Anzeige

Arbeitsunfälle von Elektrofachkräften
Softwareentwickler wollte Serverregler testen

Wenn verschiedene Fachleute an einem Projekt beteiligt sind, kommt es immer wieder zu Missverständnissen oder nicht abgestimmtem Vorgehen mit unerwünschten Folgen.

Netzanschlüsse auf Leiterplatten können bei geöffneten Geräten leicht zu einer unbeabsichtigten Berührung führen

Netzanschlüsse auf Leiterplatten können bei geöffneten Geräten leicht zu einer unbeabsichtigten Berührung führen (Foto: BG ETEM)

Arbeitsauftrag: Mit der Entwicklung einer Steuersoftware für einen Servoregler wurde ein Informatiker beauftragt. Die leitende Elektrofachkraft des Unternehmens hatte die Mitarbeiter unterwiesen, dass die Servoregler bei abgenommenem Gehäuse des Versuchsracks am Büroarbeitsplatz der Softwareentwickler nur mit 24-V-Steuerspannung erprobt werden dürfen. Für die Prüfung der Geräte mit Netzwechselspannung stand ein spezieller Prüfplatz nach VDE 0104 zur Verfügung.

Unfallhergang: Der Informatiker wollte die von ihm entwickelte Software für den Frequenzumrichter des Servoreglers testen. Dazu hatte er das Gehäuse des Versuchsracks entfernt. Entgegen der Anweisung versorgte er jedoch die Platine nicht nur mit der 24-V-Steuerspannung, sondern speiste über ein Adapterkabel von dem Prüfplatz gleichzeitig 230 V AC ein. Nachdem er kurzfristig aus dem Labor gerufen wurde und zurückkam, übersah er die 230-V-Einspeisung und kam beim Anfassen der Leiterplatte auf der Lötseite mit Netzspannung in Berührung (Bild). Der Fehlerstromschutzschalter des Prüfplatzes löste aus. Die Kollegen bemerkten den Schock, den der Informatiker dabei erlitten hatte und brachten ihn zur Untersuchung und Überwachung ins Unfallkrankenhaus.

Unfallanalyse: Entgegen der eindeutigen Anweisung der leitenden Elektrofachkraft, den Softwaretest am Büroarbeitsplatz nur mit einer 24-V-Steuerspannung zu betreiben, koppelte der Informatiker zusätzlich Netzspannung ein. Schuld an dem Unfall trug in diesem Fall eindeutig der Verunfallte selbst – vgl. dazu §§ 3 und 4 der DGUV Vorschrift 3 sowie VDE 0104.

 

Autor: J. Jühling

Kommentare

botMessage_toctoc_comments_926
Anzeige

Nachrichten zum Thema

Vor einiger Zeit wurden im Elektropraktiker einige Probleme sowohl mit der Begrifflichkeit als auch mit der Berechnung des Spannungsfalls dargestellt [1]. In der Zwischenzeit konnten die Rätsel zum Teil geklärt und mögliche Lösungsansätze gefunden...

Weiter lesen

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage Wiederholungsprüfung nach DGUV Vorschrift 3

Sind Wiederholungsprüfungen für ortsveränderliche Geräte notwendig, wenn eine Erstprüfbescheinigung durch eine Geräte-Leasing-Firma vorliegt?

Weiter lesen

Diese Normen enthalten Eigenschaften von anwendungsneutralen Kommunikationskabelanlagen sowie Festlegungen zum tertiären (horizontalen) Teilsystem der Verkabelung.

Weiter lesen

Mit RISK CHECK können Unternehmen und Organisationen die Gefährdungsbeurteilung und ihre Umsetzung ab jetzt einfacher, schneller und rechtssicher durchführen und dokumentieren.

Weiter lesen

Wie genau sind zur Versorgung einer Notbeleuchtung die Installationsverteiler zu beschalten, insbesondere beim Vorhandensein mehrerer Neutralleiter?

Weiter lesen
Anzeige