Anzeige

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
Schutztrennung anstelle von RCDs

Wie werden Winkelschleifer (SKII) betrieben? Wie genau sieht dabei der Einsatz von Trenntransformatoren mit Isolationsüberwachung aus?

(Bild: perdita/stock.adobe.com)

Frage:

Wir betreuen eine metallverarbeitende Firma, die auch über zwei Arbeitsplätze verfügt, an denen mit Winkelschleifern verschiedene Metallteile bearbeitet werden. An diesen Arbeitsplätzen fällt relativ viel Schleifstaub an. Obwohl die Winkelschleifer täglich gereinigt werden und wir Fehlerstromschutzschalter mit einem Auslösestrom von 10 mA eingesetzt haben, berichten die Mitarbeiter von gelegentlich auftretenden elektrischen Durchströmungen. Von unserer Firma wird nun der Einsatz von je einem Trenntransformator mit Isolationsüberwachung pro Arbeitsplatz vorgeschlagen. Hierzu gibt es noch folgende Fragen: 1. Ist es möglich, zwei Winkelschleifer (SKII) zugleich an einem Trenntransformator zu betreiben? Laut Normen müssten hier die Gehäuse der Betriebsmittel mit einem isoliert aufgebauten Potentialausgleich verbunden werden. Trifft dies auch für Betriebsmittel der Schutzklasse II zu, wenn das Betriebsmittel berührbare elektrisch leitfähige Teile aufweist? Sind für den Anschluss der Winkelschleifer spezielle Steckdosen vorzusehen oder reicht es aus, die Steckdosen entsprechend zu beschriften und die Mitarbeiter zu unterweisen? Ist es zulässig, auf der Sekundärseite des Trenntransformators einen Fehlerstromschutzschalter einzusetzen?

Antwort:

Bei dieser Anfrage handelt es sich um das Betreiben bzw. um das Verwenden elektrischer Verbrauchsmittel. Das Betreiben/Verwenden elektrischer Verbrauchsmittel ist üblicherweise nicht Gegenstand von VDE-Bestimmungen. Wenige Ausnahmen betreffen die Anforderungen für wiederkehrende Prüfungen und zum Teil auch die Anforderungen für das Arbeiten an elektrischen Anlagen. Für das Betreiben/Verwenden elektrischer Betriebsmittel in gewerblichen Bereichen – so wie es bei dieser Anfrage zutreffend ist – sind in erster Linie die Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaften zutreffend.

Hierfür wäre z. B. die DGUV Information 203-005 [1] zu betrachten. Nach dieser DGUV Information wird für Betriebsmittel entsprechend ihren Einsatzgebieten die Kategorie 1 (K1) bzw. Kategorie 2 (K2) gefordert. Im Anwendungsfall des Anfragenden wäre K2 zutreffend, was gegebenenfalls zu überprüfen wäre. Anforderungen, bezüglich einer Reduzierung der leitfähigen Stäube innerhalb elektrischer Werkzeugmaschinen, ergeben sich aber aus K2 nicht.

Eine Möglichkeit zu einer Reduzierung der Probleme des Anfragenden bzw. der sich dabei ergebenden Auswirkungen könnte sein, Winkelschleifer auszuwählen, die eine höhere Schutzart für den Fremdkörperschutz aufweisen. Allerdings dürfte es solche Winkelschleifer mit höherer Schutzart im Handel kaum geben. Daher ist vermutlich auch, nach DGUV-Information 203-005 [1], für Handwerkszeuge nur die Mindestschutzart von IP 2X vorgegeben.

Fakt ist aber, dass die Ableitströme, die bei den Winkelschleifern des Anfragenden auftreten, unter 10 mA liegen müssen, weil sonst die Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) ansprechen würden. Die Auslösung von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) mit einem Bemessungsdifferenzstrom nicht größer als 10 mA kann zwischen 5 mA und 10 mA liegen. Ströme unter 10 mA können in normaler Umgebung (ohne Auftreten von z. B. Wasser) für den Menschen als relativ ungefährlich betrachtet werden. Aber es kann eben dabei – wie auch geschildert – zu Schrecksituationen kommen.

Zu den Fragen/Vorschlägen. Bei Verwendung von Trenntransformatoren, sofern für jeden Winkelschleifer ein separater Trenntransformator vorgesehen wird, dürfte sich das Problem der Ableitströme beseitigen lassen. Aber auch hierbei sollten die Winkelschleifer täglich gereinigt werden, da sich u. U. auf längere Sicht im Inneren der Winkelschleifer leitfähiger Staub ansammelt, was zum „Kokeln“ und zur Zerstörung der Maschinen führen kann.

Autor: W. Hörmann

Literatur:

[1] DGUV Information 203-005 (bisher BGI/GUV-I 600) Auswahl und Betrieb ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel nach Einsatzbedingungen, Ausgabe Mai 2012.

Der vollständige Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

Kommentare

botMessage_toctoc_comments_926
Anzeige

Nachrichten zum Thema

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage Arbeiten an Batterien eines Windparks

Wann handelt es sich beim Tausch von USV-Anlagen-Batterien auf einer Offshore-Umspannplattform für einen Nordsee-Windpark um Arbeiten unter Spannung?

Weiter lesen

Die „Weimarer Thesen“ beschreiben für Lichtplaner, Lichtplanende, Ingenieure und Architekten und auch für lichtausführende Firmen die moderne „Integrative Lichtqualität“ und damit aktuelle Grundsätze für eine ganzheitliche und attraktive Lichtplanung...

Weiter lesen

Das Messmodul C260 prüft die Produktionsgüte von Steckverbindern.

Weiter lesen

Das Coil-Adapter Xtra zur Windungsschluss-Erkennung deckt in Kombination mit den Digitalmultimetern der Metrahit-im-Xtra-Serie alle für Elektromaschinen, Generatoren und Motoren relevanten Sicherheitsüberprüfungen zur Fehlersuche und Diagnose ab.

Weiter lesen

Die „Weimarer Thesen“ beschreiben für Lichtplaner, Lichtplanende, Ingenieure und Architekten und auch für lichtausführende Firmen die moderne „Integrative Lichtqualität“ und damit aktuelle Grundsätze für eine ganzheitliche und attraktive Lichtplanung...

Weiter lesen
Anzeige