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Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
Schleifenimpedanzmessung hinter RCD Typ B

Kann eine eigentlich notwendige Isolations-, RCD- und Schleifenimpedanz-Messung wegen "Undurchführbarkeit" entfallen? Welche Normen und Vorschriften regeln diesen Sachverhalt?

Bild: photographyfirm/stock.adobe.com _______________________________________ _______________________________________

Frage:
Im Rahmen der Sanierung einer Industrieküche fordert unser Kunde, dass generell an jedem Stromkreis eine Isolations-, RCD- und Schleifenimpedanz-Messung durchzuführen und zu protokolieren ist. Die Messung der Schleifenimpedanz in einem RCD-Stromkreis konnten wir mit unserem Messgerät (Gossen Metrawatt M-Xtra) durchführen, indem der RCD vorher mit einer Gleichspannung für die Messung blockiert wurde. Jetzt werden zum Anschluss gewisser Küchengeräte mehrere RCD Typ B eingebaut, die ja auch bei Gleichfehlerströmen abschalten. Nun befürchten wir, dass die vom Kunden geforderte Messung der Schleifenimpedanz so wie oben beschrieben nicht mehr durchzuführen ist, da die Gleichspannung des Messgeräts den RCD abschalten würde. Wenn ich mit einem Prüfstrom von 15 mA messe, bekomme ich aber nur ein sehr ungenaues Messergebnis, was bei größeren Absicherungen nicht mehr aussagekräftig ist. Muss in diesem Fall die Schleifenimpedanz-Messung entfallen?

Antwort:
Bei der Abarbeitung der Fragen beginne ich mal in der richtigen Reihenfolge der Messungen nach DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600)[1].

Schutzleiterwiderstand. In der Anfrage fehlt mir bei der Aufzählung der durchzuführenden Messungen als erstes der Nachweis der Niederohmigkeit des Schutzleiters. Diese ist bei einer Erstprüfung immer durchzuführen, um sicherzustellen, dass weder eine Leitervertauschung noch eine Unterbrechung des Schutzleiters vorliegt.

Sollte diese Messung weggelassen werden, kann es sein, dass der Prüfer sich selbst und andere bei den weiteren Messungen gefährdet oder Fehler nicht findet.

Isolationsmessung. Die Isolationsmessung ist bei der Erstprüfung auf jeden Fall durchzuführen. Allerdings muss dies vor dem Anschluss der RCD Typ B erfolgen, denn viele Modelle allstromsensitiver Fehlerstromschutzeinrichtungen vertragen keine Isolationsmessspannung. Dies ist von Modell zu Modell und Hersteller zu Hersteller unterschiedlich, deshalb ganz allgemein der Hinweis, dass diese RCDs vor einer Isolationsmessung allseitig und allpolig (also auch der Neutralleiter) abzutrennen sind. Empfehlenswert ist die Isolationsmessung also installationsbegleitend – nach dem Kabelzug vor bzw. beim Anklemmen der Betriebsmittel.

Schleifenimpedanz. Die Schleifenimpedanzmessung kann bei Stromkreisen, die über Fehlerstromschutzeinrichtungen geschützt sind, üblicherweise entfallen. Das hatte lange auch den Hintergrund, dass es technisch einfach nicht möglich war.

Im Fall des Anfragenden ist das auch so. Die Messmethoden mit der DC-Sättigung des RCD funktionieren bei allstromsensitiven RCDs nicht, die 15 mA-Methode bringt keine hinreichend genauen Messwerte und die klassische Methode lässt auch den RCD auslösen.

Ich muss eindringlich davor warnen, den RCD für die Messung zu brücken. Durch das Klemmen der Brücken und den späteren Ausbau werden wieder Fehlerstellen in die Anlage eingebracht (lose Schrauben, ggf. sogar Drahtbrüche) die eigentlich durch die Messung aufgedeckt werden sollten.

Falls man wirklich möchte – es gibt auf dem Markt mittlerweile eine Baureihe von Prüfgeräten, die auch eine Schleifenimpedanzmessung hinter RCD Typ B ermöglichen mit einer hinreichenden Genauigkeit. An dieser Stelle sei noch einmal betont, dass es normativ nicht gefordert ist.

Netzinnenwiderstand. Normalerweise sollte der Netzinnenwiderstand ähnlich groß sein wie die Schleifenimpedanz. In Stromkreisen mit RCD ist die Schleifenimpedanz jedoch recht wenig interessant, denn im Falle eines Erdschlusses wird der RCD auf jeden Fall auslösen. Interessant ist die Bewertung des Kurzschlusses. Hier kann die Netzinnenwiderstandsmessung sehr gut helfen, eine Bewertung vorzunehmen. Bei der Bewertung sollte bedacht werden, dass diese nicht nur hinsichtlich des Schutzes gegen elektrischen Schlag (also < 0,4 s) sondern auch der thermischen Beständigkeit der Leitung nach DIN VDE 0100-430 (VDE 0100-430) [2] vorgenommen werden muss.

Leider ist diese Messung normativ nicht vorgeschrieben – nützlich aber in jedem Fall!

RCD-Messung. Allstromsensitive RCDs sollten auf jeden Fall mit zwei verschiedenen Prüfströmen getestet werden: einmal mit „Vollwelle“ oder pulsierendem Gleichstrom und einmal mit DC, wobei dort die Polarität nicht relevant ist.

Mit beiden Prüfströmen sollte Auslösezeit und Auslösestrom festgestellt werden – die Grenzwerte sind glücklicherweise in dem vom Anfragenden verwendeten Prüfgerät eingespeichert. Leider sind alle aktuellen allstromsensitiven RCD als „kurzzeitverzögert“ bezeichnet – die kombinierte Messung von Auslösezeit und Auslösestrom funktioniert dabei nicht oder nur zufällig. Es sollten also wirklich vier Messungen an einem RCD Typ B durchgeführt werden, plus einmal die Prüftaste drücken.

Fazit. Im Fall des Anfragenden würde ich das Gespräch mit dem Auftraggeber suchen und über die technischen Hintergründe und die Notwendigkeit der Messungen sprechen. Falls man dort nicht einsichtig ist oder nicht auf die Schleifenimpedanzmessung verzichten will, bleibt nur, diese Messungen mit einem dafür geeigneten Prüfgerät durchzuführen.

Autor: M. Lochthofen

Literatur:

[1] DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600):2017-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 6: Prüfungen.

[2] DIN VDE 0100-430 (VDE 0100-430):2010-10 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4-43: Schutzmaßnahmen – Schutz bei Überstrom.

Dieser Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

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