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Frische Luft trotz dichter Hülle
Kontrollierte Wohnungslüftung zum Schutz von Gesundheit und Gebäude

Neben energiesparenden Heizungstechniken wie Wärmepumpen- und Solaranlagen kann auch die Kontrollierte Wohnungslüftung für das Elektrohandwerk zu einem lohnenden Geschäft werden. Wichtig ist unter anderem, die zugehörigen Normen und Richtlinien zu kennen.

Zentralgerät für Kontrollierte Wohnungslüftung im Keller (Foto: Viessmann)

Zentralgerät für Kontrollierte Wohnungslüftung im Keller (Foto: Viessmann)

So zeigt beispielsweise die „Lüftungsnorm“ genannte DIN 1946-6 dem Planer, wie er Lüftungskonzepte erstellen und lufttechnische Maßnahmen auswählen kann.

Vielleicht fällt es dem einen oder anderen Unternehmen des Elektrohandwerks schwer, Anlagen für die Kontrollierte Wohnungslüftung (Bilder 1 und 2) seinem Gewerk zuzuschreiben. Und tatsächlich ist es ja auch so, dass der „Leitfaden zur Gewerbe-Abgrenzung“ [1] den Lüftungsbau dem zulassungspflichtigen Installateur- und Heizungsbauerhandwerk zuordnet.

Doch die deutsche Handwerksordnung lässt in dieser Frage einigen Spielraum. So antwortet die Elektroinnung des Kreises Borken auf eine entsprechende Anfrage, nach ihrer Meinung könnten Betriebe aus dem Elektrotechnikerhandwerk gemäß § 5 der Handwerksordnung auch im Bereich der Kontrollierten Wohnungslüftung tätig werden. Dazu hier der verbindliche Passus aus der Handwerksordnung (§ 5): „Wer ein Handwerk nach § 1 
Abs. 1 [betrifft Eintragung in die Handwerksrolle] betreibt, kann hierbei auch Arbeiten in anderen Handwerken nach § 1 Abs. 1 ausführen, wenn sie mit dem Leistungsangebot seines Gewerbes technisch oder fachlich zusammenhängen oder es wirtschaftlich ergänzen.“

Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass der Fachbetrieb seiner Planung und Installation die zugehörigen Richtlinien und Normen wie zum Beispiel die Energieeinsparverordnung (EnEV) und die „Lüftungsnorm“ DIN 1946-6 zugrunde legt, um eine den heutigen Ansprüchen entsprechende Wohnungslüftung ins Werk zu setzen und Haftungsrisiken zu minimieren.

Gegen Unwohlsein und Schimmelbildung

Unter Lüftungsfachleuten besteht zum größten Teil Einigkeit darüber, was für die Gesundheit von Menschen und für den Schutz von Gebäudesubstanz notwendig ist. Wir alle haben einen enorm hohen Frischluftbedarf. Jeder von uns atmet täglich etwa 30 000 Mal ein und aus, wir nutzen morgens und abends das Bad, wir kochen Kaffee, bereiten unser Essen zu und gießen unsere Blumen.

Diese in einem durchschnittlichen Haushalt täglich verrichteten Arbeiten erzeugen Wasserdampf, der sich in der Raumluft niederschlägt und abgeführt werden muss. Nach Berechnungen des Europäischen Testzentrums für Wohnungslüftungsgeräte (TZWL) sind das täglich mehr als zehn Liter. Unerwünschte Gerüche, Kohlendioxid und Schadstoffe stören unser Wohlbefinden und sind deshalb ebenfalls mit Hilfe von Lüftungsmaßnahmen zu beseitigen.

Der Gesundheit nicht zuträgliche Schadstoffe, die etwa in der zugeführten Außenluft enthalten sein können, lassen sich am einfachsten durch eingebaute Filter aussondern. Für eine gesunde Raumluft reichen diese Abwehrmaßnahmen allerdings immer noch nicht: Es ist sicherzustellen, dass auch genügend Frischluft einströmt. Und nicht nur unsere Gesundheit kann durch belastete Raumluft Schaden nehmen. So begünstigt zu hohe Feuchtigkeit Schimmelbildung, eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Bausubstanz und den Werterhalt der Immobilie [2].

