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Erneuerbare Energien
Ökostromanbieter: alle wollen mitmischen

Ökostrom war lange Zeit eine lukrative Nische. Mittlerweile bekommen kleine Anbieter jedoch harte Konkurrenz von Billigstromunternehmen und großen Versorgern.

(Bild: M. Schuppich/stock.adobe.com)

Lichtblick gehört zu den Pionieren der Ökostromanbieter, die mit ihrem Geschäftsmodell erfolgreich eine Nische besetzt haben. Die Lukrativität von Ökostrom hat allerdings auch die Konkurrenz auf den Plan gerufen. Aber ist wirklich Ökostrom drin, wo Ökostrom drauf steht?

Kampf gegen die Konkurrenz

Wilfried Gillrath, Vorstandschef des Unternehmens Lichtblick, ist überzeugt, dass nicht überall Ökostrom geliefert wird, den die Konkurrenz als solchen verkauft. Er wehrt sich nun gemeinsam mit anderen angestammten Ökostromanbietern gegen die neuen Mitbewerber. Neue Vertriebsmaßnahmen und Geschäftsmodelle sollen dabei helfen.

Seit mittlerweile rund fünf Jahren stagniert die Kundenzahl von Lichtblick. Auch andere Unternehmen, die sich ausschließlich dem Ökostrom verschrieben haben, kämpfen mit diesem Problem. Absurd, wenn man sich die Statistiken für den Markt genauer anschaut. Die Zahl privater Haushalte, die grünen Strom beziehen, steigt laut Bundesnetzagentur kontinuierlich. Laut Umfrage des Statista-Institutes sind im Jahr 2016 rund 14 Prozent und 2017 bereits 15 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung Ökostrombezieher.

Ökotarife boomen

Das Interesse der Bevölkerung rief große Energiekonzerne, Stadtwerke und Billiganbieter auf den Plan. Ein Blick auf das Vergleichsportal Check24 zeigt, dass derzeit rund 3.200 verschiedene Ökostromtarife offeriert werden. Außerdem entfällt inzwischen fast jeder zweite Vertragsabschluss auf einen solchen Ökotarif.

Gillrath kritisiert insbesondere, dass sich viele Unternehmen als Ökostromanbieter ausgeben, aber gar keine richtigen seien, weil sie sich nicht komplett der Energiewende verschrieben hätten und sich auch nicht aktiv für den kompletten Umstieg auf erneuerbare Energien einsetzen. „Richtige Ökostromanbieter“ beziehen ihren Strom ausschließlich aus deutschen Anlagen und investieren darüber hinaus in neue Wind- und Solaranlagen oder die dezentrale Energieerzeugung, definiert der Lichtblick-Chef. Im Vergleich zu vielen anderen Anbietern gehört für die Ökostrom-Pioniere auch das Engagement der Eigentümer und Kunden dazu. Die Firma Naturstrom ist zum Beispiel im Besitz 1.000 engagierter Bürger., Die Elektrizitätswerke Schönau im Schwarzwald arbeiten als Genossenschaft, die aus einer Bürgerinitiative heraus gegründet wurden.

Etikettenschwindel bei Ökostromversorgern

Große Energiekonzerne sind da nicht ganz so leidenschaftlich. Neben ihrem Ökostromtarif verkaufen sie auch Kohlestrom und betreiben teilweise sogar Kohlekraftwerke. Das Vorgehen einiger Billiganbieter: Sie besorgen sich günstige Ökozertifikate von abgeschriebenen Wasserkraftwerken in Norwegen. Mit denen können sie sich hier als Ökostromanbieter ausweisen. Gegen ein Gesetz verstoßen sie damit nicht. Der Vertriebsvorstand von Naturstrom, Oliver Hummel, bezeichnet dieses Vorgehen allerdings als „Etikettenschwindel“.

Die Verbraucher beruhigen ihr Gewissen zwar noch immer gern mit Ökostrom. Dafür reicht die Energie des Billiganbieters jedoch meist aus: „Letztlich schauen auch umweltbewusste Verbraucher auf den Preis“, sagt Hummel und erklärt weiter: „Unsere Preise müssen wettbewerbsfähig sein.“

Mehr Transparenz bei Ökostromanbietern gefordert

Geschlagen geben wollen sich die kleineren Unternehmen nicht. Lichtblick will wachsen und dafür zuerst einmal für mehr Transparenz unter den Ökostromanbietern kämpfen. Die eigenen Vorzüge sollen in den Fokus rücken. Dafür ist der direkte Kontakt zu den Verbrauchern nötig. Lichtblick plant die Aufstockung der Berater von 100 auf 350 Mitarbeiter.

Naturstrom erweitert Produktpalette

Der Vorstand von Naturstrom will hingegen in einem anderen Bereich für Wachstum sorgen. Schließlich wurde bereits vor längerer Zeit damit begonnen, die Produktpalette zu erweitern. So wird unter anderem Biogas angeboten und hohe Investitionen in Photovoltaik und Windräder getätigt. Ein weiteres Standbein soll nun die dezentrale Energieversorgung werden. Dazu gehören Mieterstrom-Modelle für Immobilienbesitzer und Photovoltaikanlagen für Mehrfamilienhäuser.

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