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Automobilindustrie vs. Silicon Valley
iCar, das Auto der Zukunft?

Die Automobilindustrie ist im Umschwung, doch die Autobauer kommen mit der Entwicklung nicht schnell genug hinterher. Könnten IT-Firmen aus Silicon Valley bald zu harter Konkurrenz werden?

iCar, das Auto der Zukunft? (Sergey Nivens/stock.adobe.com)

iCar, das Auto der Zukunft? (Sergey Nivens/stock.adobe.com)

2050 – Deutschland ohne Motorenlärm. Stattdessen surren Autos lautlos durch die Straßen, während die Passagiere drinnen einen Film schauen, lesen oder schlafen. Am Zielort heißt es einfach nur noch aussteigen und den Wagen ganz allein zum nächsten Fahrgast oder Zielort finden lassen. Spielen wir das Gedankenspiel weiter, könnten die Fahrzeuge vielleicht auch direkt von IT-Firmen statt von etablierten Autobauern kommen, denn die haben in vielen Dingen die Nase vorn.
Silicon Valley auf der Überholspur?


Eine solche Vorstellung ist tatsächlich gar nicht mehr so abwegig. Stefan Bratzel, Professor vom „Center of Automotive Management“ in Bergisch Gladbach meint, dass es nicht unbedingt entscheidend sei, ob die deutsche Automobilindustrie den Umstieg auf die gerade viel diskutierten Elektromotoren schaffe oder nicht, sondern es würde viel eher die Vernetzung mit dem Kunden  immer wichtiger werden. Würden traditionelle Autobauer hier scheitern, könne ihnen tatsächlich einen schnelle Ablösung durch IT-Firmen drohen.

Ziel: Digitalisierung der Automobilindustrie

Um dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen, muss die Automobilindustrie nun voll ranklotzen. Die Digitalisierung der Automobilindustrie ist das Ziel. Gefragt ist der Aufbau einer Kundenplattform, welche aus dem Verhalten seiner Nutzer lernt und deren Bedürfnisse frühzeitig erkennt. Voraussetzung wäre die Ausstattung der Autos mit WLAN und einer Echtzeit-Datenübertragung, um in einem Fahrzeug mit einem anderen und deren Passagieren kommunizieren zu können.
Ob den renommierten Autobauern die Digitalisierung gelingt oder nicht, hat tatsächlich nicht nur Einfluss auf die Entwicklung der Branche, sondern auch auf die Entwicklung ganz Deutschlands. Immerhin gehört die Automobilindustrie zu den wichtigsten Industrien im Land.

Apple’s CarPlay bereits auf dem Markt

Selbst wenn sich Konzerne wie Google und Apple momentan vom  konkreten Autobau verabschiedet haben, bedeutet das nicht, dass sie nicht auch anderweitig in den Markt einsteigen könnten, meint Stefan Brätzel. So bietet Apple bereits jetzt „CarPlay“ an. Eine Nutzeroberfläche, welche für den Autobildschirm optimiert ist. Damit kann der Fahrer direkt über das Auto telefonieren, Musik hören oder den Spielfilm an der Stelle weiterlaufen lassen, wo man ihn zu Haus unterbrochen hat.
Automobilhersteller müssen sich zu Mobilitätsdienstleistern entwickeln
Für diese These spricht auch noch eine andere Entwicklung. Die Gesellschaft bewegt sich immer mehr davon weg, ein eigenes Auto zu besitzen. So wird für bestimmten Wege, Einkäufe etc. einfach ein Wagen gemietet, statt das Auto die meiste Zeit ungenutzt auf einem Parkplatz abzustellen.


Für die Autohersteller sollten demnach zwei Dinge in den Fokus rücken:

  • Die technische Weiterentwicklung Voraussetzungen für autonomes Fahren
  • Die Möglichkeit zur Verarbeitung einer großen Menge digitaler Daten, um den Kunden eine effiziente Sharingplattform zu bieten

Insgesamt heißt dass, Automobilhersteller müssen sich im Grunde von einfachen Herstellern zu Mobilitätsdienstleistern entwickeln.
Passagiere in einem autonom fahrenden Auto haben andere Bedürfnisse, als heutige Autofahrer. Das Unterhaltungsangebot und vernetzte Computer rücken immer mehr in den Vordergrund. Bisher haben Automobilhersteller dieses Gebiet externen Dienstleistern überlassen. Mittlerweile sind sie jedoch sensibler geworden und haben ihre Defizite bereits erkannt.

BMW & Mercedes liegen vorn

Mercedes und BMW sind beim Ausbau ihrer Fähigkeiten auf diesem Gebiet unter deutschen Autobauern bisher am weitesten, denn sie haben die Carsharing-Dienste Car2Go und Drive Now aufgebaut. Der wichtige Kundenkontakt wird hier bereits gehalten. Aber im Vergleich zu Tech-Firmen stehen sie jedoch leider trotzdem noch weit hinten an. Der permanente Kontakt zum Kunden wird durch regelmäßige Updates und neue Angebote gehalten.  Der mögliche geplante Zusammenschluss der beiden Marken wäre ein kluger Schachzug.

Unterstützung durch Politik & Start-ups ratsam

Alles in allem wäre hier aber auch die Politik gefragt. Soll der Wandel bzw. die Weiterentwicklung der Automobilbranche gelingen, statt durch die IT-Branche abgelöst zu werden, sei hier Unterstützung nötig. Der Innovationsökonom Andreas Pyka meint, dass man den Verlust von Arbeitsplätzen durch die technische Entwicklung nicht fürchten dürfe. Auch denkt er, dass ein rascher Stellenabbau vielleicht gar nicht nötig sei. Arbeitsplätze ließen sich zum Beispiel dadurch sichern, dass man Batterietechnik und Softwareentwicklung am Standort Deutschland fördere. Neue Partner seien wichtig, um diese große Entwicklung zu meistern. Mit der Unterstützung von innovativen Start-ups fiele es den etablierten Autokonzernen sicher leichter, das bisher eher „kleinschrittige“ Unternehmensdenken aufzubrechen.

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