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Aus dem Facharchiv: Arbeitsschutz, Arbeitssicherheit, Betriebsführung
Loslassen können: Wie ein Unternehmen erfolgreich in der Familie bleibt (1)

Es gibt verschiedene Möglichkeiten einer Unternehmensnachfolge: innerhalb der Familie, Übergabe an einen Mitarbeiter, an einen externen Käufer oder auch an ein anderes Unternehmen. Als Unternehmensberater verfügt Dirk Schadow über umfangreiche Kenntnisse und viele Erfahrungen auf diesem Gebiet, die er gern mit den ep-Lesern teilen möchte.

„Arbeite meinen Sohn mal schon so langsam ein!“ (Quelle: A. Purwin)

Ich habe viele Unternehmer kennengelernt, und grundsätzlich interessiert mich die Geschichte, wie sie Unternehmer geworden sind. Es gibt Unternehmer, die aus eigener Kraft und Motivation als One-Man-Show in der Garage angefangen haben. Andere wiederum haben ein fremdes Unternehmen gekauft. Sehr viele haben das Zepter des Vaters übernommen und führen das Unternehmen in zweiter oder sogar dritter Generation fort.

Wenn der Vater 
dann dem Sohne

In Hinsicht auf die zukünftigen Veränderungen bringt diese letztgenannte Version, das Unternehmen vom Vater zu übernehmen, vielleicht die größte Herausforderung mit sich.

Jeder Unternehmer muss sein Unternehmen eines Tages übergeben – dies stellt für sehr viele Altunternehmer ein Problem dar und wird deshalb gern verdrängt. Die größte Schwierigkeit ist hierbei erfahrungsgemäß das sogenannte Loslassen.

Aus Sicht des Altunternehmers wird es selten jemanden geben, der das Unternehmen so führt, wie er es für richtig hält. Er ist von den selbst eingeführten Strukturen überzeugt – schließlich hat er das Unternehmen zum Erfolg geführt und in den meisten Fällen aufgebaut. Diese Haltung kann ich nachvollziehen und bis zu einem gewissen Grad bestätigen, denn der Erfolg gibt ihm recht. Doch leider besitzen auch erfolgreiche Unternehmer nicht die Gabe der Unsterblichkeit.

Passende Nachfolger 
sind rar

Ein weiteres großes Problem besteht darin, dass sich kein Nachfolger anbietet. Prognosen zufolge werden nur noch wenige Menschen bereit sein, die Nachfolge eines Unternehmers anzutreten, da die Risiko- und Verantwortungsbereitschaft zurückgegangen ist.

Doch nicht nur die Nachfrage verringert sich – zudem wird das Angebot größer, da in naher Zukunft viele Unternehmer ihr Unternehmen verkaufen müssen. Das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage kippte bereits im Jahr 2012 (Quelle: statista) und wird sich weiter dramatisch verschlechtern.

Grundsätzlich gilt: Je früher dies erkannt wird, desto erfolgreicher kann eine Unternehmensnachfolge gestaltet werden.

Interne Lösung 
frühzeitig vorbereiten

Welche Möglichkeiten hat ein Altunternehmer, sein Unternehmen erfolgreich zu übergeben? Zunächst betrachte ich interne Lösungen, das heißt – die eigenen Kinder oder Mitarbeiter als neue Firmenchefs.

Hinweis: Ein erfolgreicher Verkauf an externe Interessenten wird im Zentrum eines künftigen Beitrages stehen.

Unlängst erzählten mir in einem von mir geführten Seminar zwei Unternehmer, dass sie ihre Nachfolge bereits geregelt haben. Beide befinden sich im Alter von Mitte vierzig. Dazu kann ich nur herzlich gratulieren. So lange vor der Übergabe die Nachfolgeregelung abgeschlossen zu haben, ist aller Ehren wert.

Bloß nichts erzwingen

Der eine Unternehmer hat das Glück, einen Sohn zu haben, der sich nicht nur für die Sache des Unternehmens interessiert, sondern auch das Bedürfnis hat, seinen Vater zu unterstützen und in Zukunft abzulösen. Dies ist etwas Besonderes. Nicht, dass es wenig Unternehmer mit Nachkommen gäbe, meist geht die Entwicklung dieser Nachkommen jedoch in eine andere Richtung.

