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Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
Konformitätserklärung für installierten Verteiler

Muss der Elektriker für jede Verteilung, die er installiert, eine Konformitätserklärung beilegen? Welche Unterlagen müssen beigelegt werden?

Konformitätserklärung für installierten Verteiler

(Symbolbild: sharpi1980/stock.adobe.com)

Grundsätzliches. Grundsätzlich müssen alle elektrischen Betriebsmittel, die mit Spannungen AC ≥ 50 V und DC ≥ 75 V betrieben werden, die Anforderungen/Schutzziele der Niederspannungsrichtlinie (Richtlinie 2014/35/EU) [1] erfüllen. Diese Richtlinie wurde durch das 1. ProdSV [2] in deutsches Recht umgesetzt.

Die Konformität mit der Niederspannungsrichtlinie und ggf. mit weiteren relevanten Richtlinien (meist trifft auch noch die Richtlinie 2014/30/EU [3] über die elektromagnetische Verträglichkeit – EMV-Richtlinie – zu, siehe nachfolgenden Text aus Abschnitt 514.5 von DIN VDE 0100-510 (VDE 0100-510) [4]) ist durch eine CE-Kennzeichnung auf dem Betriebsmittel und/oder in bestimmten Fällen auch nur in der Dokumentation vorzusehen. Dabei handelt es sich nicht um eine neue Forderung, sondern diese Forderung war schon im letzten Jahrhundert vorgegeben.

Neben der CE-Kennzeichnung ist auch eine EU-Konformitätserklärung notwendig. Diese Konformitätserklärung verbleibt – im Sinne der Niederspannungsrichtlinie – beim Hersteller, siehe nachfolgenden Text aus Anhang III, Abschnitt 4 [1], CE-Kennzeichnung und EU-Konformitätserklärung:

„4.1. Der Hersteller bringt die CE-Kennzeichnung an jedem einzelnen elektrischen Betriebsmittel an, das den geltenden Anforderungen dieser Richtlinie entspricht.

4.2. Der Hersteller stellt für ein Produktmodell eine schriftliche EU-Konformitätserklärung aus und hält sie zusammen mit den technischen Unterlagen zehn Jahre ab dem Inverkehrbringen des elektrischen Betriebsmittels für die nationalen Marktüberwachungsbehörden bereit. Aus der EU-Konformitätserklärung muss hervorgehen, für welches elektrische Betriebsmittel sie ausgestellt wurde.

Eine Kopie der EU-Konformitätserklärung wird den zuständigen Marktüberwachungsbehörden auf Verlangen zur Verfügung gestellt“.

Niederspannungsverteiler sind Niederspannungsbetriebsmittel, die der Niederspannungsrichtlinie unterliegen. Somit ist für den Verteiler sowohl eine CE-Kennzeichnung, als auch eine Konformitätserklärung notwendig. Allerdings muss (das Original darf nicht) die Konformitätserklärung nicht an den Auftraggeber ausgehändigt werden (siehe auch obigen Text aus der Richtlinie). Gegen Aushändigung einer Kopie ist aber nichts einzuwenden.

Für die Konformitätserklärung gilt aber, dass diese nicht für die elektrische Installation (einschließlich des Anschlusses an die, im Verteiler vorgesehenen Betriebsmittel) ausgestellt werden kann, da die Elektroinstallation nicht der Niederspannungsrichtlinie unterliegt.

Ausgehend davon, dass der Anfragende immer einen Verteiler von einem Hersteller bezieht, der den Verteiler bereits bestückt oder entsprechende Vorgaben über die mögliche Bestückung macht, wird von diesem Hersteller die CE-Kennzeichnung aufgebracht und eine Konformitätserklärung erstellt.

Nur wenn der Anfragende von diesen Vorgaben abweicht bzw. eine CE-Kennzeichnung nicht vorhanden ist, ist er für die CE-Kennzeichnung und die Konformitätserklärung zuständig. Beides erfolgt in Eigenverantwortung, d. h. eine Zertifizierung wird nicht gefordert.

