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Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
Kabel für eine Flächenheizung

Welcher Kabeltyp kommt bei einer Infrarot-Folienheizung in abgehängter Decke zum Einsatz?

(Bild: DGM Photo/stock.adobe.com)

Frage:
Die Anschlussleitung (Typ H07V-K) einer Infrarot-Folienheizung (36 V) soll in einer abgehängten Decke verlegt werden. Zählt dies als geschützte Verlegung oder muss ein anderer Kabeltyp verwendet werden?

Antwort:
Anforderungen an Kabel und Leitungen für den Niederspannungsbereich (also bis AC 1 kV bzw. DC 1,5 kV) sind in DIN VDE 0100-520 (VDE 0100-520) [1] zu finden. Dort werden beispielsweise in Tabelle 52.2 Mindestquerschnitte von Mantelleitungen, Kabel und Aderleitungen für die feste Verlegung angegeben. Danach ist in Leistungsstromkreisen ein Mindestquerschnitt von 1,5 mm2 vorgeschrieben. Nur typische Melde- oder Signalleitungen dürfen kleinere Querschnitte aufweisen. Auch bei der Verkabelung in Einrichtungsgegenständen (z. B. in Möbeln) kann dieser Mindestquerschnitt reduziert werden, wenn der Stromkreis keine Steckvorrichtungen enthält und eine Leitungslänge von 10 m nicht überschritten wird.

Bezüglich der Verlegeart findet man ebenfalls in DIN VDE 0100-520 (VDE 0100-520) [1] klare Aussagen. In Tabelle A.52.1 wird hervorgehoben, dass für eine offene Verlegung ohne Befestigung mehradrige Kabel oder Mantelleitungen verwendet werden sollen. Eine offene Verlegung von Leitungen ohne Befestigung ist häufig in der Zwischendecke zu finden, da sie sozusagen als „baulicher Hohlraum“ wahrgenommen wird. Tatsächlich könnte man den Bereich oberhalb der Zwischendecke als einen solchen Hohlraum verstehen. So heißt es z. B. bezüglich der Verlegung von Stegleitungen in DIN VDE 0100-520 (VDE 0100-520) [1], Abschnitt 521.10.5 b) wörtlich: „Werden Stegleitungen in Hohlräumen von Decken oder Wänden, die aus Beton, Stein oder ähnlichen nicht brennbaren Baustoffen bestehen, verlegt, ist die Abdeckung mit Putz nach a) nicht gefordert.“

Hier wird also lediglich die Nichtbrennbarkeit der Umgebung verlangt. Ob das auf die Umgebung oberhalb einer typischen Zwischendecke zutrifft, müsste im Einzelfall festgestellt werden.

Für die Verlegung oberhalb der Zwischendecke sind zwei Dinge von ausschlaggebender Bedeutung:

1. Nach DIN VDE 0100-520 (VDE 0100-520) [1], Abschnitt 522.6.3 muss darauf geachtet werden, dass eine Beschädigung der Kabel und Leitungen in jedem Fall unwahrscheinlich ist. Wörtlich heißt es in der Norm: „Ein Kabel oder eine Leitung, welche unter einem Fußboden oder oberhalb einer abgehängten Decke verlegt ist, muss in einer solchen Lage verlaufen, dass eine Beschädigung durch Berührung mit dem Boden oder der Decke oder den Befestigungsmitteln unwahrscheinlich ist.“

2. Der Hersteller der Zwischendecke legt die Befestigung und die Traglast der Decke fest und steht aufgrund der Produkthaftung auch dafür gerade. Auch der Errichter der Zwischendecke trägt Verantwortung – zumindest in Bezug auf die korrekte Montage entsprechend den Vorgaben des Herstellers. Wenn nun ein anderes Gewerk (in diesem Fall das Elektro-Installationsgewerk) die Zwischendecke als Ablage für seine Kabel und Leitungen benutzt, kann dadurch möglicherweise die Zulassung der Zwischendecke verloren gehen. Der Hersteller und der Errichter der Zwischendecke lehnen dann unter Umständen die Verantwortung für die Decke ab. Natürlich muss bei einem Defekt der Zusammenhang zwischen dem Defekt der Decke (wie immer der auch aussehen mag) und dem Verlegen der Leitungen hergestellt werden können, aber wenn die Möglichkeit besteht, hat der Errichter der Elektroinstallation ein Problem. Mit einer Befestigung der Kabel und Leitungen an der Rohdecke könnte dieses Problem behoben werden.

