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Was sonst noch geschah
Kurzschluss – Der Wochenrückblick 3

Die schönsten Ereignisse der Woche – von dicken Dummys, klugen Gürteln, flatternden Windrädern, intelligenten Plattenspielern, unerotischer Unterwäsche, Blitzkompostierern und den schönsten Drohnenfotos der Welt

Drohnenfoto des Jahres 2016

Drohnenfoto des Jahres 2016: Fishermen Close The Net, China (Bild: 郑戈/skypixel.com)

Die Bevölkerung in Westeuropa und den USA wächst seit Jahren mehr in die Breite als in die Höhe. Textilhersteller reagierten schon und passten die Konfektionsgrößen den realen Korpulenzen an. Jetzt bereitet die allgemeine Gewichtszunahme der Baby-Boomer-Generation auch Probleme bei der Sicherheit im Auto.

Die Veränderungen des menschlichen Körpers zwischen dem 20. und 80. Lebensjahr werden bei Tests mit Crashtest-Dummys nicht berücksichtigt. Im Testauto sitzt nach wie vor der schlanke Standard-Dummy. Die Universität von Kalifornien, Berkeley, hat jedoch ermittelt, dass übergewichtige Autofahrer ein 78 Prozent höheres Risiko eingehen, bei einem Unfall zu sterben, als normalgewichtige Fahrer. Die Faustformel lautet: Je höher der Body Mass Index (BMI), desto größer ist die Gefahr eines tödlichen Unfalls.

Der Hersteller Humanetic’s entwickelte deshalb einen Crashtest-Dummy mit einem Gewicht von knapp 124 Kilogramm und einem BMI von 35. Diese Werte erschienen dem Unternehmen realistischer als der bisherige Standard-Dummy mit ca. 78 Kilogramm Gewicht und einem BMI von 29.

Der Dummy berücksichtigt beispielsweise, dass sich die Brust bei übergewichtigen Frauen mit den Jahren sehr verändert. Um für diese Personengruppe die Folgen beim Aufprall auf das Lenkrad zu simulieren, liefert der schlanke Dummy zu wenig brauchbare Daten. Ein Dummy mit BMI 35 ist hier wesentlich realitätsnäher. 

Zwei Dummy-Generationen: Vorn der jetzige Crashtest-Dummy mit Waschbrettbauch, in Rot ein Dummy mit BMI 35 (Bild: Bryan McCullough/Michigan Medicine)

Ein Weg, um schlank zu bleiben, ist selbst zu kochen. Dabei produziert man aber jede Menge Bioabfall. Der kann in die Biotonne gekippt werden – oder in den eigenen Kompostierer in der Küche.

Der Zera Food Recycler funktioniert wie ein Komposthaufen im Garten, in dem die Essensreste wohlig faulen. Hersteller Whirlpool Corporation verspricht allerdings, dass der Küchenkompost nicht nach fetten Maden riecht – und dass sich die Speisereste in nur 24 Stunden vollständig zu Erde kompostieren lassen.

Letzteres klingt etwas märchenhaft. Rumpelstilzchen spann über Nacht Stroh zu Gold, und der Recycler verwandelt in nur einem Tag die Reste von Obst, Gemüse und Fleisch in Muttererde – alles außer Knochen soll kompostierbar sein.

Um die Kompostierung voranzutreiben, muss man ein in Papier gehülltes Paket kaufen und in das Gerät legen. Das Zaubermittel im Papier besteht aus Fasern von Kokosnuss-Schalen und Backpulver.

Für jede Kompostierung benötigt man ein neues Paket, und auch der Filter ist regelmäßig zu ersetzen. Der Hersteller hat das Rockefellerprinzip gut verstanden.

Kochen, Kompostieren und in die eigene Erde Kräuter pflanzen: So stellt sich das Marketing glückliche Großstadtmenschen vor (Video: Whirlpool USA)

Bis Komposthaufen in der Küche und gesunde Ernährung zum Volkssport werden, wird es noch eine Weile dauern. So lange wartet Samsung nicht. Ein vom Konzern finanziertes Startup stellte einen intelligenten Gürtel vor, der dort misst, wo sich die kulinarischen Sünden sofort niederschlagen: an der Hüfte.