Aber nicht nur die Erhaltung der Gesundheit und der Bausubstanz gelten als Argument für die Kontrollierte Wohnungslüftung, sondern auch die Möglichkeit, damit weniger Energie ungenutzt aus dem Gebäude in die Umwelt zu blasen. Doch ein solches Argument dürfte vor allem bei Ein- und Zweifamilienhäusern nicht allzu sehr ins Gewicht fallen, weil die dafür erforderliche Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung teuer ist und sich erst nach vielen Jahren amortisiert haben wird.

Haftungsrisiken infolge unsicherer Rechtslage

Der Bundesverband für Wohnungslüftung (VfW) klagt, dass die Rechtslage in Bezug auf die Haftung für Feuchte- und Schimmelschäden sowie für Folgen schlechter Raumluftqualität in Wohnungen für alle am Bau Beteiligten unsicher sei, weil eine klare gesetzliche Regelung fehle.

Sie habe deshalb ein Rechtsgutachten erstellen lassen, das die Haftungslage für Bauherren, Planer und Bauausführende aufzeige. Demnach setzen sich Planer und Bauausführende, die bei Neubau oder Renovierung eines Wohnhauses auf lüftungstechnische Maßnahmen verzichten, erheblichen Haftungsrisiken aus.

Zwar könne heute noch nicht zuverlässig davon ausgegangen werden, so die Bewertung des VfW, dass eine lüftungstechnische Maßnahme oder gar ein ventilatorgestütztes Lüftungssystem in jedem Falle zwingend erforderlich sei, doch berge die Alternative, den vorgeschriebenen Luftaustausch allein der zusätzlichen Fensterlüftung der Bewohner zu überlassen, erhebliche rechtliche Risiken. Nach Einschätzung der Rechtsexperten, die der VfW befragt hat, ist davon auszugehen, dass ventilatorgestützte Lüftungssysteme im Wohnungsbau zukünftig zu den anerkannten Regeln der Technik gehören und dann auch in Wohnungen einzuplanen sein werden [3].

Zurzeit ist also der Einbau einer Kontrollierten Wohnungslüftung noch nicht gesetzlich vorgeschrieben, wie Ralf Wißing, Leiter Technik und Entwicklung eines großen Unternehmens der Lüftungstechnik, bestätigt. In einem Dossier auf der Website „EnEv-online“ bedauert er, die nötigen gesetzlichen Vorgaben bezüglich einer ausreichenden Belüftung einer Wohnung seien noch nicht ausdrücklich vorhanden.

Zwar gebe es in der Energieeinsparverordnung (EnEV) die Vorgabe eines Mindestluftwechsels für Wohngebäude (zu errichtende Gebäude sind so auszuführen, dass der zum Zwecke der Gesundheit und Beheizung erforderliche Mindestluftwechsel sichergestellt ist), diese werde aber unterschiedlich ausgelegt. Die Erstellung und Anwendung eines Lüftungskonzepts nach DIN 1946-6 sei hingegen eine sinnvolle Basis für die Auslegung einer Kontrollierten Wohnungslüftung. Weil ihm das aber nicht genügt, fordert er den Gesetzgeber auf, klare und berechenbare Forderungen sowie Rahmenbedingungen zu benennen [4].

Der Fachverband Gebäude-Klima (FGK) fordert den Einbau von Kontrollierten Wohnungslüftungen mit dem Hinweis, in der Rechtsprechung habe sich bereits weitgehend die Sichtweise durchgesetzt, dass zur Vermeidung von Bauschäden und Haftungsrisiken eine ausreichende nutzerunabhängige Lüftung sichergestellt sein müsse [5].

Auch wenn man sich über die Notwendigkeit einer gesetzlichen Vorgabe noch streitet – festzuhalten ist jedenfalls, dass mit den hohen energetischen Anforderungen an die Gebäudehülle eine Luftdichtigkeit einhergeht, die einen ausreichenden Außenluftwechsel durch Fugenlüftung in vielen Fällen nicht mehr ermöglicht und deshalb eine lufttechnische Maßnahme erfordert.

