem Kraftstoff. Die Herstellung aus grünem Strom wäre zwar technisch möglich, ist jedoch sehr teuer.

(Bild: Sandor Jackal/stock.adobe.com

Mit Strom aus regenerativen Quellen den perfekten Dieselkraftstoff herstellen? Das klingt nach einer idealen Lösung. Überschüssige Energiemengen aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen ließen sich ebenfalls dafür nutzen. Es wäre nicht einmal ein Umbau des Autoantriebs nötig, um den E-Diesel zu nutzen. Der Verbrennungsmotor würde klimaneutral weiterexistieren können, denn im Idealfall wird bei der Herstellung des synthetischen Kraftstoffes so viel Kohlenstoffdioxid (CO2) verwendet, wie später auch aus dem Auspuff kommt.

In der Theorie klingt das gut, technisch umsetzbar wäre es auch. Einen entscheidenden Haken hat die Sache allerdings trotzdem: Die Kosten für das Äquivalent zum Diesel liegen derzeit bei 4,50 Euro pro Liter (Ergebnisse einer Studie im Auftrag des Verbands der Automobilindustrie [VDA]) und sind damit einfach nicht wettbewerbsfähig. Die Steuerlast ist in diesem Preis übrigens noch nicht enthalten.

Aufwendiges Produktionsverfahren verursacht hohe Kosten

Aber warum ist das so teuer? Die hohen Kosten entstehen durch das aufwendige Power-to-Liquid-Herstellungsverfahren (PtL). Im ersten Schritt wird mithilfe der Elektrolyse Wasser durch Strom in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Der Wasserstoff reagiert nun mit aus der Luft gewaschenem CO2 zu Methan (Sabatier-Prozess). Jetzt kann mittels weiterer Verfahrensschritte annähernd jeder Kraftstoff produziert werden: E-Kerosin, E-Benzin oder E-Diesel.

Das Ludwig-Bölkow-Systemtechnik-Institut hat in seiner Studie für den VDA nun errechnet, dass für die Produktion eines Liters E-Diesel 27,3 kWh Strom notwendig sind. Im Klartext heißt das: ein Wagen, der im Schnitt sechs Liter Diesel auf 100 Kilometer verbrennt, würde für die gleiche Strecke etwa ebenso viel E-Diesel benötigen. Für die Produktion sind somit 164 kWh Strom nötig. Im Vergleich dazu verbraucht beispielsweise ein batterieelektrischer E-Golf nur rund 16 kWh pro 100 Kilometer. Selbst wenn man hier etwas großzügiger an die Berechnung herangeht, ist für den E-Diesel etwa sieben Mal mehr elektrische Energie für die gleiche Strecke nötig. Diese Rechnung wird auch von PricewaterhouseCoopers (PwC) bestätigt.

E-Diesel schneidet schlecht ab

Selbst sinkende Kosten für den Strom aus erneuerbaren Energien wären ein Tropfen auf den heißen Stein. Wenn E-Diesel irgendwann billiger als fossiler Dieselkraftstoff wäre, würde immer noch um ein Vielfaches mehr elektrische Energie nötig sein als für das batteriebetriebene Äquivalent.

Alternative Einsatzmöglichkeiten für E-Kraftstoff

Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach, ist daher skeptisch. Der Forschung an den E-Fuels und den Tests an den Pilotanlagen steht er offen gegenüber, allerdings gibt er in einem ZEIT-Onlineartikel zu bedenken, dass der Wirkungsgrad und die daraus resultierenden Kosten ein zentrales Problem seien. Er sieht die synthetischen Kraftstoffe daher nicht als kurz- oder mittelfristige Hilfe.

Patrick Graichen, der Direktor des Thinktanks Agora Energiewende, sieht die E-Fuels hingegen eher als Stromspeicher. Er befürwortet das Verfahren, um die drei Sektoren des Energiemarktes – Wärme, Elektrizität und Verkehr – miteinander zu koppeln. Synthetischer Kraftstoff hat für ihn eher im Schiffs- und Flugverkehr eine Perspektive.
E-Diesel aus Wind- oder Sonnenenergie – das klingt schön, aber leider zu schön, um wahr zu sein. Die Gesamtkosten sind für den Großteil der Autokäufer ein wichtiges Argument. Für den Einsatz im Pkw sind E-Kraftstoffe bisher leider keine realistische Alternative.

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