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Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
Rettungseinsatz an Straßenbeleuchtung

Bei der freiwilligen Feuerwehr eines Ortes ist leider niemand EuP oder EffT, sodass bei Notfällen u. a. die Straßenbeleuchtung weder ein- noch ausgeschaltet werden kann. Was ist zu tun?

(Bild: Tobias/stock.adobe.com)

Frage:
Kameraden der freiwilligen Feuerwehr unseres Ortes, hatten in letzter Zeit abends öfter das Problem, dass Fahrzeuge infolge eines Unfalls mit Straßenlaternen kollidierten und dann auf den Laternenstümpfen zum Stehen kamen. Der Einsatzleiter hat in der Situation das folgende Problem, dass die eventuell eingesetzten Kameraden über keine elektrische Ausbildung verfügen. Keine EuP oder EffT ist dabei, die die Straßenbeleuchtung in der Hauptverteilung des Ortes abschalten kann/darf. Das Herbeirufen des örtlichen Energieversorgers würde natürlich kostbare Zeit in Anspruch nehmen, welche bei einer eventuellen medizinischen Versorgung der Unfallopfer fehlen würde. Wie kann sich der Einsatzleiter verhalten? Wäre die Qualifikation einiger Kameraden zur EuP die Lösung?

Antwort:
Wenn ein Kraftfahrzeug nach einem Unfall auf einem „Laternenstumpf“ zum Stehen kommt und davon auszugehen ist, dass die anliegende elektrische Spannung (noch) nicht abgeschaltet ist, dann besteht die Gefahr, dass der Laternenstumpf, offene Kabel und (die metallischen) Teile des Kraftfahrzeuges unter Spannung stehen. In der Regel wird es sich hierbei um Niederspannung, 230 V/50 Hz, handeln. Beim Berühren der spannungsführenden Teile kann es zu lebensgefährlich hohen Stromflüssen durch den Körper kommen.

Bei Gefahren durch Elektrizität gilt der Grundsatz, dass Einsatzmaßnahmen so lange unterbleiben müssen, bis die notwendige Sicherheit hergestellt ist. Dies ist an einer derartigen Einsatzstelle erst dann der Fall, wenn die elektrische Spannung gesichert abgeschaltet ist! Auf weitergehende Sicherheitsmaßnahmen, wie z. B. Erden, kann bei einer abgeschalteten Spannung von 230 V verzichtet werden. Aber ohne gesicherte Abschaltung bleibt die Einsatzstelle unkalkulierbar gefährlich, gerade weil es zu einer erheblichen mechanischen Zerstörung der Laterne als elektrische Anlage gekommen ist.

Selbstverständlich kann es für eine Feuerwehr hilfreich sein, eine elektrotechnisch unterwiesene Person in ihrem Einsatzpersonal zu haben. Aber: Wie soll diese Person denn gesichert feststellen, ob im nicht einsehbaren Teil zwischen Laternenstumpf und Fahrzeugboden offene spannungsführende Teile vorliegen und Kontakt zur Karosserie haben? Wenn das Kraftfahrzeug ansonsten elektrisch isoliert auf seinen Gummireifen steht, d. h. ohne weitere Verbindung zur Erde, dann würde diese Verbindung erst durch die berührende Einsatzkraft hergestellt werden – mit der Folge eines Stromschlages. Die Insassen des Fahrzeuges können dabei u. U. geschützt in ihrem faradayschen Käfig vollkommen unbeteiligt bleiben.

Auch ein Messen von eventuell vorliegender Spannung gegen Erde, wie sie ggf. von einer elektrotechnisch unterwiesenen Person durchgeführt werden könnte, eignet sich nicht für einen Ausschluss elektrischer Gefahren, denn jede Arbeit am Kraftfahrzeug kann dessen (meist instabile) Position auf dem Laternenstumpf verändern – manchmal trennen und isolieren damit nur Millimeter die Karosserie von einem blanken, spannungsführenden Kabel o. ä.

Meine Empfehlung lautet daher eindeutig: Optimierung der Kommunikation zwischen den Einsatzkräften bzw. der Leitstelle und dem Energieversorger.

Autor: K.-H. Knorr

Dieser Artikel wurde unserem Facharchiv entnommen.

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