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Meister vs. Master
Meisterausbildung bald überall kostenlos?

Die Diskussion um die hohen Gebühren für die Meisterlehrgänge wird schon lange geführt. Viele bemängeln die finanzielle Ungleichbehandlung der Berufsfortbildung und einem Studium. Denn studieren ist in Deutschland seit 2013 überall kostenfrei. In einigen Bundesländern wird der Meisterabschluss wenigstens mit einer Prämie belohnt.

Meisterausbildung bald überall kostenlos?

(Bild: Coloures-Pic/stock.adobe.com)

4.000 Euro für neue Meister

 Handwerksmeister in Niedersachsen können sich freuen. Rückwirkend zum 1. September 2017 bekommen alle Handwerksmeister nach ihrer bestandenen Prüfung die Prämie ausbezahlt. Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) hat sich darauf mit Vertretern der Handwerkskammern und Arbeitgeber geeinigt. "Das ist ein Durchbruch", freute sich Karl-Wilhelm Steinmann, Vizepräsident des Niedersächsischen Handwerkstages. 

Lies begründete die Förderung mit dem Mangel an Fachkräften im Handwerk. Anfang der 2000er Jahre legten in Niedersachsen noch über 3.000 Personen eine Meisterprüfung ab. 2016 sank diese Zahl auf weniger als 2.200. Dieser Mangel erschwere älteren Meistern die Suche nach geeigneten Nachfolgern, die ihre Betriebe weiterführen. Außerdem führe er dazu, dass immer weniger Betriebe junge Handwerker ausbilden. 

Gleichstellung von Studium und Meisterausbildung

Die Meisterprämie geht zurück auf einen Antrag der FDP-Fraktion, dem Mitte August 2017 alle Fraktionen zustimmten. Der Antrag forderte die Landesregierung auf, angehende Meister, Techniker, Fachwirte und Berufspädagogen von Lehrgangs- und Prüfungsgebühren zu befreien, um sie mit Studenten gleichzustellen. Dafür kämpfen die Handwerkskammern seit vielen Jahren. Denn die Politiker halten es für unfair, dass Akademiker gebührenfrei studieren, während Meister für ihre Kurse zahlen. 

Fünfstellige Kosten für den Meister

Nach Schätzungen werden im Durchschnitt 9.000 Euro für Vorbereitungskurse ausgegeben. Hinzu kommen Kosten für das Meisterstück sowie die Lebenshaltung.

Ebenso muss der Verdienstausfall berücksichtigt werden. Bund und Länder unterstützen angehende Meister deshalb mit Zuschüssen und Darlehen. Das sogenannte Meisterbafög deckt aber nur einen Teil der Ausbildungskosten. 

Prämien in Bayern und Mecklenburg-Vorpommern

Schon seit 2013 gibt es in Bayern den Meisterbonus. Dort bekommen erfolgreiche Neu-Meister einen Bonus von 1.000 Euro. In Mecklenburg-Vorpommern nennt sich der Zuschuss Meister-Extra. Dort gibt es ebenfalls 1.000 Euro. 

Die Problematik der fehlenden Nachfolger hat man dort schon länger auf dem Schirm. Bis 2018 rechnet man mit 2.200 Unternehmen, für die ein Nachfolger gesucht wird. Das Wirtschaftsministerium in Schwerin unterstützt Handwerks- und Industriemeister deshalb auch bei der Übernahme eines Betriebs und fördert die Existenzgründung mit einem Zuschuss von 7.500 Euro zum Lebensunterhalt. 

Zukunftsvision: Kostenfreie Meisterfortbildung

Der niedersächsische Landtag und die Handwerkskammern setzen sich dafür ein, dass das Meisterbafög künftig 100 Prozent der Kosten deckt. Dafür ist eine Änderung des Aufstiegsfortbildungsgesetzes nötig. Sollte dies nicht im Koalitionsvertrag stehen, will man notfalls eine Bundesratsinitiative starten. 

Duale Berufsausbildung wird interessanter

Sollten die Kosten für die Meisterausbildung kippen, erhofft man sich höhere Bewerbungszahlen für die betriebliche Ausbildung. Das Handwerk kämpft schon länger mit sinkenden Bewerberzahlen. Ein Grund könnte die mangelhafte Perspektive, aufgrund teurer Fortbildungen sein. 

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