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Aus dem Facharchiv: Arbeitsunfälle von Elektrofachkräften
MS-Anlage mit offenen Kabelendverschlüssen zugeschaltet

Das Wiederzuschalten einer Anlage mit offenen Winkelsteckern führte bei Annäherung einer metallische Prüfspitze an die Winkelstecker zum unerwarteten Auftreten von Lichtbögen.

Offene Winkelstecker führten zu Überschlag an einer SF6-Kompaktanlage

Offene Winkelstecker führten zu Überschlag an einer SF6-Kompaktanlage (Foto: BG ETEM)

Arbeitsauftrag. Zwei Elektroinstallateure einer Montagefirma erhielten den Auftrag, eine 20 kV¬SF6-Trafokompaktstation an das Werksnetz einer Firma anzuschließen. Die erforderlichen Freischaltungen und Zuschaltungen innerhalb des Werksnetzes wurden durch die betriebliche Elektrofachkraft ausgeführt. Der komplette Werksring war somit vor der Montage nach den fünf Sicherheitsregeln von der Elektrofachkraft in der Übergabestation freigeschaltet worden.

Unfallhergang. Die Monteure hatten die Kabelendverschlüsse am Eingang zur SF6-Schaltanlage installiert, meldeten den Abschluss der Arbeiten an die betriebliche Elektrofachkraft und beauftragten diesen mit dem Wiederzuschalten des Werksringes. Die betriebliche Elektrofachkraft vertraute auf die Monteure, dass sie wieder einen sicheren Zustand der Anlage hergestellt hatten, und schaltete das Werksnetz wieder zu. An der SF6-Schaltanlage waren an den Stromkreisen zwar die Winkelstecker montiert aber die Rückseite noch nicht mit einem „Blindstopfen“ versehen. Nur jeweils auf dem Stecker der Phase L2 hatten sie einen „Blindstopfen“ aufgesteckt. Dieser Zustand wurde von den Monteuren bewusst vor der Beauftragung zur Wiederzuschaltung so belassen, um an den offenen Winkelsteckern die Phasengleichheit mit dem mitgeführten Phasenvergleicher feststellen zu können. Der auf¬sichtführende Monteur ging zu den rückseitig offenen Kabelendverschlüssen und legte die Prüfspitzen des Phasenvergleichers an die blanken Kupferpole der Winkelstecker der Phase L1 beider Stromkreise. Dies wiederholte er mit der Phase L3. Als er dann noch vom ersten Stromkreis Phase L1 mit Phase L3 des zweiten Stromkreises vergleichen wollte, traten für ihn völlig unerwartet Lichtbögen an den beiden Winkelsteckern auf. Dabei zog er sich Verbrennungen an Gesicht und Händen zu. Der Kollege verständigte den Notruf. Der Rettungsdienst brachte den Verletzten dann zur Behandlung in eine Unfallklinik.

Unfallanalyse. Ursächlich für den Unfall war das Wiederzuschalten der Station bei offenen Winkelsteckern (Bild) an den Kabelendverschlüssen der SF6-Schaltanlage – Verstoß gegen § 7 BGV A3. Den Monteuren war wahrscheinlich das damit verbundene Gefahrenpotential nicht bewusst. Durch die offenen Kabelendverschlüsse setzten die Monteure den Isolationspegel herab. Solange die metallische Prüfspitze des Phasenvergleichers nicht herangeführt war, reichte der Isolationspegel offensichtlich gerade noch – bis es beim Annähern zum Überschlag zu der geerdeten Schrankwand kam. Im Bild sind die Anschlussbuchsen für kapazitive Spannungsprüfsysteme gut zu erkennen. Die Monteure nutzten das sichere Verfahren nicht

Autor: J. Jühling

Dieser Artikel ist unserem Facharchiv entnommen.

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