Ein weiterer Gedanke bei Produkten wie Flächenheizungen muss noch dem Schutz des Stromkreises gelten. Für die Errichtung solcher Produkte gilt DIN VDE 0100-753 (VDE 0100-753) [2]. Die Norm trägt den Titel „Heizleitungen und umschlossene Heizsysteme“. Im Abschnitt 753.415.1.1 wird gefordert, dass Flächenheizungen, z. B. Decken-, Fußboden-, Wandheizungen, Heiztapeten, Heizteppiche mit einer Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) mit einem Bemessungsdifferenzstrom IΔn ≤ 30 mA zu schützen sind. Auch in VdS-Richtlinien findet man diese Anforderung (siehe VdS 2279, Abschnitt 4.2 [3]).

In Bezug auf die Frage müsste jetzt noch von der Art des Kabel bzw. der Leitung gesprochen werden. Die Norm gibt auf diese Frage verständlicherweise keine pauschale Antwort. Sie gibt jedoch Anweisungen vor, wie die Wahl zu treffen ist. Die Auswahl trifft jedoch der Planer (oder ggf. der Errichter). Er muss für die vorgesehene Verlegung und die voraussehbaren Umgebungsbedingungen den richtigen Kabel- bzw. Leitungstyp und den ausreichenden Querschnitt wählen. Die Kabel- und Leitungshersteller geben für ihr Produkt an, welche Verlegearten möglich sind. Diese Angaben stimmen natürlich mit den entsprechenden Produktnormen der Kabel und Leitungen überein.

Um die Auswahl zu erleichtern, bieten Normen Hilfestellungen an. Beispielsweise werden in DIN VDE 0298-4 (VDE 0298-4) [4] in Tabelle 9 verschiedene Verlegearten beschrieben. In der letzten Spalte dieser Tabelle werden dann verschiedene Kabel- und Leitungstypen angegeben, die hierfür vorgesehen werden können. Unter der Kennziffer Nr. 47 (laut der ersten Spalte in dieser Tabelle) wird z. B. eine Verlegung im Deckenholraum beschrieben. Als mögliche Kabel- oder Leitungstypen werden u.a. genannt: NYM, NYY, NYCWY, NYCY, NHMH, NHXMH.

Welcher Kabel- oder Leitungstyp letztendlich gewählt wird, legt also der Planer/Errichter fest. Natürlich kann der Hersteller der Flächenheizung ihm Vorgaben machen, aber auch in diesem Fall muss die Auswahl mit der vom Kabel- bzw. Leitungshersteller angegebenen Anwendungsbereich übereinstimmen.

Fazit. Ob die in der Anfrage gewählte Aderleitung H07V-K für eine Verlegung im Zwischendeckenbereich geeignet ist, müsste genau genommen im konkreten Fall bewertet werden. Ohne den zusätzlichen Schutz durch ein Installationsrohr oder einen entsprechenden Kanal ist dies jedoch kaum vorstellbar. In DIN VDE 0298-4 (VDE 0298-4) [4], Tabelle 9 wird die Verlegung einer Aderleitung, auch bei einer Verlegung in baulichen Hohlräumen, stets in Verbindung mit einem Installationsrohr oder Elektroinstallationskanal angegeben. Hersteller solcher Aderleitungen sagen in der Regel zum Anwendungsbereich ihres Produkts in etwa Folgendes: „Verlegung in Rohren auf, in und unter Putz sowie in geschlossenen Installationskanälen. Für die direkte Verlegung auf Pritschen, Rinnen und Wannen nur als Potentialausgleichsleitung“.

Autor: H. Schmolke

Literatur:

[1] DIN VDE 0100-520 (VDE 0100-520):2013-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 5-52: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Kabel- und Leitungsanlagen.

[2] DIN VDE 0100-753 (VDE 0100-753):2015-10 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 7-753: Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art – Heizleitungen und umschlossene Heizsysteme.

[3] VdS 2279:2016-12 Elektroheizungsanlagen und Saunen Elektroheizungsanlagen und Saunen.

[4] DIN VDE 0298-4 (VDE 0298-4):2013-06 Verwendung von Kabeln und isolierten Leitungen für Starkstromanlagen – Teil 4: Empfohlene Werte für die Strombelastbarkeit von Kabeln und Leitungen für feste Verlegung in und an Gebäuden und von flexiblen Leitungen.

Dieser Artikel wurde unserem Facharchiv entnommen.

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