Anzeige

Aus dem Facharchiv: Arbeitsunfälle von Elektrofachkräften
Kabelschuh fiel auf eine Sammelschiene

Durch Missachtung der Einhaltung von Mindestabständen zu unter Spannung stehen Teilen kam es zu einem Elektrounfall.

Im oberen Bereich des Schaltschrankes wurde die Abdeckung entfernt. (Foto: BG ETEM)

Im oberen Bereich des Schaltschrankes wurde die Abdeckung entfernt. (Foto: BG ETEM)

Arbeitsauftrag: An einer Niederspannungs-Schaltanlage waren diverse Anschlusskabel neu zu verlegen. Auf die Enden der Einzelleiter mussten dann jeweils Kabelschuhe aufgepresst werden, um sie später an die Sammelschienen anschließen zu können. Den Auftrag für die Arbeiten erhielten zwei erfahrene Monteure.

Unfallhergang: Mit Beginn der Arbeiten wurde der betroffene Schaltschrank geöffnet. Zusätzlich entfernten die Monteure zum besseren Hantieren der Kabel den oberen Teil der Abdeckungen (Bild 1), der als Berührungsschutz eingebaut worden war. Obwohl die Anlage nicht freigeschaltet war, zogen die Monteure nun Kabel ein und setzten jeweils an den Aderenden die Isolation ab. Danach versuchten sie jeweils, vorläufig einen Kabelschuh aufzusetzen. Plötzlich fiel einem Monteur beim Herumschlagen eines Kabels ein Kabelschuh in die Anlage. Dieser blieb ausgerechnet auf einer Sammelschiene liegen (Bild 2). Zunächst kümmerten sich beide erst einmal nicht um diesen Kabelschuh. Zur Frühstückszeit verließ dann der eine Monteur den Arbeitsplatz, wobei sein Kollege erst noch die Arbeiten an zwei weiteren Kabeln beenden wollte.

Als der Monteur allein war, öffnete er die Abdeckung am Hauptschalter, um an den Kabelschuh zu kommen. Mittels eines Schraubendrehers wollte er nun den Kabelschuh entfernen. Dabei kam es zu einem Kurzschluss, der einen Lichtbogen auslöste und Verbrennungen dritten Grades an den Händen und weitere am Gesicht verursachte. Trotz Einwirkung des Lichtbogens lief der Monteur unter Schock aus dem Keller. Dort traf er zum Glück gleich seine Kollegen, die sofort Erste Hilfe leisteten und einen Notarzt verständigten.

Unfallanalyse: Unverständlich ist, wieso die Anlage nicht schon vor Abnahme der ersten Abdeckung abgeschaltet wurde. Schon zu diesem Zeitpunkt lagen die Sammelschienen im oberen Bereich frei. Somit hätte auch bereits in diesem Bereich ein Kabelschuh beim Hineinfliegen einen Kurzschluss hervorrufen können. Nicht mehr nachvollziehbar ist dann erst recht der hoch riskante Versuch, den Kabelschuh an der in Betrieb befindlichen Anlage herausnehmen zu wollen. Die erforderlichen Abstände zu unter Spannung stehen Teilen wurden fahrlässig missachtet, somit liegt hier ein klarer Verstoß gegen § 7 BGV A3 „Arbeiten in der Nähe aktiver Teile“ vor.

An der Stelle des Lichtbogenfußpunktes lag der Kabelschuh auf der Sammelschiene. (Foto: BG ETEM)

Autor: J. Jühling

Dieser Artikel ist unserem Facharchiv entnommen.

Kommentare

botMessage_toctoc_comments_926
Anzeige

Nachrichten zum Thema

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage Maschinenprüfstand mit Trenntransformator

Was ist bei der Installation eines Trenntrafos zu beachten?

Weiter lesen

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage Umfang der Isolationsmessung

Muss bei einem Kaltgerätekabel bzw. einer Verlängerungsleitung ohne berührbare leitfähige Teile eine Isolationsmessung erfolgen, oder ist diese Messung nur für aktive und berührbare leitfähige Teile eines Gerätes relevant?

Weiter lesen

Aus dem Facharchiv: Normen und Vorschriften Elektrosicherheit - DIN EN 61000-2-2 (VDE 0839-2-2) 2019-06

Diese Norm enthält die deutsche Fassung der Europäischen Norm EN 61000-2-2:2002 + A1:2017 und ist identisch mit der Internationalen Norm IEC 61000-2-2 (Ausgabe 2002-03) und ihrer Änderung 1 (Ausgabe Juni 2017).

Weiter lesen

Neben den vorhandenen Umgebungssensoren für Temperatur, Luftfeuchte, Vibration und Kohlenmonoxid enthält der MultiSensor-TI neue Fühler für Luftqualität, Luftdruck und einen Thermalbildsensor für eine umfassende Raumüberwachung.

Weiter lesen

Das Türkische Institut für Normung (TSE) und das VDE-Institut haben sich zum Ziel gesetzt, Unternehmen den internationalen Marktzugang zu erleichtern. Die Kooperation umfasst die Bereiche Normung, Prüfung, Zertifizierung und Schulung.

Weiter lesen
Anzeige