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Leseranfrage
Prüfen von RCD in 690-V-Netzen

Im aktuellen Elektropraktiker 04/2018 geht es in einer Leseranfrage um vergleichende Messungen von Fehlerstromschutzeinrichtungen (RCDs) mit Messgeräten verschiedener Hersteller. In der folgenden Leseranfrage wird der Einsatz und die Prüfung von RCDs in Windkraftanlagen beleuchtet.

Symbolfoto (Bild: photographyfirm/stock.adobe.com)

Frage: Wir arbeiten in der Windbranche und führen an Windkraftanlagen Prüfungen nach DGUV Vorschrift 3 durch. Bei der Überprüfung von RCDs testen wir auch den Abschaltstrom und die Abschaltzeit, so wie es laut Vorschrift geprüft werden soll.

Nun sind bei dem Hersteller einer Windkraftanlage RCDs mit einer Nennspannung von 690 V eingebaut, für deren Spannungsebene mein Prüfgerät nicht geeignet ist.

Da ich mich mit dem alleinigen Prüfen mittels Prüftaste nicht einverstanden erkläre, habe ich diese Anlage mit den 690-V-RCDs durchfallen lassen.

Habe ich hier richtig gehandelt? Es muss doch auch für RCDs mit einer Nennspannung von 690 V ein Prüfgerät geben, oder?

Antwort: Zunächst muss ich dem Anfragenden widersprechen: In Deutschland ist nach meinen Erkenntnissen momentan kein Prüfgerät für Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD) nach DIN EN 61557-6 (VDE 0413-6)[1] für die Spannungsebene 690 V verfügbar.

Nun wird die Sache interessant: Die DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600)[2] sieht im Abschnitt 61.3.6.1 das „Besichtigen und Messen“ sowie zusätzlich das Betätigen der Prüftaste vor. Bei einer Wiederholungsprüfung nach DIN VDE 0105-100 (VDE 0105-100)[3] ist an Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen zusätzlich zur Auslösezeit auch der Auslöse-Fehlerstrom festzustellen. Dabei wird allerdings eine interessante Einschränkung gemacht. In Abschnitt 5.3.3.101.0.3 heißt es: „Sind in besonderen Fällen Messungen an oder in elektrischen Anlagen mit technisch oder wirtschaftlich vertretbarem Aufwand nicht durchführbar [...], so ist auf andere Weise nachzuweisen, dass die zu ermittelnden Werte eingehalten werden [...]“

Eigentlich wäre nun der Hersteller der Fehlerstrom-Schutzeinrichtung in der Pflicht, zu erklären, wie er sich eine Erst- und Wiederholungsprüfung in der Anlage vorstellt. Doch erfahrungsgemäß gibt es von Seiten der Hersteller da sehr wenig Informationen.

Welche Möglichkeiten bleiben? Zunächst kann ja eine Erprobung mittels Prüftaste durchgeführt werden. Ein messtechnischer Nachweis von Auslösezeit und Auslösestrom ist aus meiner Sicht nicht möglich – es gibt momentan kein passendes Prüfgerät zu kaufen.

Eine Erprobung mittels Lastzuschaltung eines zweipoligen Spannungsprüfers wäre noch möglich. Doch lassen sich so auch keine tiefergehenden Erkenntnisse gewinnen als durch Betätigen der Prüftaste.

Vielleicht hat der Hersteller der Windkraftanlage ja noch eine Möglichkeit in seinem Wartungs- und Betriebshandbuch aufgezeigt?

Literatur:
[1] DIN EN 61557-6 (VDE 0413-6):2008-05 Elektrische Sicherheit in Niederspannungsnetzen bis AC 1 000 V und DC 1 500 V – Geräte zum Prüfen, Messen oder Überwachen von Schutzmaßnahmen – Teil 6: Wirksamkeit von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD) in TT-, TN- und IT-Systemen.

[2] DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600):2008-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 6: Prüfungen.

[3] DIN VDE 0105-100 (VDE 0105-100):2015-10 Betrieb von elektrischen Anlagen – Teil 100: Allgemeine Festlegungen.

Autor: M. Lochthofen

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