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Elektroschrott-Gesetz: Verbraucher bringen Altgeräte selten zurück
Gesetz zur Rücknahmepflicht verfehlt Wirkung

Knapp ein Jahr nach Einführung der Rücknahmepflicht für Elektroschrott zeigt sich eine erschreckende Bilanz. Das Angebot wird vom Verbraucher kaum wahrgenommen. Händler zeigen sich nicht immer kooperativ.

Elektroschrott

Viele Händler sind seit knapp einem Jahr verpflichtet, Elektroschrott zurückzunehmen. Ihnen droht sogar ein Bußgeld bis zu 100.000 Euro, wenn sie sich nicht an die neue Gesetzesvorgabe halten.

Verbraucherschützer, Deutsche Umwelthilfe und Branchenverbände zogen eine erste Bilanz. Die Inanspruchnahme des Angebots sei zu gering, der Aufwand hingegen hoch, kritisieren Handelsvertreter.

„Verbraucher nehmen nur das in Anspruch, von dem sie wissen“, äußerte Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gegenüber der Deutschen Presse Agentur (dpa). Doch nicht nur Verbraucher wissen meist nichts von der Rücknahmepflicht. Auch die Händler weisen vielerorts nur versteckt auf die Möglichkeit zur Rücknahme hin.

Rücknahmepflicht gilt seit Ende Juli 2016

Die Sammelquote für Elektroschrott sollte mit Einführung des Gesetzes Ende Juli 2016 erhöht werden. Verbraucher dürfen seitdem ausgediente Elektrogeräte beim Händler abgeben, sofern das Geschäft eine Verkaufsfläche von 400 Quadratmetern aufweist. Bei Onlinehändlern werden Versand- und Lagerfläche berechnet.

Kleingeräte mit einer Kantenlänge von 25 Zentimetern müssen ohne Kassenbeleg und ohne Kauf eines neuen Gerätes vom Händler zurückgenommen werden. Größere Geräte dürfen  Kunden nur gegen Kauf eines neuen Elektroartikels kostenlos abgeben. Dadurch sollte weniger Elektroschrott in der schwarzen Tonne landen und mehr der Wiederverwertung zugeführt werden.

Gesetzeslücke führt zu Rückgabeproblemen

Laut Bundesverband für Technik des Einzelhandels (BVT) werden nur wenige Elektro-Kleingeräte in Geschäften abgegeben. Selbst Händler, die auffällige Rücknahmetheken eingerichtet haben, registrieren nur wenige Rückläufe. Elektrogroßgeräte wie Kühlschränke oder Waschmaschinen nimmt der Handel hingegen schon seit Jahren freiwillig zurück.

Ein weiteres Problem sieht Fischer von der DUH darin, dass Discounter keine alten Elektrogeräte zurücknehmen müssen. Mit Wochenendangeboten zählen sie aber zu den größten Absatzmärkten für Kleingeräte wie Rasierer, Wasserkocher, Föhne oder Radioweckern. Sie sind jedoch nicht verpflichtet, die ausgedienten Geräte zu entsorgen.

„Anfangs hat faktisch nichts funktioniert“, sagte Fischer. Inzwischen habe sich einiges verbessert. Verbraucher würden nicht mehr so oft aus Geschäften weggeschickt werden. Die allgemeine Nachfrage nach der Entsorgung des Elektroschrotts im Handel sei jedoch gering bis nicht existent.

Beschwerden über Online-Händler

Verbraucher wissen nicht, dass Elektrohändler die Geräte zurücknehmen müssen, weshalb es Beschwerden über einzelne Händler selten gegeben hat. Es handelte sich jedoch überwiegend um Onlinehändler, über die Klagen bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen eingegangen waren. In einem Fall wollte eine Spedition den alten Kühlschrank eines Kunden nicht mitnehmen, als diese einen neuen lieferte.

Branchenverbände wie der Bundesverband Onlinehandel (BVOH) hingegen „gehen fest davon aus“, dass sich betroffene Onlineshops an die Gesetze und Regeln halten. Konkrete Zahlen zu Beschwerden lieferte der BVT bisher aber nicht. Weder dem BVOH noch dem BVT sind Fälle von verhängten Bußgeldern bekannt.
BVOH-Präsident Oliver Prothmann kritisiert die Rücknahmepflicht und bemerkt, dass Onlinehändler monatlich Mehrkosten von mehreren Hundert Euro hätten. Es würde viel Aufwand um nichts betrieben.

Elektroschrott kostenlos auf dem Postweg entsorgen

Wer wegen seiner alten Akkus oder Smartphones nicht extra zum nächsten Recyclinghof fahren möchte, kann sie kostenlos per Briefkasten der Deutschen Post AG entsorgen lassen.

Mit dem Dienst „Electroreturn“ werden MP3-Player, leere Druckerpatronen oder kleine Computerbauteile, die in einen Maxibrief (Höchstmaß: 35 x 25 x 5 Zentimeter, Höchstgewicht: 1.000 Gramm) der Post passen, unkompliziert, umweltfreundlich und zugleich kostenlos der Wiederverwertung bzw. fachgerechten Entsorgung zugeführt.

Die entsprechende Versandmarke kann sich der private Verbraucher auf der Internetseite der Deutschen Post ausdrucken. Zu beachten gilt jedoch, dass Akkus nicht lose beigelegt werden dürfen und pro Sendung höchstens zwei ausrangierte Elektrogeräte erlaubt sind. Beschädigte Lithium-Akkus oder solche, die vom Hersteller zurückgerufen wurden, dürfen nicht auf dem Postweg entsorgt werden.

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