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Leseranfrage
Einbinden einer Klimaanlage in den Schutz-Potentialausgleich

Auf dem Satteldach einer Eigentumswohnung im Dachgeschoss befindet sich das Außenteil einer Klimaanlage. An der Wand der Dachterrasse ist zudem eine Markise mit Aluminiumkassette montiert. Müssen sowohl Klimaanlage als auch Aluminiumkassette der Markise in den Schutzpotentialausgleich einbezogen werden? Wie sieht es mit den Haltern des Klimagerätes aus? Wie verhält es sich, wenn ein Blitzschutzsystem errichtet wird?

Klimaanlage

Klimaanlage vor einem Haus (Foto: oka/stock.adobe.com)

Um diese in der Praxis sehr häufig diskutierte Fragestellung zu beantworten, muss die Antwort in zwei Teilbereiche aufgeteilt werden, die zuerst nur bedingt miteinander zu tun hab

  1. Einbeziehung der Komponenten der Klimatechnik in den Schutzpotentialausgleich über die Haupterdungsschiene.
  2. Auslegung des äußeren oder auch inneren Blitzschutzes zum Schutz der Komponenten der Klimatechnik.

Erster Teilbereich. Einbeziehung der Komponenten der Klimatechnik in den Schutzpotentialausgleich über die Haupterdungsschiene. Hier ist nach den einschlägigen Normen (DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410) [1] /DIN DIN VDE 0100-540 (VDE 0100-540) [2]) zu prüfen, ob die Notwendigkeit besteht, Komponenten der Klimatechnik in den Schutzpotentialausgleich über die Haupterdungsschiene einzubeziehen. In Abschnitt 411.3.1.2 „Schutzpotentialausgleich über die Haupterdungsschiene (früher ,Hauptpotentialausgleich‘ genannt)“ von DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410) [1] heißt es: „In jedem Gebäude müssen der Erdungsleiter und die folgenden leitfähigen Teile über die Haupterdungsschiene zum Schutzpotentialausgleich verbunden werden:

  • metallene Rohrleitungen von Versorgungssystemen, die in Gebäude eingeführt sind, z. B. Gas, Wasser;
  • fremde leitfähige Teile der Gebäudekonstruktion, sofern im üblichen Gebrauchszustand berührbar;
  • metallene Zentralheizungs- und Klimasysteme;
  • metallene Verstärkungen von Gebäudekonstruktionen aus bewehrtem Beton, wo die Verstärkungen berührbar und zuverlässig untereinander verbunden sind.“

Fazit erster Teilbereich. Somit ist normativ definiert, dass die leitfähigen Rohre eines Klimasystems in den Schutzpotentialausgleich über die Haupterdungsschiene (früher „Hauptpotentialausgleich“ genannt) einzubeziehen (Querschnitt des Erdungsleiters z. B. 6mm2 Kupfer) sind.

Dies gilt allerdings ausdrücklich nicht für die vom Anfragenden aufgeführten „Halter“ und natürlich auch nicht für die metallische Konstruktion der Markise, da diese Teile nach den normativen Vorgaben nicht in den Schutzpotentialausgleich über die Haupterdungsschiene (früher „Hauptpotentialausgleich“ genannt) einbezogen werden müssen.

Im Bereich der Markise ist der vorhandene Schutzleiter zur Realisierung des Schutzes gegen elektrischen Schlag völlig ausreichend.

An diesem Ansatz ändert auch die Realisierung eines Blitzschutzsystems nichts.

Bei Realisierung eines Blitzschutzsystems werden die leitfähigen Rohre des Klimasystems in den „Blitzschutzpotentialausgleich“ (Querschnitt des Erdungsleiters z. B. 6 mm2 Kupfer) einbezogen.

(Voraussetzung ist, dass der notwendige Trennungsabstand zwischen Teilen der Blitzschutzanlage und der elektrischen Anlage bzw. metallischen Installation eingehalten ist).

