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Was sonst noch geschah
Kurzschluss – Der Wochenrückblick 2

Die schönsten Ereignisse der Woche – von klugen Kühlschränken, unklugen Selfies, Kampfmaschinen, Elektro-Doping, Fast-Food-Computern und dem ersten echten Luxus-E-Auto von Mercedes-Benz

Drohne wechselt Glühlampe

Moderner Glühlampenwechsel: Drohne statt Leiter

Wer stand nicht schon vor seinem Kühlschrank und grübelte, ob der Lebensmittelvorrat fürs Wochenende reicht? Öffnet man die Kühlschranktür und lässt warme Luft hinein? Oder spart man Energie und rätselt bei geschlossener Tür, ob die Butter wirklich alle ist?

Samsung hat diese Fragen als Küchenproblem erkannt – und gelöst. In den neuen Kühlschrank Family Hub 2.0 wurden drei HD-Kameras montiert. Sie filmen den Inhalt und übertragen ihn auf ein Display an der Tür.

Weil die Kühlschranktür dank Kameras und Display öfter geschlossen bleibt, wird Energie gespart – abgesehen vom gestiegenen Strombedarf dank Kameras und Display.

Die Livebilder aus dem Bauch des Kühlschranks informieren nicht nur seinen Besitzer über den Inhalt. Auch die Gäste der Familie wissen quasi im Vorübergehen, welche kulinarischen Köstlichkeiten sie auf der abendlichen Party erwarten dürfen. Ein Display mit leeren Kühlschrankfächern signalisiert ihnen: Heute klingelt der Pizzabote.

Auf dem Display werden auch Kochrezepte und ein Kalender angezeigt. Den Wetterbericht liest der Küchenfreund ebenfalls an der Kühlschranktür. Ein Blick durchs Fenster ist nicht mehr nötig.

Die Bilder aus dem Kühlschrank werden auch aufs Smartphone übertragen. Das soll eine Entscheidungshilfe im Supermarkt sein. Ein einigermaßen passables Gedächtnis oder ein schlichter Einkaufszettel sind nämlich out. Aber sowas von.

Gut gegen Schlafstörungen: Kühlschrank-TV (Bild: Samsung)

Auf Smartphones liegen nicht nur spannende Fotos von welkem Gemüse. Beliebter als Kühlschrankbilder sind Selfies. Dass diese harmlosen Schnappschüsse auch ein dankbares Objekt für Cyberkriminelle sein können, entdeckten Wissenschaftler am National Institute of Informatics (NII) in Tokio.

Hält der Selfie-Knipser seinen Daumen in die Kamera, lässt sich daraus der Fingerabdruck extrahieren. Wenn der Finger nicht weiter als drei Meter vom Objektiv entfernt war, stehen die Chancen gut, einen biometrischen Abdruck nachzubauen.

Damit können Sicherheitstechnologien ausgetrickst werden, die auf dem Fingerabdruck beruhen. Beispielsweise das Entsperren des iPhones, mit dem der Finger fotografiert wurde.

Ganz falsch: So schützen Sie ihre Fingerabdrücke nicht vor unbefugter Duplizierung (Symbolbild)

Auch Kentucky Fried Chicken setzt auf Biometrie, allerdings legal. In Peking testet der Hühnerbrater eine Gesichtserkennungssoftware. Dabei werden die Gesichtszüge von Stammkunden analysiert. Aus Merkmalen wie Alter, Geschlecht und Stimmung errechnet die Software blitzschnell einen Menüvorschlag.

Voraussetzung sind frühere Bestellungen. Zusammen mit der erkannten Mimik schlägt die Software das passende Fast Food zur Gemütslage vor. Stimmt der Kunde zu, wird die personalisierte Bestellung gespeichert. Wählt er ein anderes Menü, auch.

