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Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
RCD-Problem in altem Haus

In einem Verteiler aus Holz lösen weder alter noch neuer RCD aus. Was könnte die Ursache sein?

(Bild: photographyfirm/stock.adobe.com)

Frage:
In einem alten Hauses schaltet der RCD sporadisch ab. Bei der Besichtigung der Anlage traf ich auf einen optisch sauber gefertigten Verteiler aus Holz mit einer sehr kunstvollen Verdrahtung. Ich führte eine Prüfung durch und stellte fest, dass der RCD bei keiner Messung auslöst. Daraufhin habe ich den alten RCD ersetzt. Nach erneuter Prüfung ergaben sich die gleichen Werte. Auch der neue RCD löste nicht aus. In der Verteilung sind zweipolige Stegleitungen vorhanden, in den Steckdosen jedoch schon dreipolige Leitungen mit grün/gelber Ader verbaut. Wie komme ich bei der Fehlersuche weiter?

Antwort:
Zur Beantwortung dieser Leseranfrage war die telefonische Kontaktaufnahme erforderlich, die dann zur Lösung dieser Aufgabe führte. Nachfolgend also das Ergebnis.

Die Anlage. Die Installation im Haus stellt sich als „gewachsen“ dar. Aus mehreren Epochen gibt es Leitungen und Betriebsmittel. Die ursprüngliche Schutzmaßnahme könnte eventuell „Schutz durch nichtleitende Räume“ gewesen sein. Irgendwann wurden ein RCD eingebaut – wohlgemerkt in einer Zwei-Ader-Installation – und bestehende Stromkreise um neue Steckdosen mit „klassischer Nullung“ ergänzt. Warum die Installation so ausgeführt wurde, kann heute nicht mehr nachvollzogen werden.

Die Fehlersuche. Die Phänomene jedoch, dass der RCD (zufällig) fehlerhaft und bei der Prüfung nicht auslöst, lassen sich mit diesem Anlagenaufbau erklären. Wird an einer „klassisch genullten“ Steckdose hinter dem RCD ein SK-I-Betriebsmittel eingesteckt, das eine zusätzliche Erdverbindung erhält, kann sich der Neutralleiterstrom an der „Nullungsbrücke“ entsprechend den Widerstandsverhältnissen aufteilen. Der Neutralleiterstrom fließt entweder über den PEN und den RCD zum Trafosternpunkt oder über den PE des Gehäuses und die Erdverbindung irgendwie weiter zum Trafosternpunkt.

Eine weitere Erdung des PEN-Leiters ändert an dieser Situation nichts.

Wenn nun ein Prüfgerät an einer „klassisch genullten“ Steckdose eingesteckt wird, versucht das Prüfgerät einen Fehlerstrom am RCD vorbeizuschleusen. Da N und PE der Steckdose irgendwo zwischen Steckdose und RCD zusammengeführt sind, ergibt sich kein Differenzstrom für den RCD.

Sollte die o. g. zusätzliche Erdverbindung über ein SK-I-Gerät auch bei der Prüfung bestehen, könnte der RCD später auslösen als erwartet – das war hier jedoch nicht der Fall.

Bei der beschriebenen Ausführung der Anlage ist der RCD also vollkommen wirkungslos und sorgt sogar dafür, dass es zu ungewollten Abschaltungen kommt.

Fazit. Dem Kunden ist eine generelle Sanierung der Altanlage unbedingt anzuraten. Von einer normgerechten Anwendung von Schutzmaßnahmen kann hier keine Rede mehr sein. Auch ein Rückbau in die ursprüngliche Schutzmaßnahme „Schutz durch nichtleitende Räume“ ist mit Zentralheizung im Haus kaum mehr möglich und seit langer Zeit auch nicht mehr im laienbedienbaren Bereich zulässig.

Der Vollständigkeit halber muss ich jedoch erwähnen, dass früher durchaus mal die Kombination von RCD und Zwei-Ader-Installation zulässig war: Man findet diesen Hinweis nur in den Übergangsbestimmungen für Anlagen nach TGL nach der Wiedervereinigung. Damals hat man im Beiblatt 2 der VDE 0100 Anhang A die „provisorische Möglichkeit“ eröffnet, einen RCD in einer Zwei-Ader-Installation zu verwenden, jedoch unter der Voraussetzung, dass auch kein Schutzleiter in der Anlage vorhanden ist. Man hat damals auch schon eine Übergangsfrist bis zum 01.03.2002 gesetzt. Es wurde allerdings sehr schnell erkannt, dass diese Lösung auch ihre schwerwiegenden Nachteile hat

Eine Erdung über das Wasserrohr ist auch schon seit langer Zeit nicht mehr zulässig. Dies war auch eine Übergangslösung, die in den 1940er Jahren mal erlaubt wurde und schon mit der VDE 0190/5.73 wieder aufgegeben wurde. Ausnahmen sind nur zulässig, wenn der Wasserversorger dies ausdrücklich erlaubt.

Im Telefongespräch wurde dann auch die Idee aufgegriffen, einen Tiefenerder zu setzen und einen Hauptpotentialausgleich im Gebäude zu erstellen. Diese Maßnahme ist immer zu begrüßen, bei derartigen Altanlagen ist eine Erdung faktisch nicht vorhanden, die Erdung über das Wasserrohr täuscht eine vermeintliche Sicherheit vor, denn oft ist das Wasserrohr außerhalb des Hauses aus Kunststoff und somit isoliert.

Autor: M. Lochthofen

Dieser Artikel wurde unserem Facharchiv entnommen.

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