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Sommerloch, Teil 1
Die Stromflatrate

An dieser Stelle präsentieren wir die schönsten Geschichten aus der unendlichen Tiefe des Sommerlochs. Heute: Die Stromflatrate.

Er ist nicht schuld (Bild: DeaPeaJay, Lizenz: CC BY 2.0)

Flatrates sind beliebt. Es gibt sie im Bordell (poppen, so lange Viagra wirkt), in Großdiscos (saufen, kotzen, weiter saufen), am All-You-Can-Eat-Buffet (fressen bis zum Würgereiz) und bei Telefongesellschaften (so laut und lange am Telefon schwatzen, bis der Sitzplatznachbar in der Straßenbahn die Nerven verliert und eine Schlägerei anzettelt).

Auch der Mannheimer Stromversorger MVV Energie AG ist von Flatrates überzeugt. Er sieht die Zukunft der Stromtarife in festen Paketpreisen.

Das klingt super – wenn man keinen Strom sparen will.

EU-weites Glühlampenverbot? Reduzierung der Staubsaugerleistung in allen EU-Staaten? Mehr LEDs in jedem Haushalt? Alles geschenkt. Mit der Flatrate ist der Stromsparanreiz vom Tisch. 

Das Äquivalent zum Dauertelefonierer wird der Festbeleuchter, der seine 100-Watt-Glühlampen aus dem Keller holt und das Licht in allen Räumen eingeschaltet lässt. Liebling, wirf die Kronleuchter an, is' alles flat! 

Vorteilhaft wäre die Flatrate für die Energieversorger. Keine öffentlichen Diskussionen mehr über die teilweise sehr niedrigen Preise an der Strombörse, die nicht an die Kunden weitergegeben werden – für die Stromflatrate sind diese Preise egal.

Wie beim Vorbild der Telefongesellschaften könnte der Energieversorger sofort eingreifen, wenn sein Flatrate-Kunde das vereinbarte Volumen überschreitet. Die verfügbare Leistung wird einfach gedrosselt. Es reicht dann noch für den Betrieb einer 40-Watt-Lampe und des Fernsehers. Aber nicht gleichzeitig.

Der Stromkunde wird Pakete zubuchen können, sollte er sein Kontingent überziehen. 5 kWh für vier Wochen, zum dreifachen Preis. Oder jährlich 1.000 kWh mehr in der nächst höheren Tarifstufe, plus 49,99 Euro Tarifwechselgebühr. Auch das kennt er vom Telefonanbieter.

Darauf, dass bei Unterschreitung des Leistungsvolumens keine Rückerstattung der Kosten zu erwarten ist, haben die Telkos ihre Kunden seit Jahren dressiert. Flat ist flat. Und wem eine Stromflatrate zu suspekt ist, für den gibt es Prepaid-Zähler. Ältere Menschen kennen das noch: Strom gegen Geld, stundenweise.

Seit Einführung der Telefonflatrates stieg das Datenvolumen Jahr für Jahr. Kaum anzunehmen, dass ausgerechnet der Energieverbrauch mit Stromflatrates sinken wird.

Vielleicht mag der MVV deshalb die Idee der Stromflatrate. Er ist Energieversorger. 


Flat Eric stieg 1999 zum Medienstar auf. Er konnte nicht ahnen, was für eine große Bedeutung das kleine Wort "flat" 17 Jahre später haben würde (Video: pgtipschimp1)

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