Unterlagen/Dokumentation. Bezüglich der notwendigen Unterlagen/Dokumentation gilt, dass es hierfür nur ungenaue Vorgaben in den Normen gibt. Im Abschnitt 514.5 von DIN VDE 0100-510 (VDE 0100-510) [4] ist hierzu folgendes festgelegt: „Soweit zweckdienlich, müssen Schaltpläne, Diagramme oder Tabellen [...] mitgeliefert werden, aus denen insbesondere ersichtlich sind:

  • die Art und der Aufbau der Stromkreise (versorgte Verbraucher, Anzahl und Querschnitt der Leiter, Art der Kabel und Leitungen);
  • die Merkmale, die notwendig sind für die Identifizierung der Einrichtungen für Schutz-, Trenn- und Schaltfunktionen sowie deren Einbauorte.

Bei einfachen Anlagen dürfen diese Angaben in Form einer Liste gemacht werden.

Anmerkung: Schaltpläne und Dokumentationen sollten im Einzelnen folgende Informationen enthalten:

  • Typ und Querschnitt von Leitern;
  • Länge der Stromkreise;
  • Art und Typ der Schutzeinrichtungen;
  • Bemessungsstrom oder Einstellwert der Schutzeinrichtungen;
  • zu erwartende Kurzschlussströme und Kurzschluss-Ausschaltvermögen der Schutzeinrichtungen.

Diese Informationen sollten für jeden einzelnen Stromkreis geliefert werden.

Es wird empfohlen, diese Informationen nach jeder Änderung der elektrischen Anlage zu aktualisieren. Schaltpläne und Dokumentationen sollten die Einbauorte aller nicht sichtbaren Geräte angeben.

Anmerkung:Der Errichter der elektrischen Anlage sollte dem Betreiber die allgemein anerkannten Regeln der Technik dokumentieren, mit denen die grundlegenden Anforderungen des Gesetzes über die elektromagnetische Verträglichkeit von Betriebsmitteln (EMVG) sichergestellt werden, siehe 512.1.5, Anmerkung 3.“

Außerdem müssen die in den Schaltungsunterlagen zur Anwendung kommenden grafischen Symbole den Normen der Reihe DIN EN 60617, „Grafische Symbole für Schaltpläne“, entsprechen. Darüber hinaus sollte die DIN EN 61082-1 (VDE 0040-1) [5] und die dazugehörigen Teile, berücksichtigt werden.

Fazit. Der Anfragende wird nicht umhinkommen, die CE-Kennzeichnung anzubringen und die Konformitätserklärung zu erstellen. Dies gilt auch, wenn in der Praxis diese Verpflichtung noch nicht allgemein bekannt ist und daher vielfach noch auf die CE-Kennzeichnung, aus Unwissenheit, verzichtet wird. Aber Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

Bezüglich der Dokumentation kann es für einfache Verteiler (Wohnungsverteiler) ausreichend sein, an der Innenseite des Verteilers eine Liste anzubringen, auf welcher die Stromkreisnummern mit der entsprechenden Zuordnung aufgeführt werden. Die Stromkreisnummer muss auch an den elektrischen Betriebsmitteln (z. B. auf den Leitungsschutzschaltern, den Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs)) angebracht sein.

Auch wenn normativ alles genau geregelt ist, sieht die Welt in der Praxis ganz anders aus.

Schlussbemerkung. Wenn es sich um einen Zählerplatz nach DIN VDE 0603-1 (VDE 0603-1) [6] handelt, dann müssen nach Abschnitt 8 von DIN VDE 0603-1 (VDE 0603-1) [6] auch entsprechende Aufschriften am/im Zählerschrank vorhanden sein.

Autor: W. Hörmann
Der Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.


Literatur:
[1] Richtlinie 2014/35/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Februar 2014 zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Bereitstellung elektrischer Betriebsmittel zur Verwendung innerhalb bestimmter Spannungsgrenzen auf dem Markt.
[2] Neunte Verordnung zum Produktsicherheitsgesetz (Maschinenverordnung) (9. ProdSV) Ausfertigungsdatum: 12.05.1993; Zuletzt geändert durch Art. 19 G v. 8.11.2011 I 2178.
[3] Richtlinie 2014/30/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Februar 2014 zur Harmonisierung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über die elektromagnetische Verträglichkeit (Neufassung).
[4] DIN VDE 0100-510 (VDE 0100-510):2014-10 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 5-51: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Allgemeine Bestimmungen.
[5] DIN EN 61082-1 (VDE 0040-1):2015-10 Dokumente der Elektrotechnik – Teil 1: Regeln.
[6] DIN VDE 0603-1 (VDE 0603-1):2017-06 Zählerplätze – Teil 1: Allgemeine Anforderungen.

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