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Aus dem Facharchiv: Arbeitsschutz, Arbeitssicherheit, Betriebsführung
Fit bleiben mit ergonomischem Werkzeug

Der Einsatz von ergonomischem Handwerkzeug bringt viele Vorteile mit sich. Die Nutzer sind in der Lage, über längere Zeit ermüdungsfrei und damit sicherer zu arbeiten.

(1) Ergonomisches Handwerkzeug entlastet Anwender durch geringere Belastung auf Muskeln und Sehnen (Foto: Wiha)

(Bild 1) Ergonomisches Handwerkzeug entlastet Anwender durch geringere Belastung auf Muskeln und Sehnen (Foto: Wiha)

Auch späteren gesundheitlichen Beschwerden der Mitarbeiter wird so vorgebeugt. Doch auch die Motivation der professionellen Anwender und deren Arbeitsergebnisse könnten so verbessert werden.

In der Praxis sieht die Situation oft noch ganz anders aus. Zum Beispiel weist die BG ETEM aktuell auf die hohe Anzahl der registrierten Schnittverletzungen an der Hand hin. Hauptursache: In Elektrobetrieben kommen teils noch Messer als völlig ungeeignetes Abisolierwerkzeug zum Einsatz. Nicht nur falsches Werkzeug, sondern auch Werkzeug, was nicht dem anatomischen Aufbau und der Ergonomie der Hand sowie des Muskel- und Skelettsystems des Menschen entspricht, kann Verletzungsrisiken und längerfristig gesundheitliche Beeinträchtigungen begünstigen.

Ergonomie – Rolle für den Unternehmenserfolg

Ergonomisches Werkzeug wirkt sich nicht nur auf längere Zeit positiv auf die Gesundheit der professionellen Anwender aus, sondern auch auf die Effizienz der Arbeitsprozesse. Das stellte auch Physiotherapeutin sowie Fachkraft für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz Uta Reiber-Gamp fest. Sie befasst sich vor allem mit arbeitsbedingten Beschwerden. Längerfristige Beobachtungen zeigen die positiven Auswirkungen des bewussten Umgangs mit ergonomischen Handwerkzeugen auf den Unternehmenserfolg. Das hat sie gemeinsam mit Werkzeughersteller Wiha untersucht (Beispiel) unter folgenden drei wesentlichen Betrachtungsansätzen:

  1. Produktivitäts- und Effizienzsteigerung. Durch die einfache Formel: Mehr Drehung und Leistung durch weniger Krafteinsatz, weniger Druck auf die Gelenke und weniger Reibung.
  2. Langfristiger Gesundheitsschutz der Mitarbeiter und Zukunftssicherung des eigenen Betriebes und
  3. Erfüllung des gesetzlichen Auftrages.

Ist es überhaupt aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll, sich mit den Themen Ergonomie und Gesundheitsschutz zu beschäftigen?

Die Elektrohandwerksbetriebe sehen sich heute höchsten Ansprüchen an Qualität, Leistung und Terminvorgaben gegenüber. Um sich als Unternehmer für die Trends der Gegenwart und Zukunft zu rüsten und fit zu halten, sind Veränderungen und Optimierungen von Arbeitsabläufen, -bedingungen und Arbeitsmitteln in vielerlei Hinsicht notwendig.

Lediglich ein Wellness-Faktor?

Das Gebiet der Ergonomie sollte man bei dieser Betrachtung und Entwicklung auf keinen Fall unterschätzen. Oftmals wird Ergonomie noch als „Wellness-Faktor“ für die Mitarbeiter interpretiert. Doch dies wird ihr als Teil der Arbeitswissenschaft und ihrem Ziel, Humanität und Wirtschaftlichkeit zu vereinbaren, in keinster Weise gerecht. Ziel der Ergonomie ist es vor allem, das Wohlbefinden des Menschen und die Leistung des Gesamtsystems zu optimieren. Die Leistungsfähigkeit des Einzelnen bestimmt sich zu einem hohen Maß an den zur Verfügung gestellten Arbeitsmitteln und den physisch und psychisch wirkenden Faktoren der Arbeitsumgebung. Je effektiver und reibungsloser gearbeitet werden kann – umso besser für Arbeitgeber und Mitarbeiter.

