Anzeige

Elektromobilität
E-Autos zum Sonderpreis

Ab Mai schenkt die Bundesregierung den Käufern eines Elektroautos 4.000 Euro, und sie investiert in das Netz der Ladestationen. Nicht jeder ist damit glücklich.

Kleiner Lichtblick: Die Ladestecker wurden inzwischen standardisiert (Symbolbild)

In der Nacht von Dienstag zu Mittwoch stimmten die Konzernchefs von BMW, Daimler und VW bei Verhandlungen im Kanzleramt einem Kaufanreiz zu, der sie viel Geld kosten wird.

Jeder Käufer eines E-Autos erhält eine Prämie in Höhe von 4.000 Euro. Für Autos mit Hybridmotoren gibt es 3.000 Euro Zuschuss. 

Die Gesamtkosten werden bei 1,2 Milliarden Euro gedeckelt. Ist das Geld verbraucht, endet die Förderung. Bundesregierung und Automobilhersteller teilen sich die 1,2 Milliarden Euro je zur Hälfte.

Zusätzlich zur Kaufprämie erklärt sich die Bundesregierung bereit, 300 Millionen Euro für neue Ladestationen bereitzustellen.

Mit der Prämie sind einige Einschränkungen verbunden: Sie gilt nur für Neuwagen bis zu einem Listenpreis von 60.000 Euro, nicht jedoch für andere elektrisch betriebene Fahrzeuge wie E-Bikes. Die von der SPD angestrebte Begrenzung auf 40.000 Euro konnten die Automobilhersteller abwehren. Bei diesem Listenpreis wären zu wenig Modelle deutscher Produktion förderfähig gewesen.

Der Leiter des Auto-Instituts CAM, Stefan Bratzel, bezeichnet die Prämie als "Strohfeuer". Die Opposition im Bundestag geht auf Distanz zur Bundesregierung. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Oliver Kriecher, sagte, es gäbe "keinen Grund, warum alle Steuerzahler die Prämie mittragen müssen." Selbst in der CDU-Fraktion wird die Subventionierung der Autohersteller auf Kosten der Steuerzahler kritisch gesehen.

In Deutschland ist die Nachfrage nach E-Autos immer noch sehr verhalten. Im März 2016 wurden 322.913 Pkw zugelassen. Davon fuhren 4.045 mit Hybrid- und 1.104 mit einem reinen Elektroantrieb. Insgesamt gibt es etwa 25.000 Elektro- und 130.000 Hybridautos mit deutschem Kennzeichen. Bei einem Gesamtbestand von 45,1 Millionen Pkw erreichen Elektroautos einen Anteil von ca. 0,5 Prozent. 

Am Ziel, bis 2020 eine Million Autos mit Elektro- oder Hybridantrieb in Deutschland zuzulassen, hält die Bundesregierung trotzdem fest. Dafür fehlen aber noch 850.000 Autos.

Rechnet man 2016 als ganzes Jahr, müssen bis 2020 212.500 E- und Hybrid-Autos jährlich verkauft werden – oder 17.708 je Monat, 4.427 je Woche bzw. 632 je Tag.

Ob 4.000-Euro-Prämie nun die nationale Begeisterung für Elektroautos auslöst, um die Verkaufszahlen drastisch zu steigern, bleibt abzuwarten.

Kommentare

botMessage_toctoc_comments_926
Anzeige

Nachrichten zum Thema

Erneuerbare Energien: Auszeichnung für Eigenstromproduktion Mikro-Dampfturbine räumt bei Gründungswettbewerb ab

Ein wesentlicher Kostentreiber in der Industrie ist der Energieverbrauch. Das in Gründung befindliche Spin-off des Forscherteams Turbo-KWK bei Fraunhofer Umsicht bietet Unternehmen mit Dampfbedarf eine neuartige Mikro-Dampfturbine – als erste...

Weiter lesen

Elektromobilität: Ladesäuleninfrastruktur Kampf um die Ladesäulen – Teil 1: Die Schlacht beginnt

Nach der Genehmigung der deutschen Ladesäulenförderung durch die EU wird der Markt aufgeteilt. Mächtige Allianzen stehen bereit, um sich die lukrativsten Standorte zu sichern – finanziert vom Steuerzahler.

Weiter lesen

Erneuerbare Energien: Projekt PV-Pack abgeschlossen Kostensenkung durch hoch integrierte Wechselrichter-Konzepte

Nach drei Jahren intensiver Arbeit konnten SMA, die Fraunhofer Institute ISE und IFAM sowie Phoenix Contact das Forschungsprojekt PV-Pack erfolgreich abschließen.

Weiter lesen

Elektromobilität: Umfrage zur Zukunft der Automobile Keine Begeisterung für autonomes Fahren

Selbstfahrenden Autos gehört die Zukunft – sagen die Experten. Doch Verbraucher in Deutschland und Österreich sehen das anders. Was denken Sie?

Weiter lesen

Elektromobilität: Autopilot kann Unfall nicht verhindern Sicher in die Leitplanke – mit Autopilot

Ein Tesla Model S wird vom aktivierten Autopilot direkt in die Leitplanke gesteuert. Der Fahrer gibt Tesla die Schuld, Tesla sagt, der Fahrer sei verantwortlich. Wie würden Sie entscheiden?

Weiter lesen
Anzeige