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Elektromobilität
Elektroauto-Produktion bedroht Arbeitsplätze

Das Elektroauto hat es nicht leicht in Deutschland. Nun sorgt eine weitere Meldung für Skepsis. Laut einer Studie der Fraunhofer-Gesellschaft könnten durch die Umstellung auf Elektroantriebe zehntausende Jobs wegfallen.

(Foto: zapp2photo/stock.adobe.com)

Sie sind eine technische Errungenschaft,  belasten die Umwelt nicht mit Abgasen und stehen für den Fortschritt: Elektroautos haben in Deutschland trotz all ihrer Vorteile bisher keinen leichten Stand.

Gezögert wird beim Kauf meist, weil die Reichweite den Nutzen einschränkt oder lange Ladezeiten unflexibel sind. Auch der Preis, der trotz staatlicher Fördergelder noch immer sehr hoch ist, schreckt viele Autokäufer ab. Die meisten Autobauer wehren sich ebenfalls gegen den Strukturwandel mit E-Autos. Doch der ist besiegelt, auch wenn bisher noch niemand so richtig weiß, wie er wirklich zu bewältigen ist.
Fertigungsprozesse unterscheiden sich extrem

Nun werden zusätzlich auch noch die Arbeitnehmer auf den Plan gerufen. Diejenigen, die bisher im Bereich Motorenproduktion und Getriebe gearbeitet haben, sind verunsichert. Die Fertigung eines Elektromotors unterscheidet sich massiv von der eines Benzinmotors. Es besteht ein großer Unterschied darin, eine Maschine zu bedienen, die einen Kolben für einen Benzinmotor fräst oder feine Drähte zu Spulen zu wickeln, die für den E-Motor benötigt werden.

Im Produktionsprozess werden für den Elektromotor gerade einmal rund 25 Teile benötigt, während der Vierzylinder aus mehr als 100 Teilen besteht. Die Vermutung liegt nah, dass ein Großteil der Arbeitsplätze wegfällt, wenn das E-Mobil zum Standard wird.

Arbeitsplätze sind bedroht

Das Thema beschäftigt auch die Experten. Sie stellen sich schon länger die konkrete Frage, wie viele Jobs betroffen sein werden. In der jüngsten Studie des Stuttgarter Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation geht man von rund 75.000 Arbeitsplätzen aus. Eingerechnet sind bereits 25.000 neue Stellen für Komponenten wie Batterien oder Leistungstechnik.

Grundlage für die Berechnung waren Daten von BMW, Daimler und Volkswagen sowie der großen Zulieferer ZF Friedrichshafen, Mahle und Schaeffler. Am schwersten betroffen wären der Studie nach Beschäftigte kleiner Zuliefererbetriebe in strukturschwachen Regionen. Dem Szenario wird die anhaltende Elektroauto-Skepsis zugrunde gelegt. Man vermutet, dass der Gesamtanteil bis 2030 gerade einmal 25 Prozent betragen wird. Geht man davon aus, dass die Zielmarke, wie eigentlich geplant, sogar schon fünf Jahre eher erreicht wird, könnten sogar bis zu 109.000 Arbeitsplätze wegfallen.

Neue Jobs in anderen Bereichen

Andere Studien vertreten hingegen einen breiteren Ansatz und sehen den Wandel der Autoindustrie mehr als Chance, denn als Risiko. Demnach sollten Elektromobilität und dazugehörige mobile und digitale Dienstleistungen insgesamt mehr Jobs hervorbringen als vernichten. Die IG Metall kritisiert an dieser Stelle allerdings, dass eben diese neuen Jobs in anderen Bereichen als vorher liegen werden. Große Konzerne suchen also schon jetzt nach Elektrotechnikern, Elektronikspezialisten und Software-Ingenieuren.

IG-Metall fordert Qualifizierungsoffensive

Die IG Metall nutzt die Studie, um Politik und Unternehmen wachzurütteln, wie der IG-Metall-Chef Jörg Hofman sagt. Im Fokus steht die Frage danach, wie man einen Arbeiter vom Kolbenmechaniker zu einem Techniker für Leistungselektronik machen kann.

Hofman fordert eine Qualifizierungsoffensive der Unternehmen. Mit der Fertigung von Batteriezellen könnte Deutschland aus Sicht der Arbeitnehmervertretung neue Jobs schaffen. Schließlich sei Deutschland führend in der Batterieforschung. Im Bereich der Elektromobilität scheint Deutschland jedoch den Anschluss zu verlieren und muss mehr in die Entwicklung investieren, um nicht von der asiatischen Konkurrenz abgehängt zu werden.

Auch bei Bosch sieht man die Entwicklungen mit Sorge. Hartwig Geisel, Betriebsratschef von Bosch, meint: „Wir müssen neue Technologien in Deutschland ansiedeln.“ Hier werden drastische Zahlen erwartet. 30.000 Arbeitsplätze hängen bei dem Stiftungskonzern in Deutschland vom Verbrennungsmotor ab.

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