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Arbeitsunfälle von Elektrofachkräften
Körperdurchströmung bei der Montage einer Leuchte

Durch fehlende oder falsche Informationen kann es innerhalb eines Teams zu Unfällen kommen. In diesem Fall wurden keine Infos über den Schaltzustand der elektrischen Anlage eingeholt. Letztlich führte u. a. das Nichtbeachten der fünf Sicherheitsregeln zum Unfall.

Vergleichbare Leitungsausführung (Bild: BG ETEM/Rothweiler)

Arbeitsauftrag. Eine Elektroinstallationsfirma war mit dem Errichten der elektrischen Anlage eines neuen Einkaufszentrums beauftragt. Da der Eröffnungstermin kurz bevorstand, waren mehrere Elektromonteure vor Ort, um in verschiedenen Bereichen des Einkaufszentrums allein zu arbeiten. Die Verkabelung für die erforderlichen Steckdosen- und Lampenstromkreise war bereits an einem der Vortage erfolgt und in der an die von der Hauptverteilung versorgten Unterverteilung fertig angeschlossen. Die Steckdosenstromkreise waren vollständig installiert. Zum Abschluss der erforderlichen Arbeiten sollten noch die Leuchten angeschlossen werden.

Unfallhergang. Der dafür eingesetzte Monteur war erstmalig auf dieser Baustelle. Er erhielt vom bauleitenden Monteur den Arbeitsauftrag, die Wandleuchten in einem Ladenlokal anzuschließen. Die bereits installierten Kabel waren nur mit dem Seitenschneider abgeschnitten (Bild). Bei den Arbeiten berührte er aus Versehen das Kabelende mit seinem Unterarm und erlitt eine Körperdurchströmung. Danach klagte er über Herzrasen und hatte einen Schock. Er informierte seinen Vorgesetzten und wurde von diesem ins nächstgelegene Krankenhaus gefahren und dort stationär zur Beobachtung aufgenommen.

Unfallanalyse. Im Rahmen der Unfalluntersuchung wurde festgestellt, dass im Zeitraum zwischen der Verkabelung und der Montage der Leuchten Fremdgewerke in diesem Bereich Arbeiten durchführten. Da die Steckdosen bereits installiert waren, schalteten diese Bauhandwerker alle Leitungsschutzschalter in der Unterverteilung ein. Nach Abschluss dieser Arbeiten blieben die Leitungsschutzschalter eingeschaltet. Der Elektromonteur informierte sich vor Beginn der Arbeiten nicht über den Schaltzustand der elektrischen Anlage. Er gab an, dass er davon ausgegangen sei, dass das Kabel spannungsfrei sei, da sich die abgeschnittenen Enden immer berühren würden und sich dadurch ein Leitungsschutzschalter überhaupt nicht einschalten ließe. Des Weiteren teilte er mit, dass durch den hohen Zeit- und Kostendruck auf solchen Baustellen, ein solches Verhalten die Regel sei und daher üblich wäre. Bei einer so abgeschnittenen Leitung kann aber nicht davon ausgegangen werden, dass automatisch alle Adern kurzgeschlossen sind. Der Unfall wurde durch das Nichtbeachten der fünf Sicherheitsregeln durch den Monteur verursacht, der damit gegen § 6 DGUV Vorschrift 3 verstieß.

Des Weiteren muss aber auch der Elektromonteur, der die Vorarbeiten ausgeführt hat, betrachtet werden. Die Leuchtenverkabelung war vollständig angeschlossen und konnte von Dritten jederzeit eingeschaltet werden. Dass das nur abgeschnittene Kabel unter Spannung gesetzt werden konnte, hätte durch eine technische Maßnahme verhindert werden müssen. Dieser Monteur verletzte damit seine Unterstützungspflicht nach § 15 DGUV Vorschrift 1.

Wenn es bei der Auftragsabwicklung, wie vom Elektromonteur geschildert, üblich ist, auf das Einhalten der erforderlichen Schutzmaßnahmen zu verzichten, muss auch das Verhalten des Unternehmers oder Vorgesetzten bewertet werden. Er hat die Auftragsabwicklung so zu organisieren, dass diese sicher ausgeführt werden kann. Eine Gefährdungsbeurteilung lag nicht vor. Die weitere Untersuchung ergab, dass der Monteur vor mehr als drei Jahren das letzte Mal über die mit seinen Arbeiten verbundenen Gefährdungen und die Maßnahmen zu ihrer Verhütung unterwiesen worden war. Der Unternehmer oder Vorgesetzte verstieß damit gegen die 
§§ 2, 3 und 4 DGUV Vorschrift 1.


Autor : D. Rothweiler

Dieser Artikel ist unserem Facharchiv entnommen.

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