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Aus dem Facharchiv: Elektropraxis
Hochwassergeschädigte Anlagen - Wirkungen einer Überflutung und sich daraus ergebende Schlussfolgerungen

Das als Jahrhundertflut bekannt gewordene Hochwasser in mehreren Teilen Deutschlands ist Anlass dafür, den Elektrofachkräften dabei zu helfen, mit den schwierigen Problemen fertig zu werden, vor denen sie in solchen Situationen unvermittelt stehen. Herstellerbetriebe, Elektroinnungen, Verteilungsnetzbetreiber, Fachkräfte aus Einrichtungen und Institutionen haben mit wertvollen Informationen dieses Anliegen unterstützt - dafür herzlichen Dank.

Bei Nichtauslösen der Überstrom-Schutzeinrichtungen im Wasser erhitzte und deformierte Kunsstoffteile von Betriebsmitteln (Quelle: H. Senkbeil/K. Bödeker/ep)

Tafel 1, Beispiele für die Zuordnung der IP-Schutzarten von Betriebsmitteln zu den Raumarten (Quelle: H. Senkbeil/K. Bödeker/ep)

1 Gefahren durch Hochwasser
Das jüngste Geschehen in den Hochwassergebieten und in anderen Landesteilen deuten darauf hin, dass Überflutungen auch künftig auftreten und sich möglicherweise sogar häufen können. Es ist also damit zu rechnen, dass auch künftig durch viele Elektrofachkräfte Elektroanlagen nach Hochwasserschäden wieder Instand gesetzt werden müssen. Somit wäre es falsch, die in [1] [2] begonnene Arbeit ruhen zu lassen. Die noch immer offenen zahlreichen Fragen lassen sich in den Schwerpunkten zusammenfassen:

  •  Welche vorbeugenden Maßnahmen sollten gegen Überflutungen getroffen werden?
  • Was ist nach einer Schädigung bei der Instandsetzung und Wiederinbetriebnahme zu empfehlen?
  • Welche Betriebsmittel können beibehalten und welche müssen in jedem Fall ersetzt werden?

Wir rufen dazu auf, dass sich möglichst viele Fachleute mit Stellungnahmen, Hinweisen und Erfahrungen zu Wort melden und in Beiträgen darlegen, wie sie komplizierte Probleme bewältigt haben und welche Vorschläge zu unterbreiten sind.

Den Auftakt dazu geben folgende Ausführungen.

2 Einsatzbedingungen
Die Mehrzahl aller elektrischen Anlagen ist in trockenen Räumen untergebracht. Nach DIN VDE 0100-200 [3] sind das Räume und Orte, in denen weder Kondenswasser auftritt noch die Luft mit Feuchtigkeit gesättigt ist. Sie können sich aber auch in feuchten und nassen Räumen befinden. Gemäß [3], Abschnitt 6.4, ist dort der Schutz der Betriebsmittel und die Funktions- und Betriebssicherheit durch Feuchtigkeit und chemische oder ähnliche Einflüsse beeinträchtigt. Nach den Vorgaben in DIN VDE0100-737 [4] ist dann eine Schutzart zu wählen, bei der ein nicht bestimmungsgemäßer Zustand nicht eintreten kann. Eine Auswahl üblicher Schutzarten von Betriebsmitteln zum Einsatz in trockenen und feuchten Räumen zeigt Tafel 1. Es ist erkennbar, dass eine höhere IP-Schutzart als IP X1 nur in der geringeren Anzahl der Fälle und über IP 44 sehr selten notwendig ist. Das heißt, die „normalen Elektroinstallationen und Schaltanlagen sind durchweg auf den „nicht bestimmungsgemäßen“ Zustand „unter Druckwasser“ nicht vorbereitet.

3 Folgen von Überflutungen
Bei einer Überflutung wirken äußere Einflüsse auf die Betriebsmittel und Anlagen, für die sie in keiner Weise ausgelegt sind. Das Wasser dringt in die Gehäuse und die dort untergebrachten Betriebsmittel sowie an den Anschluss- und Verbindungsstellen auch in die Kabel und Leitungen ein. Erfahrungen zeigen, dass durch die Kapillarwirkung die Nässe auch in Dosen, Kästen und andere Betriebsmitteln eindringt, die selbst nicht überflutet wurden und sich weit entfernt von der Überflutungsstelle befinden können.
Mit dem Wasser werden außerdem Schmutz, Fäkalien und korrosiv wirkende Stoffe nicht bekannter Zusammensetzung mitgeführt. Diese verbleiben dann sogar nach dem Rückzug des Wassers in den Schutzschaltern und anderen Einbaugeräten, auf Kontakten, Isolierstoffen, Klemmen usw. Ihre Wirkungen sind je nach ihrer Herkunft unterschiedlich und überaus vielfältig. Selbst auf Gehäusen, Kabeln, Kanälen und Leitungsbahnen richten sie nicht nur optisch gesehen einigen Schaden an. Das bedeutet, dass die Funktionssicherheit der auf diese Weise nicht bestimmungsgemäß beeinflussten Schutzschaltgeräte und Isolierteile und damit vor allem der Schutz gegen elektrischen Schlag sind nicht mehr sichergestellt. Hinzu kommt: Unter Hochwassereinwirkung schalten Leitungsschutzsicherungen und andere Schutzschaltgeräte nicht mit Sicherheit ab, sodass Betriebsmittel im sich erhitzenden Wasser regelrecht gekocht werden. Die Folgen sind dann schon äußerlich sichtbar (Bild).

Autoren:  H. Senkbeil/K. Bödeker

Literatur
[1 ]Bödeker,  K.;  Senkbeil,  H.: Elektrotechnik(er) nach dem Hochwasser.  Elektropraktiker, Berlin 56 (2002) 11, S. 889-894.
[2] Wiederinbetriebnahme hochwassergeschädigter Anlagen. ep-Sonderinformation  2002. www.elektropraktiker.de/hochwasser
[3] DIN VDE 0100-200:1998-06 Elektrische Anlagen von Gebäuden; Teil 200: Begriffe.
[4] DIN VDE 0100-737:2002-01 Errichten von Niederspannungsanlagen; Feuchte  und nasse Bereiche und Anlagen im Freien.

Der vollständige Artikel ist frei verfügbar in unserem Facharchiv nachzulesen

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