Anzeige

Hickhack um Dämmstoff-Entsorgung
Dämmplatten aus Styropor: Gefährlich, nicht gefährlich, doch gefährlich?

Ab 1. Oktober 2016 sollten Styropor-Dämmstoffe als gefährlicher Abfall gelten. Doch im Dezember zog der Bundesrat die Notbremse. Die Entsorgung war zusammengebrochen. Jetzt gilt Styropor wieder als ungefährlich – giftig bleibt es trotzdem.

Besser nicht dran lecken: Wärmedämmung an einer Hausfassade

Besser nicht dran lecken: Wärmedämmung an einer Hausfassade (Bild: Fotolia/Ingo Bartussek)

Warum gelten Styropor-Dämmstoffe als gefährlich?

Styropor-Dämmplatten sind mit dem giftigen Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD) beschichtet. Die Giftstoffe lassen sich in der Natur schlecht abbauen. Sie sind langlebig und wasserlöslich, selbst in Raubvögeln und Fischen der Arktis wurde HBCD nachgewiesen.

Über das Grundwasser gelangen die Giftstoffe auch in den menschlichen Körper. Mit Tierversuchen wurde nachgewiesen, dass das Gift über die Muttermilch weitergegeben und die Säuglingsentwicklung stören bzw. die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann.

2008 setzte die Europäische Chemikalienagentur HBCD auf die Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe. 2013 wurde HBCD in der gesamten EU verboten. Als Folge davon klassifizierte die Abfallverzeichnisordnung (AVV) Styropor als gefährlichen Abfall.

Wie war die Entsorgung bis 30. September 2016 geregelt?

Seit den 1960er Jahren wird Styropor in Kombination mit HBCD als Wärmedämmstoff verwendet, beispielsweise in Dachstühlen oder zur Fassadendämmung. Seit dieser Zeit durften die Dämmplatten als normaler Baumischabfall in der Müllverbrennung entsorgt werden.

Was sollte sich ab 1. Oktober 2016 ändern?

Der Bundesrat stufte Styropor zum 1. Oktober 2016 als gefährlichen Abfall ein. Der Dämmstoff sollte nur noch als Sondermüll in speziellen Verbrennungsanlagen entsorgt werden dürfen.

Allerdings weist Styropor einen sehr viel höheren Heizwert als Hausmüll auf, außerdem können beim Verbrennen giftige Dioxine und Furane freigesetzt werden. Deshalb muss der Dämmstoff von Haus- oder anderem Müll getrennt und in speziellen Anlagen verbrannt werden. Für die Entsorgung gefährlicher Abfälle wie Styropor sind jedoch nicht alle deutschen Müllverbrennungsanlagen zugelassen.

Welche Folgen hatte die Einstufung von Styropor als gefährlicher Abfall?

Einige Entsorger, die keine Kapazitäten frei hatten oder denen die technischen Voraussetzungen für die separate Müllverbrennung fehlten, erklärten ab Oktober einen Annahmestopp für Styropor. Das führte zu Styroporhalden auf Baustellen und Auftragsstornierungen durch Fachbetriebe, die nicht wussten, wo sie die alten Dämmplatten entsorgen konnten.

Gleichzeitig erhöhten die Müllentsorger ihre Preise. Die Kosten für die Entsorgung von Styropor stiegen von ca. 150 Euro auf bis zu 8.000 Euro je Tonne. Diese Preissteigerungen konnten nicht alle Handwerksunternehmen auffangen, weil ihre Kalkulationen bei Auftragsannahme auf anderen Kosten basierten.

Bis wann darf Styropor noch als Baumischabfall entsorgt werden?

Der Empfehlung des Bundesrats muss noch die Bundesregierung zustimmen. Anschließend sollen Dämmplatten aus Styropor ein Jahr lang als ungefährlicher Abfall gelten und als Baumischabfall entsorgt werden können.

Die Entsorgungsunternehmen erhalten dadurch Zeit, um sich auf die separate Verbrennung von Styropor einzurichten. Nach Ablauf der zwölf Monate wird Styropor endgültig als gefährlicher Abfall deklariert.

Gelten alle Produkte aus Styropor als gefährlicher Abfall?

Verpackungen oder andere Anwendungen aus Styropor enthalten kein HBCD, sie können nach wie vor im Hausmüll entsorgt werden. Nur Dämmplatten aus Styropor unterliegen der Pflicht zur gesonderten Entsorgung.

Kommentare

botMessage_toctoc_comments_926
Anzeige

Nachrichten zum Thema

In der Elektrotechnik und der Informationstechnik bleiben die Zahlen der Studienanfänger weiterhin stabil. Elektrotechnik gehört weiterhin zu den beliebten Studienfächern.

Weiter lesen

Francois Beneteau verstärkt ab sofort das Vertriebsteam der SLAT GmbH im Außendienst. Er wird seine Tätigkeit im Nordwesten Deutschlands ausüben.  

Weiter lesen

Nanotechnologie: Kleidung als zukünftige Minikraftwerke Twistron – Die energieerzeugende Textilfaser

Wissenschaftler haben aus Kohlenstoff-Nanoröhrchen ein Garn entwickelt, das effizient mechanische in elektrische Energie umwandelt. Die geringe Bewegung durch einen Atemzug genügt, um Strom zu erzeugen.

Weiter lesen

Bei Stiebel Eltron ist man mit dem Ergebnis von 2016 und der Entwicklung in diesem Jahr so zufrieden, dass für die Geschäftsführung jetzt der richtige Moment gekommen ist, um den Vertrieb auszugliedern.

Weiter lesen

Batteriespeicher: Endlich unkaputtbar? Studentin entwickelt aus Versehen Super-Akku

Eine Doktorandin der University of California hat zufällig eine bahnbrechende Entdeckung gemacht – den Super-Akku.

Weiter lesen
Anzeige