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E-Autos im Langzeittest
Leserkommentar: „Verbrennungsmotor ist umweltfreundlicher“

Zum Langzeittest zweier E-Autos im Artikel "Fahrspaß pur und tauglich für den Alltag" erreichten uns die folgenden Leserkommentare. Autor Klaus Schumacher antwortet auf Kritik an seinem Artikel.

Tesla an der Ladesäule (Bild: Tomasz Zajda/stock.adobe.com)

Kommentar von Stefan Fassbinder:

Sehr geehrte Redaktion,

mit dem Artikel Fahrspaß pur und tauglich für den Alltag gibt es endlich mal einen wirklich brauchbaren, informativen Praxisbericht, weil der sich über 2,5 Jahre und 47.000 km Erfahrung erstreckt. Ehrlicherweise räumt der Befragte dann auch die Schwächen der Technologie ein. Das erhöht die Glaubwürdigkeit gegenüber der üblichen faktenfreien Lobhudelei ganz enorm.

Die ernüchternde Bilanz ist natürlich, dass die Stromkosten (ohne Mineralölsteuer) so hoch liegen wie die Kraftstoffkosten (mit Mineralölsteuer) für einen Diesel bei 5,7 l/100 km. Wenn die Politik die E-Mobilität will, dann muss sie sich auch überlegen, wie sie den Straßenbau finanzieren will, wenn die E-Mobilität denn – Überraschung – tatsächlich kommen sollte. Ladesäulen sind da ja nur ein Aspekt.

Bislang planen die Politiker doch so, als würde sowieso nichts daraus. Beim Atommüll hat man auch (angesichts der volumetrisch sehr geringen Mengen) anfangs gesagt: „Och, das Müllproblem hat noch Jahrzehnte Zeit; das findet sich. Erst mal lagern wir innerhalb der Kraftwerke, und dann…“ Jetzt scheint es doch ein Problem zu sein.

Mit freundlichen Grüßen
Stefan Fassbinder


Kommentar von Ralf Diemann:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ihren Artikel habe ich mit Interesse gelesen. Zwei Dinge kann ich nicht unkommentiert stehen lassen:

1. Herr Schumacher schreibt „… macht das Autofahren auch aus Sicht der Umweltverträglichkeit doppelt Spaß und zudem dabei ein gutes Gewissen.“ Ich habe kürzlich einen Untersuchungsbericht gelesen, wonach allein die Herstellung des Akkus für ein E-Fahrzeug so viel CO2 in die Umwelt ausstößt wie ein vergleichbares Fahrzeug mit Verbrennungsmotor nach 200.000 km Laufleistung. Da nach heutigem Stand der Technik die Akkus sicherlich keine Lebensdauer von 200.000 km haben, ist das Auto mit Verbrennungsmotor also umweltfreundlicher. Was sagt Ihr gutes Gewissen dazu, Herr Schumacher?

2. Herr Schumacher schreibt „Ganz gleich, woher der Strom aus der Steckdose derzeitig noch kommt – aus Kraftwerken mit Atomenergie oder mit fossilen Brennstoffen – für ein Ballungsgebiet wie den mittleren Neckar-Raum ist die Elektromobilität in jedem Fall ein Zugewinn für die Umwelt und CO2-Bilanz.“ Sprechen wir nicht von globaler Erderwärmung, der wir unter anderem durch Reduzierung der Treibhausgase begegnen wollen? Welchen Unterschied macht es da, ob die Treibhausgase in Stuttgart oder in der Mecklenburger Seenplatte in die Luft geblasen werden? Ganz so wie sich die „reichen“ Industrienationen rühmen, wie umweltverträglich sie produzieren und in Wirklichkeit die „schmutzigen“ Produkte in Entwicklungsländern herstellen lassen bzw. ihre Abfälle nach dort verschiffen, das nennt sich dann Recycling.

Damit ich nicht falsch verstanden werden, ich bin weder Grüner noch Gutmensch und ganz bestimmt kein Vorbild in Sachen Umwelt. Aber ich denke Dinge bis zu Ende, und gerade beim Thema Umwelt und Energieeinsparung rechnen sich in dieser Gesellschaft Industrie und Politik die Welt schön.

Ich (und hoffentlich viele weitere Leser) sind gespannt, ob Herr Schumacher meine Kritik entkräften kann.

