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Erneuerbare Energien: Windkraft-Statistik 2017
Rekord in Niedersachsen, Flaute in Baden-Württemberg

Die Prognose der Windenergie-Verbände scheint sich zu bestätigen. 2017 sollen erstmals mindestens fünf Gigawatt Windkraft in das Stromnetz eingespeist werden. Trotzdem herrschen in Deutschland Missverhältnisse zwischen den Bundesländern – unabhängig von der Windverteilung.

Im Auftrag des Bundesverbands Windenergie ist die aktuelle Statistik zum Windenergieausbau in Deutschland veröffentlicht worden (Stand: 30. Juni 2017). Im ersten Halbjahr 2017 wurden 790 Windenergieanlagen an Land errichtet. Mit der Gesamtleistung von 2.280,7 Megawatt konnte ein solider Wert verzeichnet werden.

Kumulierte Leistung gestiegen

Mit dem Anstieg des Bestandes der Windenergieanlagen (auf eine Gesamtzahl von 27.914 WEA mit 48.024 MW) ist auch ein Wachstum der kumulierten Leistung um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr auszumachen. Aufgrund des Repowerings, wurden in diesem Halbjahr 146 Windenergieanlagen abgeschaltet, das ergibt einem Rückgang der Leistung von 167 MW.

Repowering bedeutet, dass veraltete Windenergieanlagen mit moderneren Turbinen ersetzt werden sollen, die zwar eine Halbierung der Anlagenanzahl zur Folge hätten, aber gleichzeitig die Leistung verdoppeln sollen. Wenn die Standorte effizient genutzt werden, wäre eine Verdreifachung des Ertrags möglich. 151 solcher Repowering-Anlagen wurden in diesem Halbjahr neu installiert.

Unterschiedliches Wachstum der Bundesländer

Die Gesamtleistung der Windenergieanlagen verteilt sich auf 41 Prozent im Norden (Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und Hamburg) und 43 Prozent auf die Mitte Deutschlands (Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Thüringen, Sachsen, Berlin). In den südlichen Bundesländern Rheinland-Pfalz, Bayern, Baden-Württemberg und Saarland ist eine Gesamtleistung von 15 Prozent auszumachen – ein Wert, der so hoch ist wie noch nie. Seit 1992 sinkt der Anteil an kumulierten Leistungen im Norden Deutschlands stetig, während er im Süden steigt.

In Sachsen wurden in diesem Halbjahr die leistungsstärksten Generatoren errichtet. Sie erreichen eine durchschnittliche Anlagenleistung von 3.125 kW. Die schwächsten Anlangen werden in Hamburg genutzt, dort betrug die durchschnittliche Leistung 2.657 kW.

Mit 19,5 Prozent führt Niedersachsen den Ausbau an Windenergieanlagen an. Mit einem Zuwachs von 576,65 KW wuchs die Leistung fast doppelt so stark wie in Nordrhein-Westfalen . In NRW lag das Leistungswachstum mit 13,7 Prozent und 313,50 MW an zweiter Stelle.

Regionale Politik hat Auswirkung auf Windanlagen

In den vergangenen Jahren lag Schleswig-Holstein an der Spitze des Windenergieausbaus. Jetzt ist das Bundesland mit einem Leistungszuwachs von 217,9 MW (9,4 Prozent des gesamten Leistungszubaus) auf den vierten Platz abgerutscht. Das ist mitunter der Zurückhaltung bei der Entwicklung der Regionalpläne zuzuschreiben. Seit 2014 die Übergangsregelungen in Kraft traten, werden neue Anlagen bis zur Verabschiedung langfristiger Regionalpläne nur mit Ausnahmeregelungen genehmigt – früher machten sie 24 Prozent der in Schleswig-Holstein neu gebauten Windanlagen aus.

Dass Bayern mit einem Zuwachs von 181,9 MW auf Rang fünf landete und gegenüber dem Vorjahr ein Prozent einbüßte, lässt sich wohl auf die neue Regelung des Mindestabstands zwischen Windparks und Wohnhäusern zurückzuführen. Rheinland-Pfalz dagegen erlebte einen Zuwachs auf 6,2 Prozent. Wegen des Widerstandes von Bewohnern, die sich gegen die Bebauung der Flächen des Landes stemmten, war in den vergangenen zwei Jahren der Wert zeitweise auf etwas mehr als fünf Prozent gefallen. 

Knackpunkt Baden-Württemberg

Mit zwei Prozent weniger Wachstum als zuvor sinkt Baden-Württemberg auf 5,3 Prozent. Mit einem Zuwachs von 120 Megawatt wurde etwa 30 Prozent weniger Leistung erbracht als Anfang 2016. Ministerpräsident Windfried Kretschmann (B90/Grüne) verkündete zusammen mit dem Regierungspartner SPD das Ziel, bis 2020 zehn Prozent der Stromversorgung des Landes mit Windkraft zu erzeugen. Dem Umweltministerium zufolge müsste dafür der Ertrag auf 3.500 MW steigen. Ein Wunsch, der womöglich von der Realität abweicht, denn 2016 speiste das Bundesland nur 1,6 Prozent Windenergie (brutto) in das Stromnetz ein. 

Seit dem Regierungswechsel zu Grün-Rot wurden in Baden-Württemberg circa 400 neue Windenergieanlagen autorisiert. Auch wenn diese bis 2020 errichtet werden könnten, würde die auf 2.150 MW dazugewonnene Leistung nicht ausreichen, um das Ausbauziel zu erreichen. Dafür müssten alle Windenergieanlagen ab 2018 eine durchschnittliche Leistung von 3,5 MW erzeugen. Zur Zeit werden jedoch in Baden-Württemberg viele Anlagen mit weniger als drei MW errichtet.

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