Dieses Faktum verbunden mit einem Verzicht auf energievergeudendes Lüften über Fenster und Türen hat bereits dazu geführt, dass viele Förderprogramme die Wohnungslüftung als wichtige Energieeinspartechnologie einstufen und dass sie in der Ausführung mit Wärmerückgewinnung im Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) als Ersatzmaßnahme nach § 7 akzeptiert wird. Das Werben der Branche darf natürlich auch nicht fehlen. So verspricht der FGK den Bauherren, dass sie sich mit der Installation einer Kontrollierten Wohnungslüftung Energieeffizienz ins Haus holen, der gesetzlichen Verpflichtung zur Nutzung von regenerativen Energien nachkommen und in den Genuss behaglicher und hygienisch makelloser Raumluftzustände kommen.

Verordnungen, Richtlinien, 
Gesetze und Normen

Der Elektrohandwerker, der im Geschäftsfeld Wohnungslüftung tätig werden will, muss selbstverständlich auch dort die geltenden rechtlichen Vorgaben kennen. Die wichtigsten werden nachfolgend kurz vorgestellt. Es gibt darüber hinaus aber weitere baurechtliche Vorschriften und weitere Regeln, die bei der Installation einer Lüftungsanlage zu beachten und einzuhalten sind.

Landesbauordnungen. Jedes Bundesland hat eigene Bauordnungen, die die rechtliche Grundlage für Baugenehmigungen darstellen. Sie sind für den Bauherrn verbindlich. Den übergeordneten Rahmen der Landesbauordnungen bildet die Musterbauordnung des Bundes. Sie verlangt für Aufenthaltsräume, Schlaf- und Wohnzimmer allgemein eine ausreichende Belüftungsmöglichkeit und ausreichend Tageslicht. Im Normalfall ist diese Forderung mit genügend großen Fensteröffnungen erfüllt. Funktionsräume wie Küche, Bad und WC sind auch ohne Fenster zulässig; Tageslicht ist also nicht notwendig, eine wirksame Lüftung muss jedoch auch hier gewährleistet sein.

DIN 1946-6:2009-05: Raumlufttechnik – Teil 6: Lüftung von Wohnungen – Allgemeine Anforderungen; Anforderungen zur Bemessung, Ausführung und Kennzeichnung; Übergabe/Übernahme (Abnahme) und Instandhaltung. Die DIN 1946-6:2009-05 gilt für die freie und für die ventilatorgestützte Lüftung von Wohnungen und gleichartig genutzten Raumgruppen (Nutzungseinheiten).

Die für die Planung, die Ausführung und Inbetriebnahme, den Betrieb und die Instandhaltung notwendigen Lüftungs-Komponenten beziehungsweise Geräte für Einrichtungen zur freien Lüftung und für ventilatorgestützte Lüftungssysteme werden unter Berücksichtigung bauphysikalischer, lüftungstechnischer, hygienischer sowie energetischer Gesichtspunkte beschrieben. Sowohl für die freien Lüftungssysteme als auch für die ventilatorgestützten Lüftungssysteme wird ein Kennzeichnungsschema eingeführt. Die Luftbehandlungsarten aktives Kühlen sowie aktives Be- und Entfeuchten werden in dieser Norm nicht behandelt. Die Lüftung von fensterlosen Räumen, die der Bauaufsichtlichen Richtlinie über die Lüftung fensterloser Küchen, Bäder und Toilettenräume in Wohnungen unterliegen, ist zusätzlich nach DIN 18 017-3 geregelt. Teil 6 der DIN 1946 ist verbindlich anzuwenden.