Hierzu eine ganz klare Aussage:

Erzwingen Sie bitte nichts. Sie würden damit das Unternehmen und ihre Mitarbeiter gefährden. Das Zeitalter, in dem die Zukunft vorherbestimmt oder fremdbestimmt war, ist längst vorbei.

Ein mir bekannter Unternehmer führte sein Unternehmen in dritter Generation. Nicht nur, dass seine Vorstellung seiner Tätigkeit eine ganz andere war, – von Anbeginn an stand er im Schatten seines Vaters. In unseren Gesprächen kristallisierte sich heraus, dass er es seinem „alten Herrn“ immer noch recht machen will, obwohl dieser längst verstorben ist. Als glücklichen Menschen kann ich diesen Unternehmer nicht bezeichnen – und im Erfolg eines Unternehmens spiegelt sich die Haltung des Unternehmers wider. Es wurde mittlerweile im Zuge einer Insolvenz verkauft.

Wille und Führungs
qualitäten sind gefragt

Wenn Sie Kinder haben, müssen Sie sicherstellen, dass es ihr Bedürfnis ist, das Unternehmen zu übernehmen. Doch es geht nicht nur um den Willen zur Übernahme. Ist der Sohn oder die Tochter überhaupt fähig, das Unternehmen zu führen – besitzen sie Unternehmergeist, Führungsqualitäten und betriebswirtschaftliche Kenntnisse? Nur wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, hat das Unternehmen die Chance auf eine erfolgreiche Zukunft. Umso wichtiger ist es, diese Grundsatzfragen rechtzeitig zu klären.

Ich begleitete einen Unternehmer über einen gewissen Zeitraum. Dieser hatte einen Sohn, der sich bereits in der Chefrolle sah, jedoch keinen unternehmerischen Geist besaß. Dies hatte zur Folge, dass die Mitarbeiter keinerlei Achtung vor dem Sohn hatten und in einem Vieraugengespräch klar zum Ausdruck brachten: „Wenn er Chef wird, gehen wir.“ Die einzige Chance, dieses Unternehmen zu retten, bestand darin, den Sohn in einem anderen Unternehmen unterzubringen und einen Mitarbeiter aus den eigenen Reihen auf die Nachfolge des Unternehmens vorzubereiten.

Der zweite Unternehmer aus meinem Seminar hat das Glück, einen Mitarbeiter zu beschäftigen, der an den Zielen des Unternehmens mitarbeitet und es weiterführen will. Der Unternehmer ist Mitte vierzig und hat somit ausreichend Zeit, den Mitarbeiter als Nachfolger „heranzuziehen“.

Nachfolger mit Bedacht 
heranziehen

Aber was bedeutet „heranziehen“? Jeder Unternehmer besitzt einen gewissen Führungsstil, eine Führungsqualität und eine Führungskultur. Die Führungskultur bestimmt die Unternehmenskultur, welche vom Nachfolger übernommen werden muss.

Geben Sie dem Nachfolger Zeit und Raum zur Entfaltung. Nur so stärken Sie seine Position den Mitarbeitern gegenüber – und er spürt Ihre Ernsthaftigkeit.

Dies ist vergleichbar mit einem Kind, das zu laufen beginnt: Anfangs ist es noch unsicher und benötigt die Hand der Eltern – so lange, bis es sicher laufen kann und ihre Hand loslässt. Es kommt der Tag, an dem beide loslassen müssen, auch wenn das Kind hin und wieder hinfällt. Zeigen Sie dem Kind, dass es keine Schande ist hinzufallen. Es ist nur eine Schande, wenn man liegen bleibt.

Hinweis: In einem späteren Beitrag beschäftigen wir uns intensiver mit der Frage: Wie viel Zeit wird benötigt, bis der Chefsessel übergeben werden kann?

Autor: D. Schadow

Dieser Artikel wurde unserem Facharchiv entnommen.

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