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Aus dem Facharchiv: Leseranfrage
Jährlicher Zeitansatz für die Unterweisung von Elektrofachkräften

Wird der Zeitaufwand für die Durchführung der Jahresunterweisung für Elektrofachkräfte vorgeschrieben?

Berufsausbildung im Handwerk: Ausbilder mit Azubi im Handwerk – Unterweisung an einer modernen CNC Maschine im Stahlbau (Bild: Industrieblick/stock.adobe.com)

Berufsausbildung im Handwerk: Ausbilder mit Azubi im Handwerk – Unterweisung an einer modernen CNC Maschine im Stahlbau (Bild: Industrieblick/stock.adobe.com)

Frage: Unsere Firma arbeitet im Bereich IT- und Elektro. Derzeit wird die Unterweisung der Außendienst-Mitarbeiter in einer Jahresunterweisung für Elektrofachkräfte durchgeführt. Jetzt hat unsere Geschäftsleitung einen neuen Berater, der sagt: „Im Gesetz steht nur ‚ausreichend und angemessen‘, sodass 90 min im Jahr genügen. Am besten auf 2 ∙ 45 min aufgeteilt (45 min im ersten Halbjahr und 45 min im zweiten Halbjahr).“ Stimmt das? Meines Erachtens muss der Unterweisungsbedarf in der Gefährdungsbeurteilung ermittelt und dann beschrieben werden, was, wie, womit, und wie lange unterwiesen wird. Gibt es Durchschnittsunterweisungszeiten für EFK?

Antwort: Es gibt kein Zeitlimit bei der Durchführung von Unterweisungen – außer dem Limit, das das Unternehmen zur Durchführung zur Verfügung stellt!
Zur Bestimmung des Zeitaufwands einer Unterweisung sind folgende Faktoren ausschlaggebend:

  • zu vermittelnde Inhalte/Themen;
  • „pädagogische Fähigkeiten des Vorgesetzten“;
  • Methode der Unterweisung;
  • zur Verfügung stehende Räumlichkeiten und
  • die zum Einsatz kommenden „Lehr“-Materialien;
  • gewünschte Tiefe der Wissensvermittlung (Lernzieltaxonomie).

Bei der Taxonomie von Bloom (nach Benjamin Samuel Bloom (1913–1999)) wird in sechs Stufen eingeteilt:

  1. Wissen, Kenntnis: Tatsachen, Begriffe wiedergeben und/oder wiedererkennen;
  2. Verstehen: erklären, begründen, durchschauen, mit eigenen Worten umschreiben;
  3. Anwenden: Anwendung von Kenntnissen, Einsichten Formeln, z. B. bei der Lösung eines praktischen Problems;
  4. Analyse: eine reale Situation in ihre Elemente zerlegen;
  5. Synthese: aus verschiedenen Erlebnissen eine neue Situation konstruieren, Sachverhalte verknüpfen, Modelle entfalten/erläutern;
  6. Evaluation: eine Situation anhand von Kriterien bewerten, überprüfen.

Eine ausreichende und angemessene Unterweisung kann nur aufgrund der festgestellten Gefährdungsfaktoren und der zu vermittelnden Inhalte festgelegt werden.

In vielen Betrieben wird nicht mehr der reine „formale Akt“ der Nachweisführung einer Unterweisung verfolgt, sondern es wird versucht, eine qualitativ hochwertige Unterweisung durchzuführen.

Der reine „formale Akt“ der Nachweisführung einer Unterweisung hat sich in vielen Betrieben tatsächlich hin zur qualitativ hochwertigen Unterweisung entwickelt. Nicht zuletzt versucht man auch hierdurch Unfallzahlen zu senken bzw. Unfälle zu verhindern. Hiervon hat auch das Unternehmen einen finanziellen Vorteil. Die BGETEM versucht in verschiedenen Schriften, den Unterweisenden Unterweisungsthemen inhaltlich aufzubereiten und auf die unfallrelevanten Faktoren hinzuweisen, z. B. PU 007 „Unterweisungen planen und durchführen“ und PU 008 „Unterweisen in der Elektrotechnik“.

Autor: S. Boesen

Der Artikel ist in unserem Facharchiv nachzulesen.

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