Zur DIN 1946-6 sind zusätzlich 5 Beiblätter erschienen, die folgende Themen abdecken:

  • Gemeinsamer und nicht gemeinsamer Betrieb von Lüftungsgeräten und Einzelraumfeuerstätten für feste Brennstoffe – Installationsregel
  • Gemeinsamer Betrieb von Lüftungsgeräten und Einzelraumfeuerstätten für feste Brennstoffe – Installationsbeispiele

  
DIN 18 017-3:2009-09: Lüftung von Bädern und Toilettenräumen ohne Außenfenster – Teil 3: Lüftung mit Ventilatoren. Die DIN 18017-3 regelt die ventilatorgestützte Lüftung von fensterlosen Sanitärräumen. Auch andere Funktionsräume wie Abstellräume und Küchen mit Fenstern können nach dieser Norm entlüftet werden. In Zeiten geringen Luftbedarfs dürfen die Mindestvolumenströme um die Hälfte reduziert werden. Diese Norm ist baurechtlich verbindlich und ersetzt die Ausgabe DIN 18 017-3:2009-07.

DIN 4108-2:2013-02: Wärmeschutz und Energieeinsparung in Gebäuden – Teil 2: Mindestanforderungen an den Wärmeschutz. Diese Norm legt die Mindestanforderungen an die Wärmedämmung von Bauteilen sowie im Bereich von Wärmebrücken in der Gebäudehülle von Hochbauten fest. Die Anforderungen gelten für:

  • alle Räume, die ihrer Bestimmung nach auf übliche Innentemperaturen (≥ 19 °C) beheizt werden;
  • alle Räume, die ihrer Bestimmung nach auf niedrige Innentemperaturen (≥ 12 °C und < 19 °C) beheizt werden;
  • sowie für solche Räume, die über Raumverbund durch die vorgenannten Räume beheizt werden.

Die Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz (Abschnitt 8) gelten für beheizte Räume und Gebäude. Ferner gibt diese Norm wärmeschutztechnische Hinweise für die Planung und Ausführung von Aufenthaltsräumen in Hochbauten. Die Anforderungen gelten für zu errichtende Gebäude, für Erweiterungen bestehender Gebäude und für neue Bauteile in bestehenden Gebäuden. Weitergehende Festlegungen, zum Beispiel Arbeitsschutz, sind von dieser Norm unberührt.

DIN 4109: Mindestanforderungen Schallschutz. Dieses Regelwerk legt einen Mindeststandard für den Schallschutz in haustechnischen Anlagen fest. In Tabelle 4 sind Werte der maximal zulässigen Schalldruckpegel aufgeführt. Die Norm ist im Baurecht verankert.

DIN 18 379:2016-09: VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) – Raumlufttechnische Anlagen. Die ATV DIN 18 379 „Raumlufttechnische Anlagen“ wurde vom Deutschen Vergabe- und Vertragsausschuss für Bauleistungen (DVA) fachtechnisch überarbeitet. Abschnitt 5 „Abrechnung“ wurde neu strukturiert. Redaktionell wurden u. a. die Verweisungen auf VOB/A aktualisiert. Sie gilt für das Herstellen von Raumlufttechnischen Anlagen (RLT-Anlagen), bei denen Luft mechanisch gefördert wird.

DIN EN 12 599:2013-01: Lüftung von Gebäuden – Prüf- und Messverfahren für die Übergabe raumlufttechnischer Anlagen. Diese Norm beinhaltet die deutsche Fassung der EN 12 599:2012. Sie legt Prüfungen, Prüfverfahren und Messgeräte zur Feststellung der Gebrauchstauglichkeit von installierten Anlagen bei der Übergabe fest, die teilweise vor, während und nach der Übergabe durchgeführt werden.

DIN EN 13 141-1:2004-05: Lüftung von Gebäuden: Leistungsprüfungen von Bauteilen/Produkten für die Lüftung von Wohnungen Teil 1: Außenwand- und Überströmluftdurchlässe. In der Norm werden Laborverfahren für die Prüfung von Außenwand- und Überströmluftdurchlässen festgelegt, die unter Druckdifferenz betrieben werden. Sie gilt für Luftdurchlässe verschiedener Typen, die in der Norm aufgelistet sind und die zwischen zwei Bereichen (einem Raum und dem Freien oder zwischen zwei Räumen) eingebaut sind. Weiterhin werden Prüfungen beschrieben, die für die Bestimmung darin aufgelisteter Größen vorgesehen sind. DIN EN 13 141-1 gilt jedoch nicht für die Bewertung der Luftfilterung, der Kondensationsgefahr und der Erzeugung von Geräuschen [6].

