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Erneuerbare Energien
Revolutionäre Ideen – Start-ups machen Konzernen Konkurrenz

Das verschlafene Scheeßel erwacht einmal im Jahr aus seinem Dornröschenschlaf. Im Juni fallen 65.000 Rockfans in den kleinen niedersächsischen Ort ein und feiern ein Wochenende lang auf dem Hurricane Festival eine riesen Party. Danach kehrt wieder Ruhe ein – bis jetzt.

Screenshot Webseite Enyway

Screenshot Webseite Enyway (Bild: Enyway)

Während 2018 auf den Festivalbühnen Bands wie The Prodigy, Arctic Monkeys, Billy Talent oder Arcade Fire das Publikum zur Ekstase rockten, bahnt sich am Rande der Ortschaft eine kleine Revolution auf dem Strommarkt an. Öffnet der Besitzer die Schleusen seiner alten Mühle, dreht sich das Mühlrad knarzend im Wasser. Mehl wird hier schon lange nicht mehr gemahlen.

Innovative Geschäftsideen

Doch die alte Wassermühle arbeitet – sie produziert grüne Energie. Sie erzeugt im Jahr etwa 100.000 Kilowattstunden Energie. Damit können 25 Vier-Personen-Haushalte versorgt werden. Genug also, um mit der erzeugten Energie Geld zu verdienen und einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Seinen Strom verkauft der Besitzer über eine Internetplattform, die sich selbst als das „AirBnB für Strom“ bezeichnet.

Die Webseite gehört zum Start-up Enyway. Deren Slogan „Tschüss Großkonzern. Hallo Ökostrom aus deiner Region.“ steht als Aussage für sich und zeigt den Weg, den das Unternehmen geht. Lokale Produzenten, die Energie aus erneuerbaren Quellen gewinnen, werden zu Lieferanten für Kunden ihrer Region. Zeitgemäß präsentiert sich zum Beispiel eine Schule in der Nähe von Bonn, die ein Solardach beherbergt. Sie bietet sich als neuer Stromlieferant für seine Nachbarn auf der Webseite des Unternehmens an.

Umdenken der Verbraucher

In Deutschland arbeiten inzwischen unzählige kleine Ökostromanlagen. Die privaten Betreiber speisen überschüssige Energie in die Stromnetze und erhalten dafür einen Festpreis. Die feste Einspeisevergütung führte einst der Staat ein, um die Energiewende voranzubringen und private Ökostromanlagen rentabel zu machen. Sie läuft jedoch demnächst aus und die Ökostromproduzenten benötigen neue Absatzwege. Start-ups wie Enyway haben die Marklücke erkannt. Sie reagieren mit neuem Geschäftsmodell auf die auslaufende Einspeisevergütung.

Bisher beziehen zwar noch keine 10.000 Kunden ihren Strom über die Plattform Enyway, doch der Besitzer der Mühle kann sich bereits über mehrere Abnehmer aus der Region freuen. Das Vertrauen der Verbraucher in solche Anbieter ist bisher nicht besonders groß. Sie wissen zu wenig über die (alternative) Energieversorgung und darüber, dass bei Versorgungslücken der Grundversorger einspringt. Zudem ist es schwer vermittelbar, warum der Ökostrom privater Kleinanbieter teurer ist als der von Großkonzernen. Die Leistung bleibt schließlich gleich, denn die Lampe funktioniert mit jedem Strom und das Licht leuchtet immer gleich hell.

Ändern sich jedoch die Denkweise und das Verhalten der Kunden, könnte das langfristig für Großkonzerne zum Problem werden. Endverbraucher würden die Kontrolle übernehmen und Geldströme in andere Kanäle zu privaten Ökostromanbietern fließen. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg.

(Video: Enyway/youtube)

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