Anzeige

Arbeitsunfälle von Elektrofachkräften
Tod durch Fahrlässigkeit

Ein erfahrener Elektromonteur missachtete die fünf Sicherheitsregeln. Bei einer Kabelmontage unter Spannung verzichtete er auf die notwendigen Schutzmaßnahmen – mit tödlichen Folgen.

5 Sicherheitsregeln

Ein Netzbetreiber beauftragte eine Elektroinstallationsfirma über einen längeren Zeitraum mit planmäßigen Arbeiten. Bei einer dieser Arbeiten wurde ein Elektromonteur vom Netzbetreiber mit der Beseitigung einer akuten Störung beauftragt.

Im freigeschalteten Zustand sollte eine Kabelabzweigmuffe montiert werden. Der beauftragte Elektromonteur war erfahren und befähigt. Er besaß sowohl die Schaltberechtigung für das Verteilungsnetz und als auch den entsprechenden Zugangsschlüssel.

Der Elektromonteur fuhr zur Störungsstelle und erhielt dort die Unterlagen für den Arbeitsauftrag. Danach begab er sich allein zur Arbeitsstelle.

Dort war die Grube bereits ausgehoben. Der Elektromonteur verzichtete darauf, mit der zuständigen Schaltwarte Kontakt aufzunehmen. Trotz Schaltberechtigung führte er an der 20 Meter entfernten Turmstation keine Freischaltung durch. Die Kabelmontage erfolgte deshalb ohne weitere Sicherheitsmaßnahmen.

Der Monteur stieg in die Grube, entfernte den Kabelmantel und setzte den Kompaktklemmring auf das Hauptkabel. Er längte das Abzweigkabel ab und klemmte anschließend die einzelnen Adern an.

Offenbar waren die Halbschalen bereits so weit angezogen, dass die Anschlussklemmen des Abzweigkabels unter Spannung standen.

Der Elektromonteur zog die Anschlussklemmen mit einem unzureichend isolierten Innensechskantschlüssel an. Dabei erlitt er eine Körperdurchströmung über die linke Hand zur Erde.

Aus eigener Kraft konnte sich der Monteur nicht aus dem Stromkreis befreien. Weil kein zweiter Monteur anwesend war, blieb er so lange im Stromkreis, bis er gefunden wurde. Nach der Bergung aus der Grube konnte nur noch sein Tod festgestellt werden.

Ursache des tragischen Unfalls war die Missachtung der fünf Sicherheitsregeln nach DIN VDE 0105 zur Vermeidung von Stromunfällen bei Arbeiten in und an elektrischen Anlagen:

  1. Freischalten
  2. Gegen Wiedereinschalten sichern
  3. Spannungsfreiheit allpolig feststellen
  4. Erden und kurzschließen
  5. Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken

Der Elektromonteur hätte nach DGUV Vorschrift 3, § 6 (2) handeln müssen:

"Vor Beginn der Arbeiten an aktiven Teilen elektrischer Anlagen und Betriebsmittel muss der spannungsfreie Zustand hergestellt und für die Dauer der Arbeiten sichergestellt werden."

Obwohl dem Elektromonteur bekannt gewesen sein muss, dass das Hauptkabel nicht freigeschaltet war, nahm er keine Schutzmaßnahmen für das Arbeiten unter Spannung vor. Es fehlten sowohl das geeignete Werkzeug als auch die Standortisolierung.

Quelle: bgetem.de

Kommentare

botMessage_toctoc_comments_926
Anzeige

Nachrichten zum Thema

Aus dem Facharchiv: Leseranfrage Maschinenprüfstand mit Trenntransformator

Was ist bei der Installation eines Trenntrafos zu beachten?

Weiter lesen

+++ News +++ Zweite Umfrage zur Corona-Krise Anzeichen der Entspannung

Bereits kurz nach dem Shutdown hatte der ZVEH seine Innungsfachbetriebe zum ersten Mal zu den Auswirkungen der Corona-Krise befragt. Eine zweite Umfrage Mitte Mai zeigt nun: Die Elektrohandwerke kommen bislang deutlich besser durch die Krise als...

Weiter lesen

Aus dem Facharchiv: Arbeitsunfälle von Elektrofachkräften Kurzschluss beim Wechsel eines Zählers im Kindergarten

Trotz unvollständiger Schutzausrüstung nahm ein Monteur die Hilfe eines Laien an, ohne ihn ausreichend schützen zu können - die Folge: ein Elektrounfall.

Weiter lesen

Aus dem Facharchiv: Normen und Vorschriften Elektrosicherheit - DIN EN 61000-2-2 (VDE 0839-2-2) 2019-06

Diese Norm enthält die deutsche Fassung der Europäischen Norm EN 61000-2-2:2002 + A1:2017 und ist identisch mit der Internationalen Norm IEC 61000-2-2 (Ausgabe 2002-03) und ihrer Änderung 1 (Ausgabe Juni 2017).

Weiter lesen

Das Türkische Institut für Normung (TSE) und das VDE-Institut haben sich zum Ziel gesetzt, Unternehmen den internationalen Marktzugang zu erleichtern. Die Kooperation umfasst die Bereiche Normung, Prüfung, Zertifizierung und Schulung.

Weiter lesen
Anzeige