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Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
Fehlerstromschutz hinter USVen

Welche Konzepte für den Einsatz von USVen gibt es und wie werden diese in ein Server-Rack eingebunden?

USV – damit Daten nicht verloren gehen, wenn das Stromnetz ausfällt (Quelle: APC)

Frage:
Für den Einbau in ein Server-Rack hatte ich eine ortsveränderliche USV eines namhaften Herstellers vorgesehen. Dabei sind mir mehrere Ungereimtheiten in der Konzeption dieses Gerätes aufgefallen, die der Hersteller für mich leider nicht klären möchte (es handelt sich dabei NICHT um den Hersteller der abgebildeten USV, Anm. d. Red.).

Antwort:
Seit dem 1. Juni 2007 gilt für den Personenschutz, dass für alle Steckdosen in Wechselspannungssystemen, die durch die Benutzung von Laien und zur allgemeinen Verwendung bestimmt sind, ein zusätzlicher Schutz durch Fehlerstrom-Schutzweinrichtungen (RCDs) vorgesehen werden muss. Alle unsere betreffenden Endstromkreise genügen den Anforderung bezüglich Personenschutz entsprechend. Für den fehlerfreien Betrieb von Geräten, die sich im Sekundärkreis einer USV befinden, ist die Personensicherheit gewährleistet. Für den Fall eines unzulässig hohen Fehlerstroms wird der RCD vor der USV die Zuleitung trennen. Aufgrund der USV wird diese Trennung wunschgemäß auf der Abgangsseite aber nicht wirksam! Im Fall einer Übernahme der Stromversorgung durch die USV kann ich folglich keine Personensicherheit mehr gewährleisten! Für mich stellen sich nun folgende Fragen:

  1. Fallen die an der USV befindlichen Steckdosen unter die Normreihe DIN VDE 0100 (VDE 0100)?
  2. Wenn ja, wieso sind sie geräteseitig nicht durch einen eingebauten RCD abgesichert?
  3. Wenn nein, wie soll ich den Teil zwischen einer USV und einem eventuell nachgelagerten RCD absichern?
  4. Wie kann ich im Fehlerfall die Personensicherheit gewährleisten?

Gerade bei Stand-Alone-Geräten, welche für eine Aufstellung in unabgeschlossenen und für Laien zugänglichen Räumen vorgesehen sind, sehe ich ein nicht zu vernachlässigendes Gefahrenpotential! Und auch für Rack-Einschübe wäre es in meinen Augen sehr sinnvoll, einen im Gerät integrierten RCD Typ B+ vorzuhalten. Diese Aussage folgt natürlich der Vorgabe, dass Personenschutz vor Datenschutz geht. Es befinden sich Geräte auf dem Markt, welche sekundärseitig ungesicherte, nicht fest angeschlossene Endstromkreise bereitstellen. Die Geräte sind so konzipiert, dass sie in normalen Büroräumen eingesetzt und von Laien bedient werden können. Für mich sind diese Geräte potentiell lebensgefährlich und nicht normgerecht!

Ganz sicher kann ich mit dem Anfragenden übereinstimmen, dass es für USVen (UPS, uninterruptible power supply), Ersatzstromerzeuger usw., sofern sie nicht fest angeschlossen sind, nur ganz wenige brauchbare Aussagen zum Fehlerschutz gibt, weder von den Herstellern noch in den Normen. Es ist aber richtig – wie der Anfragende auch schon festgestellt hat –, dass der Fehlerschutz auch hinter einer USV und auch hinter einem Ersatzstromerzeuger usw. gegeben sein muss.

Aber selbst bei fest angeschlossenen USVen wird von vielen Herstellern, dieses Thema nur sehr ungenau behandelt. In solchen Fällen verlässt man sich dabei auf die automatische Umgehung. Dass trotzdem für eventuelle Steckdosen der zusätzliche Schutz durch Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) mit einem Bemessungsdifferenzstrom nicht größer als 30 mA vorgesehen werden muss, wird meist verschwiegen. Oder es wird argumentiert, dass man sich, insbesondere bei Versorgungen im IT-Bereich, Fehlauslösungen durch die Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs) nicht leisten kann. Hierzu sei angemerkt, dass es, bei richtiger Zuordnung, nicht zu ungewollten Auslösungen kommen wird.

Fazit. Würde es sich bei den Steckdosen hinter der USV um fest errichtete Steckdosen handeln, dann könnte auf den zusätzlichen Schutz durch Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD) mit einem Bemessungsdifferenzstrom nicht größer als 30 mA verzichtet werden, wenn dabei die Anforderungen von Abschnitt 411.3.3 von DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410) [1] berücksichtigt werden.

Zutreffende Normen für USVen. Problematisch bei der USV-Konfiguration des Anfragenden ist, dass die Normen der Reihe DIN VDE 0100 (VDE 0100) an der festen Anschlussstelle bzw. an einer fest errichteten Steckdose enden.

Autor: W. Hörmann

Literatur:

[1] DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2018-10 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4-41: Schutzmaßnahmen – Schutz gegen elektrischen Schlag.

Der vollständige Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

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