Der Gürtel namens WELT registriert die Anzahl der täglichen Schritte, die gelaufene Strecke, die Zeit des Sitzens und die verbrannten Kalorien.

Der Clou ist aber die Echtzeitüberwachung des Hüftumfangs. Wird der Gürtel angelegt, misst er über magnetische Sensoren die Hüfte. Nimmt der Gürtelträger oder die Gürtelträgerin im Laufe des Tages so viele Kalorien zu sich, dass die Hüfte wächst, gibt es ein Feedback vom Gürtel. Nicht mit einem Stromschlag, sondern als Anzeige auf dem Display der zugehörigen App. Das soll Ansporn sein, sich ins Fitnesscenter zu begeben und an der Selbstoptimierung zu arbeiten.

So schnell kann’s gehen: Vor dem Essen Größe 30, nach dem Essen 31. Der digitale Hüftgürtel ist unbestechlich (Video: info welt)

Ein anderes Bekleidungsstück vereint Elektronik und Mittelalter. Im Geschäft mit der Angst will auch die Tacos GmbH aus Oberhausen verdienen. Sie vermarktet eine Sicherheitshose für Frauen.

Das rustikale Stück Unterwäsche wird als optimaler Schutz vor Vergewaltigungen beworben. Das Material sei reißfest; auch Stichen und Schnitten würde es bis zu einem gewissen Grad widerstehen. Im Schritt und um die Taille verlaufen Sicherheitsschnüre. Zur Sicherung der Schnüre hängt ein Schloss mit Zahlencode vor dem Bauch.

Wenn es dennoch zum Äußersten kommt, wird beim Versuch, die Hose gewaltsam herunterzuziehen, Alarm ausgelöst. Der Hersteller verspricht 130 Dezibel, d.h., Lärm am Rand der Schmerzgrenze – auch für die Trägerin der Hose.

Bei Ritter Runkel nannte man dieses Konstrukt Keuschheitsgürtel. Heute ist es eine Burka für den Unterleib. Erhältlich für 99,99 Euro, Finanzierung ab 25 Euro im Monat möglich.

Brillenträgerinnen werden ihre Freude am Entriegeln des frickligen Zahlenschlosses haben (Bild: Safeshorts)

Ganz andere Probleme gibt es im dunklen Kino. Permanent aufblitzende Displays von Smartphones und Apple Watchs machen die Vorstellungen immer öfter zum Horrortrip. Offenbar ist nur noch ein kleiner Teil der Kinobesucher in der Lage, 90 Minuten lang auf die Leinwand zu schauen statt auf WhatsApp.

Die Beschwerden über die grassierende Display-Seuche in Kinos, Theatern, Opernhäusern und Konzertsälen hat auch Apple erreicht. Der Konzern, der sonst die Meinung seiner Kunden mit größtmöglicher Arroganz ignoriert, reagierte auf die drohende Verbannung der Apple Watch aus Kinos und Theatern. Im nächsten Update WatchOS 3.2 wird es die Funktion „Theater Mode“ geben. Der Uhrenträger kann damit im Kino das Display verdunkeln und den Ton ausschalten.

Man kennt das vom Flugmodus der Smartphones. Flug- und Theatermodus muss der Benutzer aber selbst aktivieren. Beim Flugmodus kann die Stewardess durchgreifen, wenn er nicht eingeschaltet ist. Im Kino bleibt es dem stolzen Besitzer der Apple Watch überlassen, ob er so generös ist, den Scheinwerfer am Handgelenk zu verdunkeln. Die Chance, dass das wirklich passiert, dürfte bei Apple-Jüngern gegen Null tendieren.

Auf die Idee, die Armbanduhr im Kino einfach umzudrehen und mit dem Display zum Körper zu tragen, kommen Apple-Fanboys und -girls nicht. Jedenfalls nicht ohne App und WhatsApp-Gruppe (Bild: Apple Inc.)

WatchOS 3.2 bringt auch Siri auf die Apple Watch. Der Uhrenträger kann dann endlich seine WhatsApp-Nachricht in Richtung Handgelenk sprechen. Zum Beispiel im Kino.

