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Elektromobilität
Neue Regelung: Elektroautos müssen Warntöne abgeben

Die Blindenverbände können einen Erfolg für sich verbuchen. Sie haben durchgesetzt, dass Stromer künftig nicht mehr fast lautlos durch die Städte und Dörfer rollen.

Tesla in Berlin

Tesla in Berlin-Mitte

In Deutschland leben etwa 1,2 Millionen sehbehinderte und blinde Menschen. Lange Zeit war es für sie kein Problem, sich im Straßenverkehr an Motorengeräuschen zu orientieren. Doch mit den Elektroautos änderte sich das. Sie verbrennen kein Benzin und pumpen auch keinen Diesel in die Vor- oder Wirbelkammer, was ein nagelndes Geräusch erzeugt. Unter 30 km/h sind Elektroautos so gut wie gar nicht zu hören, denn selbst die Reifen erzeugen bis zu dieser Geschwindigkeit keinen Ton.

Hohe Unfallstatistik zwingt zum Handeln

Während sich sehende Menschen über Elektroautos, die vor allem in den Innenstädten leise fast übers Kopfsteinpflaster zu gleiten scheinen, freuen, sieht es bei Blinden, Sehbehinderten, aber auch Senioren anders aus. Die Unfallstatistik mit E-Autos und Fußgängern stieg in den vergangenen Jahren überproportional an. Elektrische Fahrzeuge sind 37 Prozent häufiger in Unfälle mit Fußgängern verwickelt als Benziner oder Diesel. Für blinde Menschen sind die geräuschlosen Stromer lebensgefährlich.

Ab 01. Juli 2019 ist jedoch Schluss mit der Ruhe. Dann müssen neue Elektroautotypen in Europa mit einem sogenannten AVAS (Acoustic Vehicle Alerting System) ausgerüstet werden, einer akustischen Warneinrichtung. Ab 2020 gilt die Regelung für alle neu in den Verkehr gebrachten batteriebetriebenen Fahrzeuge, Plug-in-Hybride und Brennstoffzeller mit vier oder mehr Rädern sowie Busse.

Blindenverbände zeigen Durchsetzungsvermögen

Bereits im Jahr 2014 wurde in einer EU-Verordnung beschlossen, dass Geräusche bis zu einer Geschwindigkeit von 20 km/h abgestrahlt werden müssen. Der Sound soll einem Verbrennungsmotor nachempfunden werden und aus mindestens zwei Terzbändern bestehen. Wenigstens ein Terzband soll unterhalb von 1600 Hertz liegen, damit auch ältere Menschen mit eingeschränkter Hörfähigkeit das Signal auf jeden Fall wahrnehmen können. Die Lautstärke des Tons muss mindestens 56 dB(A) betragen und darf 75 dB(A) bei 20 km/h nicht überschreiten.

Das Fußgänger künftig besser geschützt werden, haben sie vor allem der Weltblindenunion (WBU), der Europäische Blindenunion (EBU) und dem Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) zu verdanken, die sich seit Jahren für ein akustisches Sicherheitssystem eingesetzt und nun durchgesetzt haben.

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