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Energietechnik: Wasserkraft bei geringen Fallhöhen nutzbar machen
Start-up entwickelt ökonomische Turbine

Um die nicht genutzten Potenziale der Wasserkraft zu verwenden, entwickelte das Start-up Doro Turbine aus Graz eine Turbine, die auch bei geringen Fallhöhen ökonomisch betrieben werden kann.

Modell der Turbine (Bild: Doro Turbine)

Modell der Turbine (Bild: Doro Turbine)

Die drei bis vier Meter lange Turbine – Doro steht für „double rotation“ – könnte eine regionale Lösung für die Versorgung mit regenerativer Energie darstellen. Maschinenbauer Stefan Strein, der die Turbine konstruierte, entwickelt zur Zeit einen einsatzfähigen Prototyp.

Schon bei geringen Fallhöhen von 0,7 bis drei Metern wird die Wasserkraft ökonomisch genutzt. Das wird durch das Ausnutzen des hydrostatischen Drucks des Wasserrads möglich. Pro Turbine können somit bis zu 800 Haushalte mit Strom versorgt werden. "Die Kunst war es, das Wasserrad hinsichtlich der Leistungsdaten auf den Stand der Technik zu bringen", sagt Strein.

Dem Gründer zufolge sei es technisch kompliziert und wirtschaftlich unklug, Energie aus Wasserkraft bei so geringen Fallhöhen zu gewinnen. Da der Ausbaugrad der Wasserkraft in industriellen Ländern aber sehr hoch sei, würde man dort Standorte mit Staumauer selten finden. In schon bestehende Staustufen, Hochwasserschutzbauten oder Steinstufen könne die Doro-Turbine eingebaut werden.

Allerdings besteht noch ein finanzielles Problem. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie verpflichtet die Gemeinden bis 2027, Querbauten in Flüssen für Fische und Sedimente durchgehend zu gestalten. So müssten also bereits errichtete Hochwasserschutzbauten entsprechend umkonstruiert werden, und das würde einiges kosten.

Strein bietet nun den Gemeinden an, die Konzeption und Verwirklichung der baulichen Änderungen zu übernehmen und den Bauwerken eine Turbine hinzuzufügen. Dadurch könnten die Wassertiere die Turbine durchqueren, ohne Schaden zu nehmen. Gleichzeitig hätte das Unternehmen Doro Turbine einen besseren Projektzugang, und die Gemeinden wären nicht mehr der finanziellen Belastung ausgesetzt.

Modell der Turbine (Bild: Doro Turbine)Die Kosten eines solchen Projekts hängen von der Größe ab. "Im Schnitt kostet es rund eine Million Euro", sagt Strein. Mithilfe privater Investoren kann Strein die ersten Kraftwerke realisieren. Auch Unternehmen mit einem hohen Energieverbrauch versucht Strein als Investoren zu gewinnen, denn für sie könnte das Projekt interessant sein. Währenddessen läuft der technische Ausbau der Turbine weiter.Es ist absehbar, dass das Projekt in einem Jahr abgeschlossen sein wird. "Unser Ziel ist es, dass wir dann unser erstes Kraftwerk umsetzen können“, sagt Strein.

Während des Studiums zum Maschinenbauer kam Strein die Idee zur Turbine. Innerhalb eines studienbegleitenden Projekts arbeitete er in einem Kleinkraftwerk. Im Science-Park Graz wurde die Turbine weiterentwickelt. 2017 gründete Strein das Start-Up Unternehmen. Unterdessen konnte Doro Turbine bereits einen Investor überzeugen. Eine Preseed-Förderung der Förderbank Austria Wirtschaftsservice (aws) greift dem Start-up zusätzlich unter die Arme.

Nach Aussage von Doro sei es international interessant, dass man auch alte Mühlkanale oder Industriekanäle für die Energiegewinnung des Kleinkraftwerkes nutzen könne. Das Team des Start-ups war bereits in Indien, um dort den Markt zu analysieren. Mit einem primären Produzenten von Turbinen hätten die Verhandlungen bereits begonnen.

Auch zum Markt in Argentinien hat das Team schon recherchiert. In diesen Ländern steigt der Strombedarf. „Die dezentrale Versorgung ländlicher Gebiete mit Kleinkraftwerken ist für viele Regierungen in Schwellenländern attraktiv", erläutert Strein.

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