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Studie
Erneuerbare Energien konkurrenzfähige Alternative zur Kernkraft

Am 26. April 1986 ereignete sich die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl. In Block 4 des Kernkraftwerks nahe der ukrainischen Stadt Prypjat explodierte der Reaktor nach einem unkontrollierten Leistungsanstieg.

Prypjat nach der Katastrophe von Tschernobyl

Prypjat nach der Katastrophe von Tschernobyl

Der als Moderator eingesetzte Graphit geriet dabei in Brand. Infolge dessen wurden innerhalb der ersten zehn Tage nach der Explosion mehrere Trillion Becquerel freigesetzt. Als Ursache für die Katastrophe benannten Experten – nach der Simulation eines vollständigen Stromausfalls – schwerwiegende Verstöße gegen die geltenden Sicherheitsvorschriften sowie die bauartbedingten Eigenschaften des mit Graphit moderierten Kernreaktors vom Typ RBMK-1000.

In die Erdatmosphäre gelangten radioaktive Stoffe wie die Isotope 137Cs mit einer Halbwertszeit (HWZ) von rund 30 Jahren und 131I (HWZ: 8 Tage). Sie kontaminierten durch radioaktiven Niederschlag hauptsächlich die Region nordöstlich von Tschernobyl sowie viele europäische Länder.

Nach der Katastrophe begannen sogenannte Liquidatoren (Beschäftigte, im Russischen „Tschernobylez“ genannt) mit der Dekontamination der am stärksten betroffenen Gebiete. Bis November 1986 errichtete man einen provisorischen Stahlbetonmantel um den Reaktor, der als Sarkophag bekannt wurde.

Fukushima veränderte Leben, aber nicht die Einstellung der Atom-Lobby

Im japanischen Kernkraftwerk Fukushima ereignete sich im März 2011 gleich eine ganze Reihe schwerer Störfälle. Die Katastrophe erreichte die höchste Stufe auf der siebenstufigen INES-Skala. Als Auslöser der Katastrophe gelten ein Erdbeben und der daraus resultierende Tsunami. In den Blöcken 1, 2 und 3 kam es zur Kernschmelze.

In drei Reaktorblöcken kam es zu Explosionen und einem Brand in einem Abklingbecken. Große Mengen radioaktiven Materials wurden freigesetzt. Genaue Werte lassen sich nicht beziffern. Die Kontaminierung des Bodens und der Luft sollen in etwa mit Tschernobyl vergleichbar sein. Im Pazifischen Ozean liegen diese vermutlich weitaus höher.

Neue AKW-Projekte im Ostblock

Trotz der Katastrophen und der gravierenden Sicherheitsmängel im belgischen Atomkraftwerk Tihange hält man an Atomenergie fest. Vor allem in Osteuropa wollen Länder wie Polen, Ungarn, die Slowakei und die Tschechische Republik neue Reaktoren bauen.

Sie begründen das mit der Versorgungssicherheit der Bevölkerung. Alle Vorhaben befinden sich noch in der Planungsphase – jedoch mit unterschiedlichem Entwicklungsstand. Die vier Staaten wollen insgesamt neue nukleare Kapazitäten von 16.000 Megawatt schaffen. Das entspricht etwa der Leistung, die bis 2020 in Deutschland abgeschaltet werden soll.

Dabei sank in der EU die Produktion des Atomstroms im Jahr 2017 auf den niedrigsten Stand seit 1992. Auch die Kosten spielen eine entscheidende Rolle. Fabian Huneke vom Berliner Analyse-Institut Energy Brainpool hat im Auftrag des Ökostromanbieters Greenpeace Energy die Gestehungskosten Erneuerbarer Energie und die der Atomenergie untersuchen lassen.

Zweifel an den kalkulierten Kosten für Atomstrom

Er verglich die Kosten eines verlässlich steuerbaren Energiesystems aus Erneuerbaren Energien mit den angenommenen Kosten der geplanten AKW-Projekte in den Ostblockstaaten, die mit 80 Euro je Megawattstunde kalkuliert werden.

Dabei wurden als Komponente des steuerbaren erneuerbaren Kraftwerkssystems Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen analysiert, deren Überschussstrom per Elektrolyse in Wasserstoff umgewandelt wird. Der lässt sich gasförmig speichern und bei Bedarf wieder in Strom umwandeln. Die Kosten lagen zwischen 112 und 128 Euro je Megawattstunde in Polen, Tschechien und Ungarn. Für die Slowakei ermittelten die Experten einen Wert von 167 Euro je Megawattstunde. Durch eine stärkere Kooperation der Staaten ließen sich die Kosten auf 100 Euro je Megawattstunde senken.

Dass die Werte von 80 Euro für die AKWs kaum zu halten sind, zeigen vergleichbare Projekte in Frankreich und Großbritannien. Die geplanten Kosten für den Bau des Europäischen Druckwasserreaktors EPR in Flamanville in der Normandie haben sich bisher mehr als verdoppelt. Sie bewegen sich derzeit zwischen 90 und 125 Euro je Megawattstunde. In Großbritannien werden für den Bau von Hinkley Point C – mit Subventionen – Kosten von 119 Euro pro Megawattstunde garantiert.

Erneuerbare Energien sind damit konkurrenzfähig gegenüber der Atomkraft. Die Atom-Lobby ist jedoch übermächtig. Neben den wirtschaftlichen Berechnungen und immensen Kosten, die auch durch den Rückbau der Atomkraftwerke und Endlagerung des Atommülls entstehen, sind es vor allem die Gefahren der Produktion des Atomstroms, die ein unkalkulierbares Sicherheitsrisiko für die Bevölkerung darstellen.

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