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Elektromobilität: Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs
eHighway auf deutschen Autobahnen ab 2018

Im Rahmen des Verbundprojekts Elektrifizierter, innovativer Schwerlastverkehr auf Autobahnen (Elisa) rüstet Siemens im Auftrag des Landes Hessen einen zehn Kilometer langen Abschnitt der A5 mit notwendiger Infrastruktur für den Betrieb von elektrischen Hybrid-Lkw aus.

eHighway

Bis Ende 2018 soll die Stromleitung zwischen den Anschlussstellen Zeppelinheim/Cargo City Süd des Frankfurter Flughafens und Darmstadt/Weiterstadt gebaut werden und den Straßengüterverkehr mit Elektrizität versorgen (ep berichtete). Die Oberleitung hat eine Spannung von 600 Volt. Damit wäre diese Konstruktion mit dem Namen eHighway die erste ihrer Art in Deutschland.

Eine zweite Strecke soll in Schleswig-Holstein gebaut werden. In Lübeck sind auf der Autobahn A 1 jeweils sechs Kilometer mit Stromoberleitungen geplant. Ähnliche Systeme sind bereits in Schweden 2016 und 2014 Kalifornien (USA) in Anwendung (ep berichtete). Der Versuch in Hessen wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert.

"Mit der Errichtung der Anlage soll der praktische Nachweis der Integrationsfähigkeit von Oberleitungssystemen im Straßenraum erbracht werden. Die Anlage soll in reale Transportketten eingebunden und die Machbarkeit der klimaneutralen Güterlieferung im urbanen Raum Frankfurt nachgewiesen werden", sagt Gerd Riegelhuth, Abteilungsleiter Verkehr bei Hessen Mobil.

Effizient, ökonomisch und umweltschonend

Bereits 2012 stellte Siemens den eHighway vor. Der Vorteil der elektrifizierten Strecke liegt laut Siemens in seiner Effizienz. Im Vergleich zu Verbrennungsmotoren verringere sich der lokale CO2-Ausstoß. Außerdem soll auf diese Weise der Energieverbrauch halbiert werden. Ein neuartiger Stromabnehmer als Verbindung zwischen Leitung und Lkw in Kombination mit einem Diesel-Hybridmotor, der auf Strecken ohne Oberleitung den Antrieb des Lkw übernimmt, bilde dabei das Kernelement des Systems. Nach Angaben von Siemens könnten Lkw mit einer Geschwindigkeit von bis zu 90 Kilometern pro Stunde fahren, wenn sie an der Oberleitung hängen.

„Mit dem eHighway haben wir erstmals eine wirtschaftlich darstellbare Lösung für einen klimaneutralen Straßengüterverkehr geschaffen. Unsere Technologie ist damit eine heute schon real existierende Alternative zum Lkw-Transport mit Verbrennungsmotoren“, erläutert der Technologiechef der Division Mobility, Roland Edel.

Erprobte Technologie aus der Bahnelektrifizierung

Elektrizität aus der Oberleitung ermöglicht, anders als Akkus, Fahrten über lange Strecken. Allerdings müssen dafür wie auch bei der Bahn Strommasten aufgestellt werden. Im Dach des Lkw befinden sich Sensoren, die erkennen, ob sich über dem Fahrzeug eine Oberleitung befindet. Ist dies der Fall, fahren die im Dach des Führerhauses eingebauten Abnehmer automatisch aus. Diese versorgen den Elektromotor des Lastkraftwagens mit Strom.

Gleichzeitig lädt sich die mitgeführte Batterie auf. Der Stromabnehmer ist eine Weiterentwicklung des bereits in Zügen bewährten Systems. Allerdings gibt es einen Unterschied: Möchte ein Lkw überholen oder endet die Stromoberleitung, schalten sich entweder die Batterie oder ein Dieselgenerator ein. Im laufenden Verkehr erfolgt das Herstellen oder Lösen der Verbindung mit der Oberleitung automatisch. Die Geschwindigkeit muss dabei nicht verringert werden.

Zukunft des Güterverkehrs ist elektrisch

Im April 2017 sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) beim Besuch der Teststrecke von Siemens (eHighway) im brandenburgischen Groß-Dölln, dass sie elektrisch betriebene Lastkraftwagen eindeutig als Zukunftsoption sehe. „Wir brauchen dringend eine Verkehrswende. Das hier kann als Teil einer Verkehrswende funktionieren“, so Hendricks damals.

Laut Hendricks stünden zum Ausbau der Infrastruktur für die Oberleitungs-Lkw im Verkehrswegeplan sechs Milliarden Euro für die nächsten 15 Jahre zur Verfügung. Im ersten Schritt des Ausbaus sollen die am stärksten befahrenen Autobahnabschnitte in Deutschland mit Oberleitungen versorgt werden. Insgesamt wären das 300 Kilometer.

Einsparung bei den Treibstoffkosten

Rund eine Million Euro pro Kilometer und Fahrtrichtung kostet die Technik. Laut Bundesumweltministerin ist der Logistikverband BGL höchst interessiert an den Oberleitungs-Lkw. Wegen der Zusatzkosten für die Lastkraftwagen müsse es zunächst eine Anschubfinanzierung geben. Zusätzlich zu den Förderprogrammen für umweltverträglichere Lkw sei es auch möglich, für jeden mit Strom gefahrenen Kilometer auf die Lkw-Maut zu verzichten, so Hendricks. E-Mobilität mit Oberleitungen ist nach Berechnungen des Bundesumweltministeriums energieeffizienter als rein batterieelektrisches Fahren.

In Kooperation mit Schweden, das bereits seit 2016 Oberleitungs-Lkw testet, plant die Bundesregierung eine Verbindung durch Schweden und Dänemark. Waren von Norddeutschland könnten damit bis nach Schweden umweltfreundlich transportiert werden.

Spediteure zeigen sich skeptisch

Während Umweltschützer die Idee vom eHighway begrüßen, zeigen sich Spediteure und Verkehrsverbunde skeptisch. „Um Fehlinvestitionen zu vermeiden“, müsse man abwarten, da es noch völlig offen sei, welche Technologie sich durchsetzen werde, sagte Frank Huster, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Speditions- und Logistikverbands, der dpa. Er hält es für eher unwahrscheinlich, dass sich Oberleitungs-Lkw im Alltag bewähren. Gründe dafür seien vor allem die aufwendige Infrastruktur, der enorme Bedarf öffentlicher Mittel sowie das deutliche Konkurrenzverhältnis zum Schienenverkehr.

Die Oberleitungen in Hessen und Schleswig-Holstein sollen bis Ende 2018 errichtet werden, so dass die ersten elektrisch betriebenen Lkw Anfang 2019 über den eHighway rollen könnten.

 

                                               eHighway Animation Hafenanwendung (Video: Siemens)

 

Bild Mitte rechts: Fakten zum eHighway (Foto:Siemens)

Bild Mitte links: Testfahrzeug auf dem eHighway (Foto: Siemens)

Bild unten rechts(von links nach rechts): Bundesumweltministerin Barbara Hendricks,

Dr. Jochen Eickholt, CEO der Siemens Division Mobility (Foto: Siemens)

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