VDI 3803 Blatt 4: Raumlufttechnik – Geräteanforderungen, Blatt 4: Luftfiltersysteme. Die Richtlinienreihe VDI 3803 behandelt Planung und Ausführung von zentralen RLT- Anlagen und bietet Hinweise zur Einbindung von heiz- und kältetechnischen Anlagen zur Luftkühlung und an die Gebäudeautomation. Im Blatt 4 geht es speziell um Eigenschaften, Klassifizierungen, Prüfungen, Einsatzmöglichkeiten und Grenzen der verschiedenen Arten von Luftfiltersystemen (Grob-, Fein-, Schwebstoff- und Molekularfilter) in der Raumlufttechnik. Diese sollen dem Gesundheitsschutz von Personen und dem Schutz der RLT-Anlage vor Verunreinigungen dienen sollen. Sie verweist unter anderem auf die DIN EN 779: Partikel-Luftfilter für die allgemeine Raumlufttechnik. [7]

Wichtige Vorarbeit des Planers: Lüftungskonzept

Gebäude- und Fachplaner haben bei ihrer Arbeit bauphysikalische, lüftungs- und gebäudetechnische sowie auch hygienische Gesichtspunkte zu beachten. Sie werden sich bei der Planung einer Lüftungsanlage größtenteils auf die im Mai 2009 aktualisierte Fassung der DIN 1946-6 stützen.

Dieses im Fachjargon „Lüftungsnorm“ genannte Regelwerk beschreibt unter anderem die Erstellung eines Lüftungskonzepts, das aufzeigt, wie ein ausreichender Luftwechsel in Wohnungen zu erreichen ist, und das als Nachweis für die Notwendigkeit einer lüftungstechnischen Maßnahme dienen kann. In einem solchen Lüftungskonzept müssen die Planer festlegen, wie aus Sicht der Hygiene und des Bauschutzes der notwendige Luftaustausch erfolgen kann.

Zu erstellen ist ein Lüftungskonzept laut § 6 der Energieeinsparverordnung für alle Neubauprojekte; für Sanierungen und Renovierungen von Ein- und Mehrfamilienhäusern nur dann, wenn mehr als ein Drittel sämtlicher Fenster ausgetauscht oder mehr als ein Drittel der Dachfläche neu gedämmt wird. Ein Lüftungskonzept verfassen darf laut Norm jeder Fachmann, der in der Planung, der Ausführung oder der Instandhaltung von lüftungstechnischen Maßnahmen oder in der Planung und Modernisierung von Gebäuden tätig ist.

Die DIN 1946-6 benennt vier Lüftungsstufen mit unterschiedlichen Nutzungsbedingungen, für die der Planer eine geeignete Lüftungsmaßnahme finden muss. Der wichtigste Aspekt ist dabei der Feuchteschutz, der ohne einen ausreichenden Luftwechsel nicht zu haben ist. Hier die Beschreibung der vier Lüftungsstufen [8]:

Die Lüftung zum Feuchteschutz (FL) ist die notwendige Lüftung zur Gewährleistung des Bautenschutzes (Feuchte) unter üblichen Nutzungsbedingungen, bei teilweise reduzierten Feuchtelasten, zum Beispiel bei zeitweiliger Abwesenheit der Nutzer und Verzicht auf Wäschetrocknen in der Nutzungseinheit. Sie kann auch als „Urlaubslüftung“ bezeichnet werden.

Die Reduzierte Lüftung (RL) dient zur Gewährleistung der hygienischen Mindestanforderungen, sowie des Bautenschutzes (Feuchte) unter üblichen Nutzungsbedingungen, bei teilweise reduzierten Feuchte- und Stofflasten, zum Beispiel infolge zeitweiliger Abwesenheit von Nutzern.

Die Nennlüftung (NL) ist eine notwendige Lüftung zur Gewährleistung der hygienischen Anforderungen sowie des Bautenschutzes bei Anwesenheit der Nutzer (Normalbetrieb).