Zweiter Teilbereich. Auslegung des äußeren oder auch inneren Blitzschutzes zum Schutz der Komponenten der Klimatechnik. Bei dem hier zu betrachteten Sachverhalt geht es um die Notwendigkeit bzw. die Umsetzung des äußeren Blitzschutzes und nachfolgend auch des inneren Blitzschutzes. Und eine Bewertung der Notwendigkeit der Errichtung eines Blitzschutzsystems nach der Normenreihe DIN EN 62305 über eine Risikoanalyse nach DIN EN 62305-2 (VDE 0185-305-2) [3]. Diese insgesamt sehr komplexe Aufgabe bedarf sehr spezialisierter Fachkenntnisse, wie sie nur von der in der DIN EN 62305-3 (VDE 0185-305-3) [4] beschriebenen „Blitzschutzfachkraft“ im gesamten Zusammenhang aus äußeren und innerem Blitzschutz geleistet werden kann. Für diese in der Blitzschutzpraxis recht häufig vorkommende Praxissituation sind grundsätzliche Betrachtungen und eine Analyse der detaillierten Anforderungen des jeweiligen Einzelfalls notwendig.

Im Prinzip ist als primäres Schutzziel der Sach-, Brand und Personenschutz für die bauliche Anlage zu gewährleisten.

Hierbei wird nicht nur der grundlegende Brandschutz und Personenschutz sondern natürlich auch die störungsfreie Funktion der elektrischen und informationstechnischen Gebäudeinstallation als Anforderung in den relevanten Normen und Verordnungen gefordert.

Im Bereich des Blitzschutzes wird im Prinzip die Einwirkungen des direkt galvanisch eingekoppelten Blitzstromes (Wellenform 10/350 μs) und der induktiv eingekoppelten Störgröße (Wellenform 8/20 μs) betrachtet, und beide Ansätze müssen somit auch technisch abgedeckt werden.

Durch die Blitzschutzfachkraft ist die induktive Einkopplung der Störgröße (Wellenform 8/20 μs) zu betrachten. Dies wird in der Regel durch eine komplett geschirmte Verlegung der Kabel oder Leitungsanlage oder wie in der Praxis meist praktiziert durch den Einsatz von Überspannungs-Ableiter (SPD Typ 2) realisiert.

Diese Betrachtung der induktiven Einkopplung der Störgröße (Wellenform 8/20 μs) bezieht sich natürlich auf alle elektrischen Systeme im Energie und Informationstechnischen Bereich.

Dem Anfragenden kann nur geraten werden, für die detaillierte Umsetzung dieser Maßnahmen, die Unterstützung einer „Blitzschutzfachkraft“ in der Planung, Ausführung und der abschließenden Prüfung einzuholen. Und eine Bewertung der Notwendigkeit der Errichtung eines Blitzschutzsystems nach der Normenreihe DIN EN 62305 durch eine Blitzschutzfachkraft über eine Risikoanalyse nach DIN EN 62305-2 (VDE 0185-305-2) [3] prüfen zu lassen.

Fazit zweiter Teilbereich. Zur Auslegung des äußeren oder auch inneren Blitzschutzes zum Schutz der Komponenten der Klimatechnik bzw. zur Prüfung der Notwendigkeit eines Blitzschutzsystems muss eine Blitzschutzfachkraft zu Rate gezogen werden, die über eine objektbezogenen detaillierte Risikoanalyse nach DIN EN 62305-2 (VDE 0185-305-2) [3] den Schutzumfang zu ermitteln hat.

Dies ändert aber nichts am Umfang des notwendigen Potentialausgleichs.

Autor: F. Ziegler

Literatur:

[1] DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410):2007-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 4-41: Schutzmaßnahmen – Schutz gegen elektrischen Schlag.

[2] DIN VDE 0100-540 (VDE 0100-540):2012-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 5-54: Auswahl und Errichtung elektrischer Betriebsmittel – Erdungsanlagen und Schutzleiter.

[3] DIN EN 62305-2 (VDE 0185-305-2):2013-02 Blitzschutz – Teil 2: Risiko-Management.

[4] DIN EN 62305-3 (VDE 0185-305-3):2011-10 Blitzschutz – Teil 3: Schutz von baulichen Anlagen und Personen.

Dieser Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

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