Der super happy druffi Boy in diesem Video beweist: In China ist die Werbung keinen Deut intelligenter als in Deutschland (Video: KFC)

Wenn Roboter schon Hähnchenschenkel oder Chefsalat empfehlen, wird es Zeit, darüber nachzudenken, was sie nicht dürfen. Menschen mit KFC-Food vergiften? Sie angreifen? Töten?

Das EU-Parlament dachte über diese Fragen nach. Im Ergebnis liegt ein erster Resolutionsentwurf vor. Er beinhaltet Empfehlungen an die EU-Kommission zu zivilrechtlichen Regelungen im Bereich Robotik (hier als PDF).

Gefordert wird u. a. ein Killswitch in jedem Roboter, um ihn per Fernabschaltung stillzulegen, wenn er Amok läuft.

Zur Überraschung vieler Science-Fiction-Fans beruft sich die EU in ihrem Resolutionsentwurf auf den russischen Schriftsteller Isaac Asimov. Er veröffentlichte 1942 die drei Gesetze der Robotik:

  • Ein Roboter darf keinen Menschen verletzen oder durch Untätigkeit zu Schaden kommen lassen.
  • Ein Roboter muss den Befehlen eines Menschen gehorchen, es sei denn, solche Befehle stehen im Widerspruch zum ersten Gesetz.
  • Ein Roboter muss seine eigene Existenz schützen, solange dieser Schutz nicht dem Ersten oder Zweiten Gesetz widerspricht.

In diesem Zusammenhang diskutiert die EU auch über die Entwicklung von Kampfmaschinen (Killer-Robotern). Ob sich der militärisch-industrielle Komplex davon beeindrucken lässt, ist eher zweifelhaft. Für Militärforschung und -produktion gilt, was für Hunde gilt: Warum leckt sich ein Hund die Eier? Weil er es kann.

Auch Kampfmaschinen mit charmantem österreichischen Akzent sind nicht gut für die Gesundheit ihrer Gegner. Damit nicht eines Tages doch noch ein Terminator T-800 in Europa um sich schießt, will ihnen die EU einen Killswitch verpassen, sozusagen ein Not-Aus für Arnie (Video: SceneCube)

Apropos Killswitch: In Schweden wird ein System entwickelt, das Autoradios stummschaltet, wenn sich ein Fahrzeug mit Sondersignal nähert. Offenbar lieben die Schweden laute Musik im Auto und überhören das Signal.

Damit der Fahrer Zeit hat, um auf das Einsatzfahrzeug zu reagieren, wird sein Radio ca. 15 Sekunden vor der Begegnung per FM-Signal über das Radio Data System (RDS) zum Erstummen gebracht. Gleichzeitig liest er eine Textbotschaft im Display. Sie schützt ihn vor der irrtümlichen Annahme, sein Radio sei defekt.

Mit Defekten kennen sich auch Apple, Tesla und Samsung aus. Ihre Akkus leiden an unerklärlichem Kapazitätsschwund (Apple) oder spontaner Entflammung (Tesla, Samsung). Letzterem kann bald abgeholfen werden. An der Universität Stanford gelang es Forschern, einen selbstlöschenden Akku zu entwickeln.

Bei starker Erhitzung schmilzt der Separator zwischen den Elektroden. In den Separator haben die Forscher das Flammenschutzmittel Triphenylphosphat injiziert. Der Brand wird sofort gelöscht.

So gut das klingt, gibt es doch einen Haken: Smartphones sollen immer dünner werden. Mit dem Flammenschutzmittel steigt die Dicke des Separators. Doch jeder Millimeter mehr für Brandschutz wird am Veto der Designer scheitern.

Explodiertes Samsung Galaxy Note 7 (Bild: Android Authority)

Medizinische Geräte kann man ein- und wieder abschalten. Damit das Abschalten nicht zu früh passiert, entwickelten Wissenschaftler in Großbritannien ein System, um mit künstlicher Intelligenz die Lebensdauer herzkranker Patienten mit hoher Sterbewahrscheinlichkeit vorherzusagen – nicht, um sie schnellstmöglich in die Anatomie zu schieben, sondern damit sie bevorzugt behandelt werden.

