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Aus dem Facharchiv: Lernen & Können
Prüfen nach 
DIN VDE 0701-0702: Direkte Messung von Schutzleiter- und Berührungsstrom (6)

Das Thema „Prüfen der elektrischen Sicherheit“ ist ein wichtiger Bereich der Arbeit einer Elektrofachkraft. Jedoch ist es für einige Fachkräfte nicht alltäglich, selber elektrotechnische Prüfungen auszuführen. Um diese Prüfungen vollständig, richtig und sicher durchführen zu können, werden solide elektrotechnische Kenntnisse und ausreichende persönliche Erfahrung benötigt. Mit dieser Serie sollen die bereits erworbenen Kenntnisse vertieft und erweitert werden. Schwerpunkt des Beitrags bilden die Verfahren zur direkten Messung der Ableitströme Schutzleiter- und Berührungsstrom.

Unterbrochener Schutzleiter – Schutzleiterstrom fließt über den Benutzer Der Schutzleiterstrom darf nicht so groß sein, dass es zu körperlichen Schäden kommt. (Quelle: K. Rohlof, M. Lochthofen/ep)

Bedeutung dieser Prüfung

Die Messung der Ableitströme ist die komplexeste Messung bei der Geräteprüfung. Sie kann mit drei verschiedenen Methoden durchgeführt werden (direktes, Differenzstrom- und Ersatzableitstrom-Messverfahren). Im internationalen Vergleich ist Deutschland damit Spitzenklasse: kein anderes nationales Regelwerk enthält diese Vielfalt. In anderen Ländern wird oft eine Messmethode starr vorgeschrieben. Dies führt jedoch in der Praxis nicht dazu, dass man jeden Fehler findet oder die Messung einfach durchzuführen ist. Die zum Prüfen befähigte Person muss sämtliche Methoden kennen und nutzen, um möglichst alle Gerätefehler aufzuspüren und Fehlmessungen zu vermeiden.

Der Begriff „Messung von Ableitströmen“ taucht erstmals im Jahre 1971 in der 
DIN VDE 0701 [1] auf. Im Laufe der 
Zeit hat man alle drei Messmethoden in die Normung aufgenommen, um zwei verschiedene Ableitströme zu messen: Schutzleiter- und Berührungsstrom.

Begriffe zu Ableitströmen

„Ableitstrom“ ist der Oberbegriff für alle Ströme, die nicht dort entlang fließen, wo der Strom eigentlich fließen sollte: im Außen- und Neutralleiter.Für die Geräteprüfung unterscheidet man zwei unterschiedliche Ableitströme: Schutzleiter- und Berührungsstrom. Die Begriffe sind in der DIN VDE 0701-0702 [2] festgelegt.

Schutzleiterstrom

Summe der Ströme, die über die Isolierung eines Gerätes zum Schutzleiter fließen. Der Schutzleiterstrom kann auch durch Beschaltungen verursacht werden.

Gemeint sind alle Ströme, die während des normalen Betriebes über den Schutzleiter fließen – kein Kurzschlussstrom oder Ähnliches.

Berührungsstrom

Strom, der beim Berühren von nicht mit dem Schutzleiter verbundenen Teilen des Körpers eines elektrischen Betriebsmittels (Gerätes) über die berührende Person zur Erde fließt.

Gemeint ist der Strom, welcher im normalen Betrieb über eine Person zum fließen kommen kann, wenn Teile von Geräten angefasst – berührt – werden.

Ziel der Messung

Elektrische Geräte dürfen im normalen Betrieb keine zu großen Ableitströme aufweisen.

Stromfreier Schutzleiter. Zum einen darf der Schutzleiterstrom nicht sonderlich hoch werden, da der Schutzleiter in elektrischen Anlagen als stromfrei gilt. Betriebsströme auf dem Schutzleiter müssen weitgehend vermieden werden. Sollte es zu einer Unterbrechung des Schutzleiters kommen, würde der Schutzleiterstrom einen anderen Weg nehmen. Und dieser wäre – im schlechtesten Fall –über den Benutzer des Gerätes (Bild).

Summenstrom auf Schutzleiter. Zum anderen summieren sich die in der elektrischen Anlage vorhandenen Schutzleiterströme. In Stromkreisen mit einer Absicherung über RCDs kann es dadurch zu Auslösungen des Fehlerstromschalters kommen. Somit wäre die Anlagenverfügbarkeit nicht mehr gewährleistet.

Stromfreiheit bei Berührung. Die Messung des Berührungsstroms hatte früher die eindeutige Bezeichnung: „Messung der Stromfreiheit“. Bei dieser Messung muss nachgewiesen werden, dass der Benutzer alle berührbaren Teile eines elektrischen Gerätes anfassen kann, ohne dass es zu einer wahrnehmbaren Körperdurchströmung kommt. Praktisch gesagt: Der Nutzer soll das Gerät in die Hand nehmen können, ohne „eine gewischt“ zu bekommen. Auf diese Weise werden sogenannte Sekundärunfälle vermieden, bei denen eine Person aufgrund der Schreckreaktion auf eine Körperdurchströmung einen Unfall erleidet.

Autoren: K. Rohlof, M. Lochthofen

Der vollständige Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

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