Die Intensivlüftung (IL) ist eine zeitweilig notwendige Lüftung mit erhöhtem Lüftvolumenstrom zum Abbau von Lastspitzen (Lastbetrieb). Sie wird in der Regel durch die Fensterlüftung unterstützt.

Lüftungskonzepte lassen sich mit meist kostenlosen Softwareprogrammen von Lüftungs- und auch Fensterbauern leicht und schnell erstellen. Ihr Nachteil ist, dass sie nur auf die Produkte des Unternehmens abgestellt sind. Für einige Fälle, etwa für öffentliche Ausschreibungen, kann es vorteilhafter sein, sich Lüftungskonzepte herstellerunabhängig formulieren zu lassen, zum Beispiel vom Testzentrum für Wohnungslüftungsgeräte (TZWL).

Lüftungstechnische Maßnahmen auswählen

Wenn nun die Bewertung des Lüftungskonzepts ergibt, dass die natürliche Luftzufuhr durch Infiltration nicht genügt, um den Feuchteschutz zu garantieren, muss der verantwortliche Planer eine geeignete lüftungstechnische Maßnahme (LtM) entwerfen. Das kann eine sogenannte freie Lüftung oder eine ventilatorgestützte Lüftung sein (Bild 3). Die Lösungen, die die beiden Systeme bieten, müssen so ausgelegt und installiert werden, dass die angestrebte Lüftungsstufe erreicht wird.

Freie Lüftung. Bei der freien Lüftung ist planerisch zwischen Querlüftung und Schachtlüftung zu unterschieden. Unter einer Querlüftung wird die Durchlüftung einer Wohnung verstanden, bei der den Wohn- und Schlafräumen (den Zulufträumen) Außenluft zugeführt und anschließend der Küche, dem Bad und dem Gäste-WC (den Ablufträumen) wieder entnommen und abgeführt wird. Die Lüftung zum Feuchteschutz (FL) ist für die gesamte Nutzungseinheit und für jeden einzelnen Raum sicherzustellen, und zwar allein über die Undichtheit der Gebäudehülle (Infiltration) und falls notwendig über Außenluftdurchlässe (ALD) beziehungsweise Lüftungsschächte, also ohne manuelles Öffnen der Fenster.

Bei einer Querlüftung, die allein dem Feuchteschutz dienen soll, sind die notwendigen Einrichtungen so zu dimensionieren, dass sie den Festlegungen der Lüftungsstufe „Lüftung zum Feuchteschutz (FL)“ nachkommen; bei Quer- und Schachtlüftungssystemen ist die freie Lüftung so auszulegen, dass sie der Intensivitätsstufe „Reduzierte Lüftung (RL)“ entspricht, empfohlen wird die Auslegung als „Nennlüftung“. Bei allen Lüftungssystemen ist davon auszugehen, dass Nutzer durch manuelles Öffnen von Fenstern den Außenluftvolumenstrom unterschiedlich stark ergänzen können.

Ventilatorgestützte Lüftung. Bei den ventilatorgestützten Lüftungen ist zwischen Abluft- und Zuluftanlagen sowie Kombinationen aus beiden Typen zu unterscheiden. Abluftanlagen werden zunehmend mit einer Wärmepumpe ausgestattet. Die Kombination hat sowohl auf der Zuluft- als auch auf der Abluftseite einen Ventilator und lässt sich vorteilhaft mit einem Wärmeübertrager ausrüsten.

Ein ventilatorgestütztes Lüftungssystem ohne Unterstützung durch den Nutzer muss mindestens die zweithöchste Lüftungsstufe, die Nennlüftung (NL), gewährleisten können, und zwar für die gesamte Nutzungseinheit. Die Nennlüftung (NL) schließt die Lüftung zum Feuchteschutz (FL) und die Reduzierte Lüftung (RL) ein, eine Auslegung ausschließlich für eine dieser beiden Vorstufen ist nicht zulässig. Bei der Intensivlüftung darf man von einer Nutzerunterstützung durch zeitweiliges manuelles Öffnen von Fenstern ausgehen. Die Zuordnung der Lüftungsstufen zu den -systemen ist aus Bild 4 zu ersehen.

