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Emissionsfrei auf See
Größte Elektrofähre fährt demnächst auf der Ostsee

Die MF Tycho Brahe soll in Zukunft völlig emissionsfrei in der Ostsee zwischen Dänemark und Schweden fahren. Möglich machen das 60 Tonnen Lithiumbatterien, mit denen ABB das alte Fährschiff ausgerüstet hat.

Autofähre Tycho Brahe

Demnächst vollelektrisch unterwegs, die Autofähre Tycho Brahe (Bild: HH Ferries)

Die 650 Batterien befinden sich in vier großen Containern auf dem Oberdeck und haben eine Gesamtkapazität von 4.200 Kilowattstunden. Rund 1.500 Kilowattstunden werden bei jeder der 20 Minuten langen Kurzfahrten zwischen Dänemark und Schweden verbraucht. Die Kapazität würde für zweieinhalb Überfahrten reichen. Insgesamt können mit der 266 Meter langen Elektrofähre pro Fahrt 1.100 Passagiere und bis zu 238 Pkws befördert werden.

Laden per Roboter

Die Fähre wird mit einem Roboter bei jedem Hafenstopp aufgeladen. 400 Meter vor dem Anlegen peilt ein Laserscanner das einlaufende Schiff an, um die genaue Position des Ladekabels zu erfassen. Sobald die Fähre festgemacht hat, fährt ein Roboterarm, er befindet sich auf einem zehn Meter hohen Turm, aus und greift sich das Ladekabel. Dieses zieht er bis zur Steckdose, die sich unterhalb des Roboterfußes befindet. Die Fähren legen bereits gut zehn Minuten nach ihrer Ankunft wieder ab. Während dieses kurzen Stopps sollen die Batterien mit 1.200 Kilowattstunden geladen werden. 

Roboter muckt

Die weltweit größte, rein elektrisch angetriebene Fähre sollte bereits im Juni 2017 ihren Betrieb aufnehmen und durch den Öresund fahren. Die automatischen Ladestationen in den Häfen funktionieren jedoch noch nicht zuverlässig und den Lade-Robotern fehlt es noch an Präzision. Die schwedische Reederei Ferries sah sich deswegen gezwungen, die Umstellung auf den Herbst 2017 zu verschieben. Bis dahin fährt die Tycho Bahre mit ihrem alten Dieselantrieb.


Der Lade-Roboter greift das Ladekabel und soll es mit der Ladestation verbinden (Bild: ABB)

Im Herbst 2017 soll die Aurora (1.250 Passagiere und 240 Autos), das Schwesterschiff der Tycho Brahe, ebenfalls auf Batteriebetrieb umgestellt werden. Beide Fähren laufen zwar unter dem Namen Scandlines, haben aber nichts mit der gleichnamigen Ostseefährreederei zu tun. Die Kurzstrecke über den Öresund wurde 2015 verkauft.

Konkurrenz schläft nicht

Zwischen Deutschland und Dänemark sind aktuell schon Hybridfähren im Einsatz. Auf der Strecke zwischen Puttgarden und Rødby (die sogenannte Vogelfluglinie) fährt die Reederei Scandlines mit vier Schiffen. Diese sollen ab 2018/2019 ihren Dieselantrieb nicht mehr benötigen. In einem 60 Millionen Euro teuren Umbauprogramm will die Reederei den Fährbetrieb auf Strom umstellen. Es wäre der erste rein elektrische Fährbetrieb dieser Größe in der internationalen Schifffahrt. Bislang fahren nur in Norwegen reine Elektrofähren, die allerdings deutlich kleiner sind als die Schiffe auf der Vogelfluglinie. 

Scandlines will so dem Bau des Tunnels unter dem knapp 18 Kilometer langen Fehmarnbelt eine grüne Fährlinie entgegensetzen.  

Scandlines-Fähre Schleswig HolsteinDafür wurden die Fähren mit der weltweit größten Hybrid-Technik ausgestattet. Die Schiffe werden nicht mehr direkt von herkömmlichen Dieselmotoren angetrieben, sondern durch Elektromotoren. Die Dieselmotoren erzeugen nur noch den dafür benötigten Strom. Dazu wurde auf jedem Schiff einer von fünf Dieselmotoren entfernt und durch 399 Batterien mit einer Speicherkapazität von jeweils 6,5 Kilowattstunden ersetzt. Die gesamte Kapazität liegt damit bei 2,7 Megawattstunden. Die Batterien werden im Schiffsbetrieb über die Dieselmotoren geladen.

Bild rechts: Die Scandlines-Fähre "Schleswig Holstein" fährt mit Hybrid-Antrieb (Bild: Siemens)

Die Dieselmotoren laufen gleichmäßig in ihrem effektivsten Leistungsbereich bei einer Auslastung zwischen 85 und 90 Prozent. Fährt die Fähre langsam, produzieren sie mehr Strom als benötigt. Die überschüssige Energie wird in den Batterien gespeichert. Bei schnelleren Fahrten wird die gespeicherte Energie in den Antrieb gespeist.

Grüne Schifffahrt

25 Millionen Euro hat der Umbau der Fähren gekostet. Die EU hat sich daran mit 6,4 Millionen Euro beteiligt. Entwickelt wurde die Technik in Hamburg in der Marine-Abteilung des Siemens-Konzerns. Mit dem Hybrid-Antrieb sinkt der Treibstoffbedarf der Fähren um 15 bis 20 Prozent. Zur Senkung des Schadstoffausstoßes hat Siemens eine Rauchgasreinigung (Scrubber) installiert, mit der die Emissionen um 90 Prozent reduziert würden. 

Für Scandlines sind die Treibstoffeinsparungen erheblich. Die Linie zwischen Puttgarden und Rødby ist mit 34.000 Abfahrten im Jahr die am stärksten frequentierte Fährverbindung im Norden Europas. Alle 30 Minuten legt eine Fähre in den beiden Häfen ab, mehr als 90 Mal in 24 Stunden. Dabei transportieren die Fähren jährlich sechs Millionen Passagiere, 1,6 Millionen Autos und 13.000 Eisenbahnwaggons.

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