Mit freundlichen Grüßen
Ralf Diemann


Antwort von Klaus Schumacher:

Sehr geehrter Herr Diemann,

es ist ja richtig spannend, dass man mit dem Bericht neben vielen positiven Meldungen auch kritische Stimmen bekommt – das ist gut so, und man kann sich über die ep-Website nochmals austauschen.

Sie haben nach den derzeitigen Studien durchaus Recht – die Herstellung von Akkus verbraucht sehr viel Energie, die die Elektromobilität wieder in ein anderes Licht rückt.

Zu meiner Entlastung möchte ich dazu sagen, dass der Artikel von mir im April/Mai geschrieben wurde, d. h., vor der Veröffentlichung der von Ihnen genannten Studie im Juli, sodass ich auf diese Argumente dort nicht eingehen konnte.

Aber – es stellt sich auch bei dieser Studie für mich die Frage, sind auch wirklich alle Energieaufwendungen erfasst worden, die für die Produktion eines Autos mit Verbrennungsmotor erforderlich sind? Was ist mit der Lichtmaschine, dem Kühler, der Einspritzpumpe, der Auspuffanlage samt Katalysator usw.?

Bei deren Herstellung, Verarbeitung und dem Einsatz von Rohstoffen fallen gleichfalls Energiekosten und CO2-Emissionen  an – ganz zu schweigen von den Transport-Emissionen, die die zahlreichen Zulieferer aufwenden müssen bis das Bauteil vor Ort eingebaut werden kann. Wurde dies bei der Studie berücksichtigt oder wird nur der Ausstoß im Fahrbetrieb angesetzt?

Manchmal erscheinen mir auch solche Studien und deren Ergebnisse bewusst so dargestellt, je nachdem von welchem Konzern dies in Auftrag gegeben wurde: Nach dem Motto – „…wessen Brot ich esse, dessen Lied ich singe...“

Nichts desto trotz: Aus meiner Betrachtung heraus muss man sich auch die Frage stellen, wie sinnvoll ist es, die endlichen Ressourcen des Rohöls und damit Benzin und Diesel als Treibmittel für die Fortbewegung zu vergeuden?

Oder will man mit den in den letzten 10 Jahren enorm gestiegenen regenerativen Energieanteilen (Photovoltaik, Windkraft etc.) die Elektromobilität voranbringen?

Für mich ist auch klar – die Elektromobilität „klebt“ an den Akkus und deren Reichweiten. Hierin ist mit Sicherheit noch ein enormes Entwicklungs- und Innovationspotential vorhanden.

Heißt für mich:

Mit weiterer Forschung und Entwicklung können bestimmt auch die Energiekosten für die Herstellung der Akkus reduziert werden. Schließlich wurde auch der Dieselmotor in den letzten 100 Jahren (und im Besonderen in den letzten 20 Jahren) kontinuierlich optimiert.

Auch möchte ich in diesem Zusammenhang erwähnen:  Mit dem Boom in der Photovoltaik hat sich in den letzten 5 Jahren die Speichertechnologie entwickelt und wird sogar auch durch verschiedene Programme gefördert. Hier würde ja das Gleiche gelten – Akku bleibt Akku.

Als kleines Fazit wäre für mich: Technologien, Neuentwicklungen allgemein und natürlich auch die Elektromobilität – ganz gleich, mit welcher Energie angetrieben – bleiben immer mit einem „Aufwand“ verbunden. Bleiben die Fragen: Braucht es die Menschheit, will es die Menschheit, bezahlt es jemand, entstehen positive Verbesserungen, welche Vor- und Nachteile hat diese Entwicklung?

Nicht zu vergessen der Einsatz von Akkus in Mobilfunkgeräten und weitere Folgen:

Mit dem Einführen der Mobiltelefone vor 25 Jahren und den heutigen Smartphones sind bestimmt auch nicht nur Erleichterungen eingetreten: Ständige Erreichbarkeit, psychische Belastung, Sende-strahlung direkt an der Person – und dazu Verbrauch von Strom durch ständiges Laden und Emission – meist von „schmutzigen“ Kraftwerken – gehören auch hier dazu.

Meine Absicht mit dem Artikel war es, die Elektromobilität und meine bisherigen Erfahrungen in einem positiven Licht zu zeigen. Wenn ich dabei nicht alle Facetten beleuchtet habe, so tut es mir im Nachhinein leid. Ich bleibe aber auch in der Hoffnung, dass mit der Elektromobilität ein Prozess angestoßen wird, der Veränderungen hervorbringt.

Klaus Schumacher/etz Stuttgart


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