Fachleute uneinig und Bauherren skeptisch

Die Wohnung lüften und gleichzeitig Energie sparen – das ist ein schwieriger Spagat und ein besonders heikles Thema. Zum einen gehen immer noch die Meinungen darüber auseinander, wie groß die mengenmäßige Bedeutung der Lüftung für den gesamten Heizenergiebedarf eines Hauses tatsächlich ist; zum anderen lassen sich Wärmeverluste, die beim Lüften der Wohnung zwangsläufig entstehen, nicht beliebig verringern, da ein hygienisch und bauphysikalisch notwendiges Minimum an Lüftung unbedingt einzuhalten ist.

Viele Bauherren sind misstrauisch gegenüber Anlagen für die Wohnungslüftung. Auslöser dieser Skepsis könnten beispielsweise Berichte sein, denen zufolge vor allem schlüsselfertig übergebene Wohngebäude mit teuren Lüftungssystemen ausgestattet waren, ohne dass zuvor ein Lüftungskonzept verfasst und auf die Bedürfnisse des Nutzers zugeschnitten worden wäre. Lüftungssysteme können regelrecht zu einer nervlichen Belastung werden, wenn sie Lärm verursachen.

Ursachen sind häufig eine unprofessionelle und fehlerhafte Installation oder auch der Betrieb in Kombination mit einer Wärmepumpe, die mangelhaft schallgeschützt ist. Auch eine undurchschaubare Regelungstechnik kann den Kunden vergraulen oder ihn dazu veranlassen, das Produkt oder den Installateur zu wechseln. Denn was nützt es ihm, wenn er die Technik übers Smartphone bedienen kann, aber für jede kleine Störung einen teuren Experten einschalten muss.

Zu einem vierten Ärgernis können häufig durchzuführende und komplizierte Wartungsarbeiten werden (Bild 5). Viele Nutzer wollen dafür ihre Zeit nicht opfern. Die Folge ist in vielen Fällen, dass sie Wartungstermine ungenutzt verstreichen lassen und manches Gerät seine Effizienz verliert sowie vorzeitig Schaden nimmt. Was Nutzer hingegen sehr wohl wünschen, ist eine anwenderfreundliche robuste Haustechnik – ein wichtiger Hinweis für Hersteller, Verkäufer und Installateure.

Autor: W. Wilming

Literatur:
[1] DIHK (Hrsg.), DHKT: Leitfaden Abgrenzung Handwerk/Industrie und Handel/Dienstleistung. Berlin, Juni 2013.
[2] TZWL-eBulletin 14, 1. Edition 2016.
[3] VfW: Lüftung verstehen – Komfort erleben. Merkblatt August 2015.
[4] Tuschinski, M.: EnEV-online Dossier zur Kontrollierten Wohnungslüftung. Lüftungsanlagen: Fluch oder Segen? Ausgabe 2017.
[5] FGK: Marktführer Wohnungslüftung. Bestell-Nr. 58, 03/2015.
[6] Beuth Verlag GmbH, Berlin (die genannten Normen sind zu bestellen unter www.beuth.de).
[7] VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V., Düsseldorf (die genannte Norm ist zu bestellen unter www.vdi.de).
[8] LIMOT GmbH & Co. KG Lüftungstechnik: Raumlufttechnik – Lüftung.

Der Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

Bild 1 = Titelbild: Zentralgerät für Kontrollierte Wohnungslüftung im Keller/Viessmann
Bild 2: Fernbedienung per Smartphone/Viessmann
Bild 3: Systeme der Wohnungslüftung/Limot Lüftungstechnik
Bild 4: Realisierung der Luftvolumenströme/Limot Lüftungstechnik
Bild 5: Tipps für Betrieb und Wartung: Gründlich einweisen lassen, regelmäßiger Filterwechsel, Reinigung von Luftdurchlässen, professionelle Wartung durch den Fachhandwerker, Wartungsvertrag abschließen/FGK

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