Wissen Sie eigentlich, was Ihr Navi treibt? Wie Forbes herausfand, senden Autos mit intelligenten Navigations- und Bordsystemen seit 15 Jahren munter ihre Daten an die Hersteller. Daraus lassen sich präzise Bewegungsprofile erstellen. Die Überwachung ist so genau, dass 2009 das Auto eines Drogendealers im Pulk anderer Fahrzeuge identifiziert und verfolgt werden konnte.

Auch die akustische Überwachung ist möglich. Gespräche können belauscht und aufgezeichnet werden.

Die Ferneinschaltung des Diebstahlschutzes wurde ebenfalls praktiziert. Sie übermittelt die GPS-Daten, was bei einem Diebstahl durchaus sinnvoll ist. Im eigenen Auto zu sitzen und von unbekannten Beamten auf einem Monitor beobachtet zu werden, ist dagegen weniger prickelnd. Denn was die Beamten können, können Hacker erst recht.

Nach Hause telefonieren, das kennt man von E.T. Er hatte aber einen guten Grund. Er wollte wirklich nach Hause (Bild: Universal)

Der deutsche Bundesverkehrsminister war wieder fleißig. Unser aller Dobrindt stellte am 18. Januar 2017 eine Drohnenverordnung vor. Bis zu 100 Metern Höhe dürfen Drohnen und Modellflugzeuge fliegen, darüber gilt für sie Flugverbot. Der Deutsche Modellflieger-Verband ist außer sich, für ihn bedeutet die 100-Meter-Grenze die faktische Einstellung des Wettbewerbsbetriebs.

Drohnen mit einem Gewicht von mehr als 250 Gramm müssen künftig eine Plakette mit Namen und Anschrift des Besitzers tragen. Die Flugverbotszonen für Drohnen werden ausgeweitet, Terror droht schließlich überall.

Pikant ist ein kleiner Zusatz in Dobrindts Verordnung. Kommerziell eingesetzte Drohnen mit weniger als fünf Kilogramm Gewicht sowie Drohnen im Nachtflug benötigen keine separate Erlaubnis mehr für jeden Einsatz.

Amazon arbeitet intensiv an Drohnen, die weniger als fünf Kilogramm wiegen. Für den Versandhändler und andere Unternehmen wie DHL ist Dobrindts Verordnung so wunderbar wie ein nachgeholtes Weihnachtsgeschenk.

Wie wechselt der moderne Elektriker eine Glühlampe? Selbstverständlich mit einer Drohne! (Video: Marek Baczynski)

Neues von der E-Auto-Front: Tesla führt das schlüssellose Fahren ein. Model S lässt sich mit einer Smartphone-App starten.

Der US-Amerikaner Ryan Negri wollte das gleich ausprobieren. Er fuhr mit Frau und zwei Hunden in die Wüste von Nevada.

So weit, so gut.

Unterwegs hielt er an, um die Hunde ordentlich zu platzieren. Er stellte den Motor aus. Dann die Überraschung: In der Wüste gibt es kein Handy-Netz. Ohne Netz kein funktionierendes Smartphone, ohne Smartphone kein Motorstart. Und keine Möglichkeit, Hilfe zu holen.

Ryan Negri blieb im Auto und schickte seine Frau zu Fuß durch die Wüste. Nach einigen Kilometern hatte sie das Funkloch durchquert und organisierte mit dem Smartphone Hilfe für die gestrandete Familie.

Lektion fürs Leben: Fahre ein Auto niemals ohne Zündschlüssel.

