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Elektromobilität: Ladesäuleninfrastruktur
Kampf um die Ladesäulen – Teil 3: Wucherpreis für Strom

Wer die Ladesäulen beherrscht, bestimmt die Strompreise. Irgendwann muss der Autofahrer laden – dann schlägt die Ladesäulenlobby zu. Dabei ist es fraglich, ob Ladesäulen wirklich zukunftsfähig sind.

Nissa Leaf Elektroauto

Nissan Leaf

Mondpreise beim Ladestrom

Die Kaufpreise sind noch vergleichsweise hoch, doch unterm Strich sollen Elektroautos deutlich weniger kosten als Benziner. Beim Stromtanken an öffentlichen Ladesäulen könnten die Energiekosten jedoch die Tankkosten für Benziner weit überschreiten. Grund dafür ist die Abrechnung pro Stunde, berichtet Auto Bild.

Für 100 Kilometer Reichweite muss ein VW e-Golf an einer öffentlichen Normalladesäule fast vier Stunden lang Strom beziehen. Das kostet 19,80 Euro und damit in etwa doppelt so viel, als wenn er mit einem VW Golf TSI an der Zapfsäule für die gleiche Strecke Benzin tankt. Die Tester der Redaktion betankten einen VW Golf TSI für 9,65 Euro, wie das Automagazin berichtet.

„Standard-Zapfanlagen spenden zwar mit elf oder 22 Kilowatt Wechselstrom, aber die meisten E-Autos können wegen ihrer langsamen Wechselstrombuchsen davon nur einen Bruchteil aufnehmen. Der aktuelle e-Golf schafft nur 3,7 Kilowatt pro Stunde. Bei einer Abrechnung nach Ladezeit wird das schnell ein teurer Spaß“, erklärt Auto Bild.

Nur an den derzeitigen Hochgeschwindigkeitsladestationen mit 50 kW Gleichstrom wären die Stromkosten etwas günstiger und der Ladevorgang schneller. Auto Bild teste auch hier den VW e-Golf, der in 24 Minuten für die erforderliche Reichweite von 100 Kilometern aufgeladen war. Die Kosten beliefen sich auf 11,55 Euro und liegen damit noch immer knapp über denen für einen Benziner. Bei den Kosten muss für die Schnelltankstelle muss zusätzlich der Schnellladeanschluss CCS berücksichtigt werden, den VW derzeit nur gegen Aufpreis als Sonderausstattung anbietet.

Angesichts der Kosten an der Stromtankstelle lohnt sich die Anschaffung einer privaten Ladestation. Die Preise beginnen bei 600 Euro. Billiger lässt sich nur der Strom aus der eigenen Steckdose ziehen. Hier bezahlt der Besitzer eines Elektroautos 4,35 Euro für eine Reichweite von 100 Kilometern.

Ladesäulen als Zwischenlösung?

Fraglich ist, ob der Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur zukunftsfähig ist. Honda forscht an einem Konzept, das Ladesäulen weitgehend überflüssig machen würde: Laden während der Fahrt.

Die Hardware für den Ladevorgang soll in die Straße integriert werden. Das Auto wird kontaktlos beim Fahren geladen. Damit ließe sich die Reichweite quasi ins Unendliche erhöhen.

Das System erreicht angeblich eine Ladeenergie von 180 kW (DC 600 V, 330 A) bei einer Geschwindigkeit von 155 km/h. Neu ist die Idee nicht, aber laut Honda wird deren System auf der WCX 17 SAE World Congress Experience im April 2017 präsentiert.

Der japanische Hersteller bietet bislang noch kein Elektroauto an. Gerüchten zufolge will Honda aber in Kürze den Clarity auch als E-Version vorstellen. Ursprünglich war er als Wasserstoff-Auto geplant.

Wasserstoff wäre tatsächlich der Brennstoff für umweltfreundliches Fahren, sofern Gas mit Wind- oder Sonnenstrom in Elektrolyseuren hergestellt wird. Doch auch für Wasserstoff gibt es zu wenige Tankstellen.

Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich (FEZ) haben ausgerechnet, was eine komplette Infrastruktur mit Wasserstofftankstellen kosten würde.

Benötigt würden 10.000 Tankstellen und Pipelines mit einer Gesamtlänge von 40.000 Kilometern für das gesamte Bundesgebiet. Außerdem müssten Elektrolyseure mit einer Leistung von 28 Millionen Kilowatt und Erdspeicher für Wasserstoff bereitgestellt werden.

Die Kosten beliefen sich auf 61 Milliarden Euro. Das Erdgasnetz ist teuer, und es müsste ein gigantischer Zubau von Windenergie stattfinden.

Für die Reduzierung der Umweltbelastung wäre der Wasserstoffantrieb – bei Produktion mit regenerativer Energie – eine positive Alternative. Die Kohlendioxid-Emissionen würden um 26 Prozent gesenkt. Der Ausstoß von Stickoxiden und Feinstaub nähme ebenfalls ab, denn Brennstoffzellenautos produzieren nur Wasserdampf. Ob diese Alternative eine Zukunft hat, bleibt aber fraglich.

Die Hürden beider Technologien liegen nicht in der Technik selbst, sondern in den Kosten. Dynamisches Laden, wie es Honda plant, könnte ein langfristiger Lösungsansatz sein. Auf kurze Sicht wird es sich jedoch nicht realisieren lassen. Auch wird sich nicht jede Straße mit dynamischen Ladepunkten ausrüsten lassen. Werden jedoch Autobahnen und Landstraßen mit dynamischen Ladesystemen ausgestattet, könnten zumindest Bedenken über die zu geringe Reichweite der Vergangenheit angehören.

Kampf um die Ladesäulen – Teil 1: Die Schlacht beginnt
Kampf um die Ladesäulen – Teil 2: Dobrindt schützt die Dinos

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