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Video-on-Demand verändert Fernsehgewohnheiten
Mehr Netflix, weniger ARD

Am 1. Juli 2017 endet die kostenlose DVB-T2-Testphase für den Empfang privater TV-Sender. Branchenkenner prophezeien dem Gebührenmodell eine düstere Zukunft. Das traditionelle Fernsehen wird immer mehr von Streaming-Diensten verdrängt.

Netflix & Co

Netflix & Co (Foto: methodshop.com, Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Bisher wenig Interesse für DVB-T2

Nutzer des TV-Dienstes von Freenet müssen ab 1. Juli 2017 für den Empfang von Programmen im Standard DVB-T2 bezahlen. Damit endet die dreimonatige kostenlose Testphase, in der die Angebote privater Sender ohne Zahlung einer Zusatzgebühr empfangen werden konnten.

Experten sehen allerdings keine Zukunft für das neue Modell. Allein die Tatsache, dass sich Nutzer sogenannte Set-Top-Boxen (Receiver für den HD- und Full-HD-Empfang)  kaufen müssen, stellt eine große Wechselhürde dar.

Laut einer repräsentativen Studie im Auftrag der gfu Consumer & Home Electronics GmbH wollen knapp fünf Prozent der Befragten, die für ihren TV-Empfang bisher Satellit, Kabel oder Internet (IPTV) nutzen, definitiv zu DVBT-2 wechseln. Etwa 19 Prozent denken über einen Wechsel nach. Demnach sind 76 Prozent der Befragten noch nicht an DVBT-2 interessiert.

Die Bereitschaft der Deutschen, für TV-Dienste neben dem Rundfunkbeitrag zusätzliche Gebühren zu zahlen, um auch private Fernsehprogramme in HD-Qualität zu empfangen, ist entsprechend gering. Die meisten Fernsehzuschauer geben sich mit der gewohnten SD-Bildqualität (Standard Television Definition) zufrieden.

Ob der Übergang zu DVB-T2 erfolgreich sein wird oder nicht, werden die kommenden Monate zeigen. Experten rechnen jedoch mit einem starken Rückgang bei der Nutzung des Angebots. Ein Grund dafür sind Streaming-Dienste im Internet.

Video-Streaming auf der Überholspur

Hollywood galt lange als übermächtiger Platzhirsch im Filmgeschäft. Hollywood machte die Blockbuster, Hollywood machte die Stars. Nach Hollywood kam lange nichts. Doch die goldenen Zeiten der Traumfabrik sind vorbei.

Der Streamingdienst Netflix hatte seinen Durchbruch mit der Serie „House of Cards“, einer Neuauflage einer wenig beachteten BBC-Serie über Macht, Geld und Politik. Für die Hauptrolle verpflichtete man Oscar-Preisträger Kevin Spacey. Das zahlte sich schließlich für beide Seiten aus.

Internetkonzerne wie Amazon oder Google revolutionieren die Film- und TV-Branche. Sie produzieren außergewöhnliche Dokumentationen, spannende Serien und streamen selbst solche Filme erfolgreich, die im Kino kaum jemand sehen wollte. Das Geschäft mit Video-on-Demand (Video auf Abruf, VoD) boomt.

Klassisches Fernsehen verliert

Nicht nur Hollywood hat große Sorgen im Filmgeschäft. Das klassische lineare Fernsehen, bei dem man sich sonntags 20:00 Uhr zur Tagesschau einfand, um danach gemeinsam Tatort zu gucken, strauchelt ebenso.

Die Nutzung des linearen Fernsehens geht zurück. Eine Untersuchung der Unternehmensberatung Deloitte und des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) ergab, dass im Jahr 2016 noch 71 Prozent der Befragten mindestens einmal in der Woche klassisches Fernsehen über Kabel, Satellit, DVB-T oder Antenne konsumierten. Im Mai 2017 sank die Zahl auf 65 Prozent.

Streamingdienste legten im Gegenzug bei den Konsumenten um acht Prozent zu. Ihr Anteil stieg von 22 auf 30 Prozent. Vor allem junge Zuschauer unter 24 Jahren nutzen Anbieter wie Amazon Prime, Netflix oder Maxdome. Etwa ein Drittel von ihnen schaut mehr Video-on-Demand-Inhalte als lineares Fernsehen. Bei den über 35-Jährigen dominiert noch das klassische TV.

Trend zum Abo-Streaming unumkehrbar

Im ersten Quartal 2017 konnte Amazon laut Goldmedia mit seinem VoD-Dienst „Prime Video“ 47 Prozent Marktanteile für sich verbuchen. Das entspricht gut 10 Millionen zahlende Kunden und beschert dem Konzern die unangefochtene Pole Position am Markt.

Netflix landete mit immerhin fünf Millionen zahlenden Abonnenten auf Platz zwei und kann 22 Prozent Marktanteile für sich beanspruchen. Die Konkurrenten Sky Go und Maxdome folgen auf den Rängen drei und vier.

Video-on-Demand avanciert inzwischen zu einem Massenphänomen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Internetfernsehen das klassische TV ablöst. Diesen Trend unterstützen auch Studien für die Schweiz, wonach 12- bis 19-Jährige täglich die Videoangebote von Portalen wie YouTube nutzen. 32 Prozent der jüngeren Generation in der Schweiz verwenden demnach Streamingportale. Nur noch 21 Prozent schauen klassische Fernsehsendungen live oder zeitversetzt.

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