Anzeige

Arbeitsunfälle von Elektrofachkräften
Lichtbogenunfall beim Auswechseln eines Schützes in einer Niederspannungsschaltanlage

Das Nichtbeachten einer der fünf Sicherheitsregeln durch einen Elektromonteur führte zu einem Lichtbogen mit schmerzlichen Folgen für seinen Kollegen, der die unmittelbaren  Arbeiten ausführte.

Schaltschrank nach dem Lichtbogenereignis (Foto: BG ETEM)

Arbeitsauftrag. Eine Servicefirma war im Rahmen einer Wartungsmaßnahme mit dem turnusmäßigen Auswechseln eines Schützes in einem Schaltschrank einer Windkraftanlage beauftragt. Zur Ausführung der Arbeiten waren zwei Elektromonteure der Servicefirma in der Gondel der Windkraftanlage. Der eine Monteur war der Anlagenverantwortliche und der andere der Arbeitsverantwortliche.

Die Durchführung der fünf Sicherheitsregeln sollte durch den Anlagenverantwortlichen erfolgen. Laut Arbeitsanweisung sollten alle umliegenden Betriebsmittel freigeschaltet werden. Die Arbeitsstelle war dem Arbeitsverantwortlichen im spannungsfreien Zustand zu übergeben. Nach Ausführung der Arbeiten hatte der Arbeitsverantwortliche die Anlage an den Anlagenverantwortlichen zurückzugeben. Nach Rücknahme der fünf Sicherheitsregeln sollte ein Funktionstest durchgeführt werden.

Unfallhergang. Der Anlagenverantwortliche schaltete die erforderlichen Sicherungsautomaten aus. Dabei bemerkte er nicht, dass er einen falschen Automaten abschaltete. Aufgrund der räumlichen Nähe des Sicherungsautomaten zum auszuwechselnden Schütz wurde auf das „Gegen wieder Einschalten sichern“ verzichtet. Die Spannungsfreiheit wurde mit einem zweipoligen Spannungsprüfer am Schütz festgestellt. Während des Feststellens der Spannungsfreiheit wurde der Anlagenverantwortliche durch einen Anruf auf seinem Mobiltelefon unterbrochen. Durch die Unterbrechung wurde die Spannungsfreiheit nicht im erforderlichen Umfang festgestellt. Die noch anliegende Spannung wurde daher nicht erkannt. Auf das Abschalten der umliegenden Bereiche wurde verzichtet. Nach Erteilen der Durchführungserlaubnis an den Arbeitsverantwortlichen begann dieser mit der Demontage des Schützes. Nachdem einige Adern ausgeklemmt waren, berührte eine ausgeklemmte Ader einen Kontakt des unmittelbar unter der Arbeitsstelle liegenden Schützes und löste einen Lichtbogen aus. Der Arbeitsverantwortliche erlitt Verbrennung am Unterarm und der linken Hand. Er war mehrere Wochen arbeitsunfähig.

Unfallanalyse. Für die durchzuführenden Arbeiten lagen eine Gefährdungsbeurteilung und eine detaillierte Arbeitsanweisung des Arbeitgebers der beiden Elektromonteure vor. Beide waren vorschriftsgemäß unterwiesen worden. Der Unfall wurde alleine durch das Servicepersonal verursacht. Dabei war unfallursächlich das nicht ordnungsgemäße Durchführen der fünf Sicherheitsregeln durch den Anlagenverantwortlichen. Der Arbeitsverantwortliche hätte aber auch auf die nicht eingehaltene Arbeitsanweisung hinweisen müssen und erst nach ordnungsgemäßem Abarbeiten der Arbeitsanweisung mit den Arbeiten beginnen dürfen. Es liegt somit ein Verstoß gegen § 15 (1) DGUV Vorschrift 1 vor, der die Versicherten verpflichtet, Unterweisungen für die sichere Durchführung der Arbeiten zu beachten. Des Weiteren wurde gegen § 6 DGUV Vorschrift 3 verstoßen, die das Arbeiten an aktiven Teilen regelt und fordert, dass vor Beginn der Arbeiten der spannungsfreie Zustand hergestellt und für die Dauer der Arbeiten sichergestellt wird.

Autor: D. Rothweiler

Dieser Artikel ist unserem Facharchiv entnommen.

Kommentare

botMessage_toctoc_comments_926
Anzeige

Nachrichten zum Thema

Arbeitsunfälle von Elektrofachkräften Verpuffung bei Reparatur eines erdverlegten Elektrokabels

Das Fehlen einer kleinen, aber wichtigen Information kann fatale Folgen haben.

Weiter lesen

Arbeitsunfälle von Elektrofachkräften Lehrling schaltete Verteilerkasten nicht frei

Wie leider nicht zum ersten Mal geschehen, führte das Nichtfreischalten einer unter Spannung stehenden Anlage zum Tod eines Lehrlings.

Weiter lesen

Stimmt die letzte Stromrechnung? Wenn alles mit rechten Dingen und nach der entsprechenden Norm für Elektrizitätszähler geht, sollte es da keine Zweifel geben.

Weiter lesen

In der folgenden Norm sind u. a. Hinweise für die Grenzlängen von Kabeln und Leitungen enthalten. Die Norm für Anlagen besonderer Art behandelt auch das Verlegen von Leitungen in und an Möbeln.

Weiter lesen

Als reine Objektidentifikation von Waren und Gütern ist RFID längst etabliert. Die funkbasierte Identifikationstechnologie kann aber weitaus mehr: Gekoppelt mit Sensoren sollen RFID-Lösungen zukünftig Arbeitsvorgänge in Produktion, Materialfluss und...

Weiter lesen
Anzeige