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Fachkräftemangel bedroht Energiewende

Der VDI-/IW-Ingenieurmonitor zeigt: 151.300 offene Stellen – der Rekordwert auf dem Ingenieur*innen-Arbeitsmarkt wird erneut gebrochen. Während im letzten Quartal 2021 insgesamt 140.000 offene Stellen nicht besetzt werden konnten, verschärft sich die Lage auf dem auf Ingenieur*innen-Arbeitsmarkt im ersten Quartal 2022 dramatisch.

Bild: kokliang1981/stock.adobe.com

Energiewende-Dilemma durch Fachkräftemangel

Der zuletzt ermittelte Rekordwert an offenen Stellen wird laut aktuellem VDI-/IW-Ingenieurmonitor erneut deutlich überschritten. „Der Fachkräftemangel wird damit zum Bremsklotz. Vorhaben wie die beschleunigte Energiewende drohen zu scheitern“, so Ralph Appel, Direktor des VDI auf der Hannover Messe 2022.

Angesichts der Forderungen von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, dass die Energiewende dreimal so schnell von statten gehen soll, bekommt die Entwicklung eine ganz spezielle Dramatik. Wir stehen nämlich vor einem Energiewende-Dilemma – ausgelöst durch den Fachkräftemangel“, ergänzte Appel.

Laut Prof. Dr. Axel Plünnecke vom IW Köln kann die steigende Nachfrage an Fachkräften durch Klima- und Energiewende nicht gedeckt werden. „So erwarten für die kommenden fünf Jahre 32 % aller Unternehmen und sogar 63 % aller Unternehmen ab 250 Beschäftigten einen steigenden Bedarf an IT-Experten speziell zur Entwicklung klimafreundlicher Technologien und Produkte.“ Der Ausblick sei trübe, da die Anzahl der Studienanfänger*innen in den Ingenieurwissenschaften und Informatik in den letzten fünf Jahren um rund 15 % gesunken ist. „Daher ist in den kommenden Jahren weiterhin mit sinkenden Zahlen an Absolvent*innen zu rechnen“, sagte Plünnecke auf der Hannover Messe.

Im Recruiting neue Wege gehen

Wie sehr diese steigende Nachfrage das Recruiting von MINT-Fachkräften beeinflusst, erläutert Peggy Denner, Personalleitung People & Culture bei SPIE Efficient Facilities GmbH: „Wir leben in einer Zeit, in der Technikberufe so gefragt sind wie nie. Wir als SPIE wollen Menschen für uns begeistern, die ihre Leidenschaft für komplexe Technik und Klimaschutz vereinen möchten. Denn Gebäude, Anlagen und Infrastrukturen werden zunehmend effizienter und intelligenter. Dahinter stehen oft eine komplexe Technik sowie innovative und digitale Lösungen. Hierfür qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden, ist eine echte Herausforderung. Daher wird es für uns im Recruiting noch wichtiger, auch mal andere Wege zu gehen, in den direkten Dialog zu treten, Kontakte aufzubauen, zu pflegen und die Kontakte unserer Mitarbeitenden zu potentiellen neuen Kolleginnen und Kollegen zu nutzen. Ganz gezielt legen wir sehr großen Wert auf die Ausbildung junger Menschen, wir wollen mehr Frauenpower bei SPIE und haben dafür viele Programme und Maßnahmen auf den Weg gebracht. Wir arbeiten daran, Employer of Choice in unseren Märkten sein – denn wir wollen und müssen technikbegeisterte Menschen für unser Unternehmen gewinnen, um die Herausforderungen der Energiewende und der digitalen Transformation zu meistern.“

Rekordwerte zeigen sich vor allem in den Ingenieurberufen Bau, Energie- und Elektrotechnik sowie in den Informatikerberufen. Setzt man die Zahl der offenen Stellen in Bezug zur Zahl der Arbeitslosen, ergibt sich die Engpasskennziffer in Ingenieur- und Informatikerberufen. Im ersten Quartal 2021 kamen rechnerisch auf 100 Arbeitslose noch 222 offene Stellen. Im ersten Quartal 2022 stieg diese Engpasskennziffer auf 418 offene Stellen je 100 Arbeitslose.

Fachkräftemangel regional unterschiedlich

Am größten sind die Engpässe gemessen an der Engpassrelation in Bayern mit 598 gefolgt von Sachsen mit 567 und Sachsen-Anhalt/Thüringen mit 544 gesamtwirtschaftlichen Stellen je 100 Arbeitslosen. In den ostdeutschen Bundesländern ist vor allem die demografische Entwicklung ein Grund der hohen Engpässe, in Bayern hingegen das hohe Beschäftigungswachstum. Am geringsten ist die Engpassrelation in Berlin/Brandenburg mit 268 Stellen je 100 Arbeitslose.

VDI-Direktor Ralph Appel macht in Hannover noch einmal deutlich wie prekär die Lage auf dem Arbeitsmarkt besonders in Hinsicht auf die Energiewende wirklich ist: „Es ist offensichtlich, dass angesichts des demografischen Wandels und des damit einhergehenden rein zahlenmäßigen Rückgangs unseres Nachwuchses, es nicht ausreichen wird, junge Menschen für Technik zu begeistern. Was ist also aus Sicht des VDI noch notwendig? Der VDI fordert die Fachkräftezuwanderung zu vereinfachen und eine Entbürokratisierung auf breiter Ebene zu ermöglichen. Wir brauchen als weiteren Mosaikstein zur Bewältigung des Fachkräftemangels die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland.“

„Wir brauchen ein Wechselspiel zwischen Politik, Lehre und Institutionen. Alle müssen an einem Strang ziehen, um diese so wichtige Energiewende zu schaffen“, appelliert Appel. Dabei gehe es nicht nur um den Klimawandel, sondern auch um die dringend notwendige digitale Transformation der Wirtschaft in Deutschland.

Der aktuelle VDI-/IW-Ingenieurmonitor steht kostenfrei als PDF zur Verfügung.

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