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Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
Prüfen eines US-amerikanischen Gerätes

Wie werden elektrische Geräte, die für den US-Markt hergestellt werden, in Deutschland geprüft, insbesondere in Hinblick auf die DIN VDE 0701-0702 bzw. die DGUV Vorschrift 3?

Strommessung/Prüfung mit Multimeter

Prüfen eines US-amerikanischen Gerätes (Symbolfoto: auremar/stock.adobe.com)

Frage: Bei der Prüfung von diversen 115-V-Geräten stehen wir vor folgender Herausforderung: Ein in den USA hergestellter Prüfling wird mit einer Betriebsspannung von 115 V bei 60 Hz betrieben. Angeschlossen wird der Prüfling über eine Netzleitung NEMA 1-15 (2-polig). Das Gehäuse des Prüflings ist vollständig aus Metall gefertigt und liegt vollständig auf Neutralleiter-Potential. Wie kann ich in diesem Fall den Anforderungen der DGUV Vorschrift 3 gerecht werden? Eine Prüfung nach DIN VDE 0701-0702 ist meiner Meinung nach hier nicht möglich, da ich nur eine Isolationsmessung durchführen kann. Ich sehe besonders die Gefahr darin, dass bei einer Unterbrechung des Neutralleiters das Gerät auf dem Potential der Phase liegt.

Antwort:

Grundsätzliches: Alle Arbeitsmittel, die Beschäftigten in Deutschland bereitgestellt werden, müssen den Mindestanforderungen der BetrSichV 1 [1] entsprechen. Sie müssen nicht nur sicher zu Benutzen sein, sondern auch den Vorgaben der EU entsprechen. Einer dieser Mindeststandards ist die CE-Kennzeichnung.

Elektrogeräte ohne CE-Kennzeichnung dürfen nur beschafft werden, wenn mindestens eine der zwei Ausnahmen nach Niederspannungsrichtlinie [2] Anhang 2 zutrifft:

  • „Spezielle elektrische Betriebsmittel, die zur Verwendung auf Schiffen, in Flugzeugen oder in Eisenbahnen bestimmt sind und den Sicherheitsbestimmungen internationaler Einrichtungen entsprechen, denen die Mitgliedstaaten angehören.“ oder
  • „Kunden- und anwendungsspezifisch angefertigte Erprobungsmodule, die von Fachleuten ausschließlich in Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen für ebensolche Zwecke verwendet werden.“
    Sollten die beschriebenen Geräte unter eine der Ausnahmen fallen, dann muss die befähigte Person für eine positive Prüfung die Sicherheit des Prüflings bestätigen können.

Bei Geräten mit 115 V / 60 Hz, geerdetem Gehäuse und zweiadriger Zuleitung ist davon auszugehen, dass in der Zuleitung ein PEN oder PEL-Leiter verwendet wird. Da die AC 115 V in keinem Fall mehr unter den Betrieb an Schutzkleinspannung (also Schutzklasse III) fallen, muss eine der Schutzklassen 0, I oder II zutreffen. Nach meiner Meinung handelt es sich hier um ein Betriebsmittel der Schutzklasse 0, da kein Fehlerschutz vorhanden ist. Geräte der Schutzklasse 0 sind seit Jahrzehnten in Deutschland nicht mehr zulässig. Richtigerweise wurde erkannt, dass bei einem Einzelfehler das Gehäuse unter voller Betriebsspannung steht. Mit der Verwendung von einem PEN-Leiter in der Zuleitung ist es damit auch unmöglich, zusätzliche Schutzvorkehrungen anzuwenden, also z. B. das Gerät über einen RCD zu betreiben. Die Anwendung der 1-Fehler-Sicherheit ist bei diesem Gerät technisch ausgeschlossen.

In Deutschland dürfen PEN-Leiter seit mehr als 40 Jahren schon nicht mehr einen kleineren Querschnitt als 10 mm aufweisen und nur noch in ortsfesten Anlagen verwendet werden, s. DIN VDE 0100-540 (VDE 0100-540), Abschnitt 543.4.1 [3].

Einen möglichen Betrieb dieses Gerätes sehe ich bei einer Verwendung durch unterwiesene Personen /Elektrofachkräfte unter den Schutzmaßnahmen „Schutztrennung mit einem Verbrauchsmittel“ oder „Schutz durch nichtleitende Umgebung“.

Prüfung: Im Fall dieses 115-V-Gerätes lässt sich die DIN VDE 0701-0702 (VDE 0701-0702) [4] tatsächlich nur schwer anwenden. Durchaus gibt es Prüfgeräte auf dem Markt, die auch Prüflinge mit 115 V testen können, nur wird sich damit auch nicht viel nachweisen lassen. Das Problem ist tatsächlich die zweipolige Zuleitung und das geerdete Gehäuse.

Für wichtig halte ich den Nachweis des PEN-Leiters. Dies kann nach meiner Ansicht am einfachsten mit einem Installationstester in der Einstellung „Niederohmmessung“ nach dem 200-mA-Messverfahren überprüft werden.

Ich stimme dem Fragesteller nicht zu, dass eine Isolationsmessung möglich ist, denn die Gehäuseteile sind niederohmig mit dem Neutral- bzw. korrekterweise PEN-Leiter verbunden. Bei einem eingeschalteten Gerät lässt sich so keine Isolationsmessung durchführen. Bei ausgeschaltetem Gerät könnte höchstens gegen den Außenleiter zwischen Stecker und Netzschalter gemessen werden. Ob dies sinnvoll ist, kann nur die befähigte Person vor Ort entscheiden.

Die Messung von Ableit- und Berührungsströmen ist nicht möglich.

Fazit: Die befähigte Person kann das beschriebene Gerät nur unter strikten organisatorischen Voraussetzungen für den Betrieb als sicher bewerten. Grundsätzlich ist der Betrieb von Arbeitsmitteln der Schutzklasse 0 und/oder ohne CE-Zeichen sehr problematisch. Der Prüfer muss sich entsprechend tiefgehend mit der Materie beschäftigen, um die Sicherheit des Arbeitsmittels zu bestätigen oder anzuzweifeln.

Literatur: [1] Betriebssicherheitsverordnung – BetrSichV, Bundesgesetzblatt Jahrgang 2015 Teil I Nr. 4, S. 49, ausgegeben zu Bonn am 6. Februar 2015; zuletzt geändert durch Artikel 147 des Gesetzes vom 
29. März 2017 (BGBl. I S. 626).
[2] Richtlinie 2014/35/EU des europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Februar 2014 zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Bereitstellung elektrischer Betriebsmittel zur Verwendung innerhalb bestimmter Spannungsgrenzen auf dem Markt (Niederspannungsrichtlinie).
[3] DIN VDE 0100-540 (VDE 0100-540):2012-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 5-54: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Erdungsanlagen und Schutzleiter.
[4] DIN VDE 0701-0702 (VDE 0701-0702):2008-06 Prüfung nach Instandsetzung, Änderung elektrischer Geräte – Wiederholungsprüfung elektrischer Geräte – Allgemeine Anforderungen für die elektrische Sicherheit.

Autor: M. Lochthofen

Der Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

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