Unnatürliche Körperhaltung ist oft Arbeitsalltag

Arbeitsumfeld und -bedingungen von Elektrofachkräften lassen sich auf den folgenden stark vereinfachten Nenner bringen:

  • Sie führen die unterschiedlichsten Arbeitsaufgaben aus unter teilweise schwierigsten Arbeitsbedingungen.
  • Körperliche Beanspruchungen gehören zum Berufsalltag.
  • Arbeiten über Kopf und das häufig den ganzen Tag – damit Tätigkeiten in „unnatürlichen Haltungen” sind keine Seltenheit.
  • Seinen Wirkungsort in bequemer Arbeitshöhe und funktioneller Kopfposition vorzufinden, ist selten bis nie der Fall.

An der Arbeitsumgebung und der Arbeitsaufgabe lässt sich in der Regel wenig ändern. Wie die Tätigkeiten allerdings durch das richtige Equipment und Handwerkzeug leichter und effektiver durchführbar sind, schon.

Vorteile ergonomischer Handwerkzeuge

Ergonomisch vorteilhaft gestaltete und zudem gewichtsoptimierte Werkzeuge können den Anwender wesentlich entlasten und die Arbeitszeiten reduzieren. Was benötigt der Elektriker bei seiner täglichen Arbeit? Häufig sind es Schraubwerkzeuge und Zangen für unterschiedlichste Arbeitsaufgaben.

Physische Belastungen des Anwenders reduzieren

Kleine und große Kraftaufwendungen sind regelmäßig notwendig. Für die Anwender liegt im ersten Moment die Belastung wortwörtlich „auf der Hand“. Aber die Hand-Arm-Belastungen sind im Zusammenhang mit der gesamten Körperhaltung und des ganzen Muskel-Skelett-Systems zu betrachten. Die Gelenkstellung von Wirbelsäule, Schulter, Arm und Handgelenk entscheiden über Kraftentwicklung und eine mögliche Belastungsreduzierung.

Mehr Spielraum für die Hand

Je mehr Spielraum ein Handwerkzeug der Hand zum Greifen und Halten, Drehen und Drücken bietet, desto flexibler kann damit gearbeitet werden. Wird über Kopf gearbeitet, hält man zum Beispiel einen Schraubendreher anders in der Hand als bei Arbeiten in Brust- oder Kopfhöhe. Der Zugriff der Finger ist abhängig von der Handgelenksstellung und Kraftentwicklung. Je mehr Fläche – im Idealfall eher rund oder ballig sowie eher griffig als eckig und kantig – zur Verfügung steht, desto variabler lassen sich die Finger oder nur die Fingerkuppen je nach Arbeitsausrichtung und -position platzieren und entsprechend die Kräfte aufbringen. Aus Sicht der Arbeitsleistung und der Gesundheit ist es schon ein großer Unterschied, mit welchem Kraftaufwand ein Anwender in seinem Berufsleben die unzähligen Schraub- und Drehtätigkeiten in unterschiedlichsten Arbeitspositionen zu verrichten hat (Bild 1).

Ein Profi-Sportler benutzt doch ebenfalls auf ihn und die Wettkampfbedingungen zugeschnittene optimierte Sportgeräte – warum der Profi-Anwender dann nicht auch Arbeitsmittel zur Leistungssteigerung?

Wirkungsweise auf das Hand-Arm- und Skelettsystem

Die vielen einzelnen Anwendungen wirken immer in irgendeiner Form auf die gesamte Muskel- und Skelettstruktur ein. Benötigt man weniger Kraft, entsteht weniger Druck auf die Gelenkflächen und weniger Reibung. Wird durch geringere Belastung trotzdem die gleiche oder sogar noch mehr Leistung erbracht, entlastet dies, gesamtheitlich gesehen, nicht nur den ganzen Körper des Anwenders. Es verhilft dem Unternehmen gleichzeitig zu motivierteren und leistungsfähigeren Mitarbeitern.

Autor: U. Reiber-Gamp

Der vollständige Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

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