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Leseranfrage
Nötige Qualifikation einer verantwortlichen Elektrofachkraft

Worin besteht eigentlich der Unterschied zwischen einer Elektrofachkraft und einer verantwortlichen Elektrofachkraft? Dies und mehr wird im Zusammenhang mit der nötigen Qualifikation einer vEFK beantwortet.

Rechtssicherheit für Elektrofachkräfte

XXL-Sonderheft: Rechtssicherheit für Elektrofachkräfte

Frage: Welche Qualifikation muss der Mitarbeiter besitzen, um für die Position der verantwortlichen Elektrofachkraft respektive für den Auswahlprozess des Unternehmers in Frage zu kommen?

Antwort: Es kommt darauf an, welche Verantwortung der jeweilige Mitarbeiter im zugewiesenen Bereich übernehmen soll.

Das heißt, geht es um die Fach- und Aufsichtsverantwortung in dem zugewiesenen Bereich, dann reicht als Grundqualifikation eine abgeschlossene elektrotechnische Ausbildung mit Kenntnissen der aktuellen Normen sowie Erfahrung im jeweiligen Einsatzgebiet. Der Mitarbeiter muss in der Lage sein, die ihm übertragenen Arbeiten zu beurteilen und mögliche Gefahren erkennen können.

Geht es hingegen um die verantwortliche fachliche Leitung eines elektrotechnischen Betriebs oder Betriebsteils, so muss der Mitarbeiter mindestens eine der folgenden Qualifikationen nachweisen können:

 

  • Erforderliche Basisqualifikation einer vEFK:
  • Ausbildung zum staatlich geprüften Techniker Elektrotechnik; 
  • Ausbildung zum Industriemeister Elektrotechnik;
  • Ausbildung zum Handwerksmeister Elektrotechnik;
  • Ausbildung zum Diplomingenieur, Bachelor oder Master Elektrotechnik.


Aus dieser Auflistung ist keine Rangfolge abzuleiten. Es ist durchaus möglich, dass ein Meister oder Techniker aufgrund seiner bestehenden Netzwerke in allen Ebenen sowie seiner sozialen wie auch fachlichen Kompetenz (vor allem aktuelles Normenwissen) besser für die verantwortliche fachliche Leitung eines elektrotechnischen Betriebs oder Betriebsteils geeignet ist als ein vom ersten Anschein nach höher qualifizierter Diplomingenieur, Bachelor oder Master.

Die höhere Qualifizierung beschränkt sich meist ausschließlich auf theoretisches Schulwissen und sagt nichts über das tatsächliche Wissen und die unabdingbar erforderliche Erfahrung (vor allem Normenwissen und auch Praxiserfahrung) der Person aus. Diese Entscheidung muss aber der Unternehmer/Arbeitgeber für den jeweiligen Bereich individuell treffen.

Anmerkung: Im Abschnitt 5.3 der DIN VDE 1000-10 [1] heißt es:

„... Für andere Ausbildungsgänge ist die hierfür notwendige Qualifikation gesondert nachzuweisen.“

Hierbei ist zu beachten, dass sich die Beweislast umkehrt: Das bedeutet, der Arbeitgeber muss die von den Forderungen der VDE-Bestimmung abweichende, jedoch trotzdem ausreichende Eignung des Stelleninhabers schriftlich dokumentieren. Dabei muss der Arbeitgeber die mindestens gleichwertige Erfüllung der VDE-Bestimmung nachweisen.

Auch bei Stelleninhabern oder Kandidaten für die Position der verantwortlichen Elektrofachkraft ist zu beachten, dass das „rein formale Erfüllen“ der Normkriterien „Meister, Techniker oder Ingenieur aus dem Bereich der Elektrotechnik“ nicht ausreichend sein kann.

Die bestellende Person muss sich ein Bild über die fachliche Eignung der zu bestellenden Person machen – auch dann, wenn einer der geforderten Ausbildungsabschlüsse im Bereich Elektrotechnik vorliegt. Die Kenntnisse können zum Zeitpunkt der Bestellung veraltet oder unzureichend sein. Denn unterschiedliche Personen zeichnen sich durch unterschiedliche Weiterbildungsmotivation aus. Bei einer fachlichen Beurteilung im Rahmen der Bestellung sind alle diese Faktoren zu berücksichtigen. Weitere Aspekte. Neben der angesprochenen fachlichen Eignung sind noch zwei weitere wichtige Aspekte ergänzend anzuführen.

Die Delegation von Aufgaben auf eine verantwortliche Elektrofachkraft sollte auch „sozial adäquat“ sein. Das heißt, der Beauftragte muss Kraft seiner

  • fachlichen Qualifikation,
  • persönlichen Eignung sowie
  • hierarchischen Stellung im Unternehmen


in der Lage sein, die besonderen übertragenen Aufgaben eigenverantwortlich zu erfüllen. Deshalb müssen mit solchen Aufgaben einhergehend auch die erforderlichen Befugnisse (Kompetenzen) übertragen, bezeichnet und abgegrenzt werden. Nur dann trägt der Beauftragte anstelle des Unternehmers in dem zugewiesenen Rahmen auch die Handlungsverantwortung für die übertragenen Aufgaben.

Praxis. Die nachweislich und tatsächlich vorhandenen Kenntnisse sind wichtiger, als die reinen Ausbildungsabschlüsse!

In den Weiterbildungen zum Meister, Techniker oder Ingenieur (im Bereich Elektrotechnik) kommen von den in der Praxis erforderlichen Themen wie ArbSchG, BetrSichV, TRBS, UVV, VDE-Normen usw. leider nur Fragmente vor. Es stellt sich somit die Frage, wie auf einer solchen Grundlage, ohne weitere Vertiefung der erforderlichen Kenntnisse, die nicht gerade einfache Position einer vEFK übernommen werden soll. Häufig lassen sich Führungskräfte in Unternehmen, die nicht aus dem Bereich der Elektrotechnik kommen, von dem reinen Ausbildungsabschluss blenden.

Fazit. Wenn der Mitarbeiter die Eignung als (G)vEFK nachweislich besitzt, besteht auch die Möglichkeit, ihn ohne den Ausbildungsabschluss als Meister, Techniker oder Ingenieur, zu bestellen (siehe Anmerkung 5.3 in [1]).

Literatur
[1] DIN VDE 1000-10 (VDE 1000-10):2009-01 Anforderungen an die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen.

Autor: S. Euler

 

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