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Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
Umfang der Isolationsmessung

Muss bei einem Kaltgerätekabel bzw. einer Verlängerungsleitung ohne berührbare leitfähige Teile eine Isolationsmessung erfolgen, oder ist diese Messung nur für aktive und berührbare leitfähige Teile eines Gerätes relevant?

(Bild: Rob Stark/stock.adobe.com)

Frage:

Ist bei einem Kaltgerätekabel, einer Verlängerungsleitung ohne berührbare leitfähige Teile eine Isolationsmessung zwischen den aktiven Leitern und dem Schutzleiter erforderlich? Wie sieht es bei Steckdosenleisten aus? Oder bezieht sich die Isolationsmessung wirklich nur auf aktive Teile und jedes berührbare leitfähige Teil eines Gerätes

Antwort:

Obwohl die Frage des Anfragenden auf den ersten Blick einfach aussieht, ist es auf den zweiten Blick nicht so.

Was die Norm vorschreibt. Hier kommen sowohl die DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600)[1] als auch die DIN VDE 0701-0702 (VDE 0701-0702) [2] in Betracht.

Abschnitt 6.4.3.3, Isolationswiderstand der elektrischen Anlage, von DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600)[1] fordert: „Der Isolationswiderstand muss zwischen:

a) aktiven Leitern, und

b) aktiven Leitern und dem mit der Erdungsanlage verbundenen Schutzleiter

gemessen werden.“

Dagegen lautet die entsprechende Forderung für die Prüfung elektrischer Geräte nach DIN VDE 0701-0702 (VDE 0701-0702) [2]: „5.1.2. Prüfung der Wirksamkeit der Schutzmaßnahme gegen elektrischen Schlag nach 5.3 bis 5.7. [...] Bei Instandsetzung, Änderung und Wiederholungsprüfungen

  • Nachweis des ordnungsgemäßen Zustandes der Isolierung durch das Messen des Isolationswiderstandes zwischen den aktiven Teilen und leitfähigen berührbaren Teilen;
  • die mit dem Schutzleiter verbunden sind (vornehmlich bei Geräten der Schutzklasse I) nach 5.4.
  • die durch doppelte oder verstärkte Isolierung geschützt und daher nicht mit dem Schutzleiter verbunden sind (vornehmlich bei Geräten der Schutzklasse II) nach 5.4 [...]“

Es ist schon erstaunlich, dass in zwei Vorschriften, unterschiedliche Aussagen zum gleichen Sachverhalt enthalten sind.

Etwas klarer wird das, wenn man sich das Schutzziel der Normen ansieht. In DIN VDE 0701-0702 (VDE 0701-0702) [2] ist dazu unter 1. Anwendungsbereich folgende Anmerkung zu finden: „Sicherheitsanforderungen, die sich nicht oder nicht direkt aus den durch die Elektrizität entstehenden Gefährdungen ergeben, z. B. [...] zum Brandschutz, [...] sind nicht Gegenstand der Norm [...]“ Es geht also nach Normentext nur um Gefährdung durch elektrischen Schlag. Daher müssen bei einer Prüfung nach DIN VDE 0701-0702 (VDE 0701-0702) [2] gegebenenfalls die zutreffenden Produktmittelnormen oder auch Anweisungen des Herstellers für die Prüfung herangezogen werden, wenn man eine allumfängliche Aussage treffen möchte.

Bei der DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600) [1] ist das Schutzziel nicht ganz so einfach erkennbar, da der eigentlich zugehörige Abschnitt „Wiederkehrende Prüfung“ etwas versteckt mit weiteren deutschen Forderungen in der DIN VDE 0105-100/A1 (VDE 0105-100/A1) [3] wiedergegeben ist, siehe nationales Vorwort der DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600) [1]. In der DIN VDE 0105-100/A1 (VDE 0105-100/A1) [3] findet man dann Schutzziele der Prüfungen unter 5.3.101.0.2: „Die wiederkehrende Prüfung, muss möglichst ohne Demontage oder soweit erforderlich mit Teildemontage durchgeführt werden, unter Anwendung der Abschnitte 5.3.3.101.1 bis 5.3.3.101.4 ergänzt durch geeignete Erprobungen und Messungen nach DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600), Abschnitt 6.4, um Folgendes zu erreichen:

  • a) die Sicherheit von Personen und Nutztieren vor den Wirkungen des elektrischen Schlags und vor Verbrennungen,
  • b) Schutz gegen Sachschäden durch Brand und Wärme, die durch Fehler in der elektrischen Anlage entstehen,
  • c) Bestätigung, dass die nach DIN VDE 0100-410 (VDE 0100-410) geforderten Bemessungen und Einstellungen, z. B. der Abschaltzeit, der Schutzeinrichtungen eingehalten sind,
  • d) Bestätigung der Bemessung und Einstellung von Überwachungseinrichtungen, 
z. B. Differenzstrom-Überwachungsgeräte (RCMs), Isolationsüberwachungseinrichtungen (IMDs),
  • e) Bestätigung, dass die Sicherheit der Anlage nicht durch etwaige Beschädigungen oder Verschleiß beeinträchtigt ist,
  • f) Erkennen von Abweichungen zu den Anforderungen der relevanten Teile der Normen der Reihe DIN VDE 0100 (VDE 0100) und von Fehlern in der Anlage, aus denen sich eine Gefahr ergeben kann.“

Zu den normativen Satzteilen Messung der Isolationswiderstände „zwischen den aktiven Leitern“ und „zwischen den aktiven Teilen“. Wenn es nur um den Schutz vor elektrischen Schlag geht, wie in DIN VDE 0701-0702 (VDE 0701-0702) [2] eingegrenzt, muss der Isolationswiderstand sicher nicht gemessen werden. Bei der elektrischen Anlage mit Schutzziel nach b) und e) unter Abschnitt 5.3.3.101.0.2 von DIN VDE 0105-100/A1 (VDE 0105-100/A1) [3] sieht das etwas anders aus.

Die Betriebssicherheitsverordnung verlangt vom Unternehmer und gegebenenfalls von dessen EFK, für die Beschäftigten sichere Betriebsmittel bereitzustellen, von denen keine Gefahren ausgehen. Das ist nicht eingeschränkt auf den Schutz vor elektrischem Schlag. Daher ist es notwendig, weitere Gefährdungen aus der Anwendung elektrischer Energie zu betrachten.

An der Kaltgeräteleitung an sich wie auch an Kabeln und Leitungen in festen elektrischen Anlagen wäre somit aus Sicht des Brandschutzes hinsichtlich des Isolationszustandes eine Messung erforderlich, wenn keine dauerhafte Überwachung des Isolationszustandes vorhanden ist oder anderweitig vorgenommen wird.

Bei Verlängerungsleitungen sollte die Messung sowohl zwischen den aktiven Leitern als auch gegen Erde und Schutzleiter, hinsichtlich Schutz gegen elektrischen Schlag, erfolgen.

Autor: A. Holfeld

Literatur:

[1] DIN VDE 0100-600 (VDE 0100-600):2017-06 Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 6: Prüfungen.

[2] DIN VDE 0701-0702 (VDE 0701-0702):2008-06 Prüfung nach Instandsetzung, Änderung elektrischer Geräte – Wiederholungsprüfung elektrischer Geräte – Allgemeine Anforderungen für die elektrische Sicherheit.

[3] DIN VDE 0105-100/A1 (VDE 0105-100/A1):2017-06 Betrieb von elektrischen Anlagen – Teil 100: Allgemeine Festlegungen; Änderung A1: Wiederkehrende Prüfungen.

Der vollständige Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

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