Früher ging Autos das Benzin aus. Heute stehen sie im Funkloch. In beiden Fällen sind sie plötzlich nutzlos (Bild: Ryan Negri)

Eine andere Lektion erteilte die US-Verkehrsbehörde NHTSA jenen Autofahrern, die glauben, ein teilautonomes Fahrzeug bewege sich quasi von allein.

Ausgangspunkt war ein Unfall im Mai 2016. Der Fahrer eines Tesla S hatte den Autopilot eingeschaltet. Als ein nach links abbiegender Sattelschlepper die Fahrspur kreuzte, fuhr der Tesla mit 120 km/h frontal auf. Der Fahrer erlag den Verletzungen.

Offenbar hatten die Kameras des Tesla den weißen Truck vor weißem Gegenlicht nicht registriert. Auch das Radar des Autos ignorierte den weißen Truck. Es übersieht bewusst alles, was wie ein hoch montiertes Straßenschild wirkt.

Im Untersuchungsbericht zum Unfall erklärte die NHTSA: Tesla trifft keine Schuld. Jeder Fahrer eines Autos mit Automatikbetrieb muss wissen, dass er allein die Verantwortung trägt. Denn das Wort Automatik ist missverständlich. Es handelt sich nur um Assistenzsysteme. Der Fahrer muss auch bei eingeschalteten Systemen mit beiden Händen lenken und immer bereit sein, zu bremsen.

Wer hätte das gedacht?

Dass die Assistenzsysteme trotzdem keine unnützen Spielereien sind, belegt die NHTSA mit einer interessanten Zahl. Seit Aktivierung der Autopilotfunktion sind die Unfälle mit Tesla-Pkw um 40 Prozent gesunken.

Auch E-Antriebe in Fahrrädern werden zur Normalität. Das bietet weniger begabten Radrennfahrern ganz neue Chancen – und wird für die Tour de France nach den Dopingskandalen zum nächsten Problem: Versteckte Hilfsmotoren, auch bekannt als mechanisches Doping.

In der Saison 2017 will die Rennleitung noch nichts gegen das mechanische Doping unternehmen. Doch der Tag wird kommen, an dem die Radrennfahrer nach ihrer Dopingprobe zum Rahmenröntgen antreten müssen. Spätestens dann, wenn der erste Elektro-Doper überführt ist. Vielleicht, weil er so übermütig war und freihändig an der Spitze des Feldes auf einen Achttausender fuhr – nachdem er jahrelang mit den letzten Zehn ins Ziel kam.

Greg LeMond, dreifacher Sieger der Tour de France, demonstriert ein Rennrad mit verstecktem Motor (Video: CyclingTips)

Einen großen Sprung nach vorn machte das spanische Team Acciona. Seit drei Jahren beteiligt es sich mit einem E-Auto an der Rallye Dakar. 2017 hielt der Wagen zum ersten Mal durch.

Auf der härtesten Rallye der Welt fuhr das Acciona-Team ca. 9.000 Kilometer quer durch Südamerika. Das Auto wurde fünf Jahre lang für die Rallye entwickelt, Motor (Leistung: 250 kW) und Batterie (Kapazität: 150 kWh) sind Spezialanfertigungen.

Seit es die Rallye Dakar gibt, fuhren ca. 18.000 Fahrzeuge mit. Doch nur der Rennwagen von Acciona kam ohne Treibstoff und CO2-Ausstoß ans Ziel.

Die Leistung des Acciona-Teams wäre eine Sondersendung im Qualitätsfernsehen wert. Wenn es ein Qualitätsfernsehen gäbe (Video: Acciona)

Und noch ein Hersteller hat Grund zum Jubeln. Mercedes-Benz präsentiert das erste Luxus-E-Auto: Mercedes AA Class. Kommentar im Video: "The first fully electric luxury Sedan. Batteries not included."

Dieses Video ist eine Parodie. Bevor Mercedes ein brauchbares E-Auto der Luxusklasse baut, fließt noch viel Wasser durch Sindelfingen (Video: Juliya V)

 

 

 

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