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Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
RCDs für Steckdosen mit 500 V im IT-System

Müssen für den Betrieb von 500-V-Steckdosen RCDs eingesetzt werden?

(Bild: photographyfirm/stock.adobe.com)

Frage:
Wir setzen in unserem Betrieb das IT-System (System nach Art der Erdverbindung) mit (3 × 500 V) ein. Größtenteils werden hiermit Motoren und Transformatoren versorgt. In sehr wenigen Ausnahmefällen jedoch werden von diesem Netz auch 500-V-Steckdosen versorgt. Da bei IT-Systemen die automatische Abschaltung bei Auftreten des ersten Fehlers nicht gefordert ist, setzen wir Isolationsüberwachungseinrichtungen ein, die beim Erstfehler an eine zentrale Stelle melden und eine umgehende Fehlersuche zur Folge hätten mit einer Behebung des Fehlers vor Ausbildung eines zweiten Fehlers.

Müssen für unsere 500-V-Steckdosen zwingend RCDs eingesetzt werden, oder sind die vorhandene Isolationsüberwachung und Überstromschutzeinrichtungen (Schmelzsicherungen) ausreichend? Falls RCDs benötigt werden, möchte ich gerne wissen, welcher Auslösestrom und welche Abschaltzeit in diesem Fall gelten würden.

Ich war bislang der Meinung, dass RCDs im IT-System wegen des hochohmigen Trafosternpunktes nur aufgrund von kapazitiven Strömen auslösen, aber keinen „echten“ Fehlerstromkreis bilden, wie beim TN-System. Könnten Sie mir bei diesen Fragen eventuell weiterhelfen?

Antwort:
Als die DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410)[1] im Jahr 2007 herauskam, wurde sehr schnell deutlich, dass zur Anforderung im Abschnitt 411.3.3 der Norm selbst, Zusätzlicher Schutz für Endstromkreise für den Außenbereich und Steckdosen, leider nicht alles gesagt worden war, was zu diesem Thema hätte gesagt werden müssen. Dies gilt insbesondere dann, wenn man diese Anforderung auf das IT-System anwendet. So etwas passiert immer wieder einmal – auch in anderen Normen. Um daraus entstehende Missverständnisse zu vermeiden, werden in solchen Fällen von der Deutschen Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (DKE), die für die Überarbeitung und Neuherausgabe von VDE-Normen zuständig ist, sogenannte Verlautbarungen herausgegeben.

In Bezug auf die Anforderung aus DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410)[1], Abschnitt 411.3.3 gab die Unterkommission UK 221.1 der DEK im Jahr 2009 die „Verlautbarung zu DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2007-06“ [2] heraus. Diese Verlautbarung ist nachzulesen auf der Internetseite der DKE.

Zu der Fragestellung des Lesers sind in dieser Verlautbarung folgende Textabschnitte von besonderer Bedeutung: „Gemäß dieser Anmerkung [gemeint ist die Anmerkung im zuvor erwähnten Abschnitt 411.3.3] können somit von der Forderung ausgenommen werden

  1. Steckdosen, die ausschließlich durch Elektrofachkräfte oder elektrotechnisch unterwiesene Personen überwacht werden und für die gleichzeitig sichergestellt werden kann, dass Laien diese Steckdosen nicht benutzen können (z. B. in elektrischen Betriebsstätten nach DIN VDE 0100-731 (VDE 0100-731)),
  2. Steckdosen, die zur Benutzung durch Laien und zur allgemeinen Verwendung bestimmt sind, unter der Voraussetzung, dass diese ständig messtechnisch überwacht werden (z. B. RCMs) und das rechtzeitige Erkennen von Fehlern und Schäden sichergestellt ist. Es muss sichergestellt sein, dass das sofortige Beheben von Fehlern/Schäden durch eine Elektrofachkraft, auch an den angeschlossenen elektrischen Geräten/Verbrauchsmitteln/Betriebsmitteln, gegeben ist. Dies erfordert organisatorische Maßnahmen zur Fehlerbehebung [...]

Steckdosen in überwachten IT-Systemen nach 411.6

Die Kommentierung b) des UK 221.1 ist auch für das IT-System zutreffend, da in diesem mit Isolationsüberwachungseinrichtungen ständig messtechnisch überwacht wird.

Ein IT-System wird geplant, weil es vorteilhaft ist, dass beim Auftreten des ersten Fehlers eine Unterbrechung der Stromversorgung von angeschlossenen elektrischen Verbrauchsmitteln nicht erfolgt. Dieser ‚erste Fehler‘ soll so schnell wie praktisch möglich beseitigt werden.

Die Berührungsspannung bleibt beim ersten Fehler signifikant unterhalb der zulässigen Berührungsspannung. Der sachgerechte Einsatz von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) in IT-Systemen ist daher immer nur dann sinnvoll, wenn deren Funktion durch Messung oder Berechnung nachgewiesen wird.

Da es aufgrund der Komplexität und der schwierigen Beurteilung der Struktur und der Ausdehnung eines IT-Systems nicht sichergestellt ist, dass die bestimmungsgemäße Funktion von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) erfolgt, sollte deren Einsatz in Steckdosenstromkreisen die Ausnahme bleiben.“

Autor: H. Schmolke

Literatur:

[1] DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2007-06 (zurückgezogen) Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4-41: Schutzmaßnahmen – Schutz gegen elektrischen Schlag.

[2] Verlautbarung zu DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2007-06 vom 15.05.2009; DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik in DIN und VDE.

Der vollständige Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

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