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Leseranfrage
Hausautomation mit schaltbaren Steckdosen

In der Hausautomation gibt es immer mehr Fernbedienungsmöglichkeiten. Die Gefahren des An- und Ausschaltens aus der Ferne von unter 230 V stehenden Geräten, insbesondere Steckdosen, sollte dabei besonders berücksichtigt werden.

(Foto: nuwanda/stock.adobe.com)

Frage: In der heutigen Zeit werden vermehrt Produkte zur Hausautomation verkauft. Dazu gehören auch aus der Ferne schaltbare Steckdosen, die unterschiedlich aufgebaut sind und in einigen Fällen nur den Neutralleiter unterbrechen. Die Bedienungsanleitung des Herstellers schweigt dazu. Gibt es für von Laien installierbare Geräte eine Norm, die festlegt, welche Leiter beim Schaltzustand „Aus“ abzuschalten sind?

Antwort: Solche Betriebsmittel gehören nicht zur fest errichteten elektrischen Anlage. Somit gelten die Anforderungen der Normen der Reihe DIN VDE 0100 (VDE 0100) nur sehr eingeschränkt.

Anforderungen für solche Betriebsmittel sind in den jeweiligen Produktnormen enthalten. Eine solche Produktnorm könnte z. B. die DIN VDE 0620-2-1 (VDE 0620-2-1) [1] sein, da es dort die folgende Begriffsbestimmung gibt „Zwischenstecker mit zwischengeschalteten Zusatzfunktionen“. Funksteckdosen können als solche Einrichtungen betrachtet werden.

Im Abschnitt 3.26.1, Zwischenstecker mit zwischengeschalteten Zusatzfunktionen, von DIN VDE 0620-2-1 (VDE 0620-2-1) [1] ist festgelegt: „Einrichtungen, die aus einem Steckerteil und einem angeformten Steckdosenteil nach DIN 49440-1 bestehen und eine Zwischenschaltung von Zusatzfunktionen wie z. B. Schalter, Regler, Steller, Zeitschalter zwischen Steckern und Steckdosenteil ermöglichen. Diese Zusatzfunktionen können mit dem Zwischenstecker eine bauliche Einheit bilden oder durch eine Leitung damit verbunden sein.“

Da es bei den Steckdosenteilen nach DIN 49440-1 [2] auch keine Festlegung gibt bzw. geben kann, wo der Neutralleiter und wo der Außenleiter anzuschließen ist, besteht damit immer die Gefahr, dass bei einem eingesteckten elektrischen Verbrauchsmittel einmal der Neutralleiter und einmal der Außenleiter geschaltet wird, abhängig davon, wie man den Stecker in die Steckdose einsteckt. So kann es bei einer Lampe/Leuchte auch möglich sein, dass am Gewindering Spannung anliegt, wenn nur einpolige Schalter in der Lampe vorgesehen werden.

Bei den Funksteckdosen kommt noch erschwerend hinzu, dass es sich um elektronische Module handelt, die die Versorgung zu-/abschalten. Solche Elemente dürfen nicht als Trenneinrichtung verwendet werden, da sie keine ausreichenden Trennstrecken aufweisen.

Fakt ist aber auch, dass es andere „Steckdosenkombinationen“ gibt, z. B. Zeitschaltuhren, die das gleiche Problem aufweisen. Und es gibt auch viele elektrische Verbrauchsmittel, die so ausgeführt sind, dass je nach Einstecken des Steckers mal der Außenleiter und mal der Neutralleiter geschaltet wird.

Es müsste heute eigentlich jeder Laie wissen, dass er an einem steckerfertigen Betriebsmittel nicht „arbeiten“ darf und auch keine Leuchtmittel auswechseln darf, bevor er nicht den Netzstecker von der Versorgung trennt.

Auch in der fest installierten elektrischen Anlage kann es zu Problemen kommen, wenn jemand zum „Arbeiten“, z. B. Anschließen einer neuen Lampe nur den Lichtschalter ausschaltet, da auch Lichtschalter nicht zum Trennen geeignet sind. Somit kann er sich keinesfalls darauf verlassen, dass „garantiert“ keine Spannung anliegt.

Gelöst werden könnte dieses „Steckerproblem“ nur dann, wenn es nur noch Stecker gäbe, die nicht verdreht eingesteckt werden können (analog zu CEE-Steckvorrichtungen). Eine solche Lösung wird es vermutlich aber nie geben.

Fazit. Es gibt keine Norm für „laieninstallierbare“ Geräte, wie der Anfragende sich ausdrückt. Laien dürfen keine Installationen vornehmen. Und beim Stecken eines Steckers handelt es sich nicht um eine „Installation“.

Der Anfragende bemängelt, dass der Hersteller keinerlei Gefahrenhinweise in seiner Dokumentation vorsieht. Im Sinne der Produkthaftung wäre das sicher notwendig. Aber Hand aufs Herz, welcher Laie liest schon solche Hinweise. Hier hilft nur eine allgemeine Aufklärung, was sicher auch für manche Elektrofachkraft gelten dürfte, die halt aus Bequemlichkeit manchmal auch nur den Lichtschalter betätigt.

Autor: W. Hörmann

Literatur:
[1] DIN VDE 0620-2-1 (VDE 0620-2-1):2016-01 Stecker und Steckdosen für den Hausgebrauch und ähnliche Anwendungen – Teil 2-1: Allgemeine Anforderungen an Stecker und Kupplungsdosen.
[2] DIN 49440-1:2006-01 Zweipolige Steckdosen mit Schutzkontakt, AC 16 A 250 V – Teil 1: Hauptmaße.

Dieser Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

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