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Arbeitsunfälle von Elektrofachkräften
Strom durch Kopf und Hand

Ein arbeitsverantwortlicher Monteur will ein Kabel in einen Verteilerschrank einziehen, der unter Spannung steht. Dabei kommt es zu fatalen Berührungen und einer elektrischen Körperdurchströmung. Der Monteur überlebt nur mit viel Glück.

Warnschild Anlage steht unter Spannung

In einem Gewerbebetrieb musste die NS-Verteilung schrittweise erneuert werden. Beauftragt wurde eine Elektroinstallationsfirma, die drei Elektromonteure auf die Baustelle schickte.

Am Unfalltag sollte ein Anschlusskabel in den NH-Verteilerschrank eingezogen werden. Weil der laufende Betrieb nicht unterbrochen werden konnte, stand der Verteilerschrank unter Spannung.

Den Einzug der NYM-Leitung in den Verteilerschrank übernahm der arbeitsverantwortliche Monteur. Er wollte die Leitung nach dem Einzug an eine freie NH-Sicherungsleiste anschließen. Zuvor entfernte der Monteur die untere Abdeckung vor den PE- und N-Leitern. Außerdem schraubte er die obere Abdeckung ab, die als Schutz gegen direktes Berühren der Außenleiter diente.

Die Rekonstruktion des Unfalls ergab, dass sich der Monteur während der Arbeit flach auf den Boden legte. Auf diese Weise konnte er die anzuklemmende Leitung besser erreichen und greifen. Allerdings kam es in dieser Position zu einer Berührung des Kopfes mit den PE- und N-Leitern. Gleichzeitig stützte sich der Monteur mit einer Hand offenbar im mittleren Bereich der Verteilung ab. Dabei berührte er die Sammelschiene des Außenleiters.

Durch diese Berührungen erlitt der Monteur eine elektrische Körperdurchströmung zwischen Hand und Kopf. Dem Monteur gelang es, sich aus eigener Kraft zu befreien. Danach fiel er in Ohnmacht.

Die Analyse des Unfalls wirft einige Fragen auf. Unklar ist, warum der arbeitsverantwortliche Monteur die Abdeckungen für die Außenleiter-Sammelschienen zum Unfallzeitpunkt entfernt hatte. Ebenfalls nicht geklärt ist, warum die vor Ort vorhandenen isolierenden Abdeckmaterialien nicht eingesetzt wurden.

Der Unfall belegt, dass die Nähe zu unter Spannung stehenden Teilen oft unterschätzt wird – auch von erfahrenen Monteuren. Der arbeitsverantwortliche Monteur verstieß mit seinen Handlungen gegen § 7 BGV A 3 („Arbeiten in der Nähe aktiver Teile“). Darin heißt es unmissverständlich, dass entweder „die aktiven Teile für die Dauer der Arbeiten ... durch Abdeckungen ... geschützt ... oder die zulässigen Annäherungen nicht unterschritten werden.“

Quelle: bgetem.de

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