Was jedoch die meisten Nutzer von Smartphones mit Spracheingabe nicht ahnen, haben Wissenschaftler der Universitäten von Kalifornien, Berkeley, und von Georgetown in einer Studie herausgefunden: Android-Smartphones können über die Sprache ferngesteuert werden (Studie hier als PDF).

Wie das Malheur von Alexa zeigte, reagieren elektronische Geräte exakt auf Sprachbefehle. Das ist bei Smartphones nicht anders. Der Nutzer startet beispielsweise den Dialog mit dem weit verbreiteten Google Assistant, indem er das Kommando „Okay Google“ spricht. Das könnte aber auch jemand anderes sein, der das Smartphone für seine Zwecke kapern will.

Nun wird niemand so ungeschickt sein, sich neben ein fremdes Android-Smartphone zu stellen und laut und deutlich „Okay Google“ zu rufen. Die Wissenschaftler testeten deshalb, bis zu welchem Grad man ein Kommando wie „Okay Google“ verschlüsseln kann, um trotzdem noch mit dem Smartphone zu kommunizieren. Das Ergebnis ist erstaunlich.

Trotz verrauschter, verzerrter und vielfach gefilterter Wörter reagierten die Smartphones zu 95 Prozent korrekt. Im Vergleichstest verstanden nur 20 Prozent der befragten Menschen, was die synthetische Stimme sagen wollte.

Wie die Wissenschaftler betonten, besteht die Gefahr versteckter Kommandos in Musik- oder Videodateien.

Im Film Arrival kommunizieren beispielsweise die siebenbeinigen Außerirdischen brummend und zischend. Aus diesen Szenen könnte jemand einen Ausschnitt auf YouTube stellen und mit verschlüsselten Sprachbefehlen mischen. Niemand würde ahnen, warum sein Smartphone, dass neben dem Lautsprecher liegt, plötzlich Geld nach Thailand überweist.

So könnte es klingen, wenn böse Menschen mit verzerrtem „Okay Google“ das Android-Smartphone kapern (Video: Hidden Voice Commands)

Vinyl boomt. Der Umsatzanteil der Schallplatten am gesamten deutschen Musikmarkt stieg von 3,2 Prozent (2015) auf 4,5 Prozent (2016). Auch international legt die Vinylplatte weiter zu. Da kommt man schon mal auf interessante Ideen, um die Abspieltechnik weiterzuentwickeln.

Eine dieser Ideen ist der „erste intelligente Plattenspieler“ (Eigenwerbung), der den schönen Namen Love trägt. Ein mobiler Tonarm mit Diamantnadel verbindet sich per Bluetooth mit den Lautsprechern und kann über das Smartphone gesteuert werden.

Auf den Dorn eines Plattentellers werden die Platte und der batteriebetriebene Tonarm aufgesteckt. Über einen Berührungssensor lassen sich verschiedene Aktionen auslösen. Einmal berühren: Der Tonarm startet beim ersten Song, zweimal: der Tonarm springt zum zweiten Song, dreimal: zum dritten Song usw.

Mehr Komfort bietet die zugehörige App: Start, Direktwahl der Titel, Wiederholung, Lautstärke, Wahl der Geschwindigkeit (Umdrehungen pro Minute) sowie Anzeige des Plattencovers auf dem Display des Smartphones.

 Im Februar soll der Verkauf beginnen. Ob nächstes großes Ding oder nächster großer Rohrkrepierer – wir werden es erfahren (Video: ComingSoon Tech Gadgets)

Am anderen Ende der Technikskala stehen Windräder. Die mächtigen Rotoren werden seit Jahren nach dem selben Schema gebaut: Starre Flügel drehen sich im Wind.

Der tunesische Unternehmer Anis Aouini entwickelte mit seiner Firma Tyer Wind ein neues Prinzip der Windkrafterzeugung. Die Rotorblätter seiner Windräder folgen dem Flügelschlag der Kolibris.

Aouini ließ sich von Kolibris inspirieren, weil diese Vögel in der Luft schweben können. Übertragen auf die Windkraft soll die neue Technologie effizienter sein als herkömmliche Windräder. Die 1,6 Meter langen Flügel bestehen aus Kunststoff (Datenblatt hier als PDF). Eine Serienproduktion gibt es noch nicht. Die ersten Tests verliefen nach Angaben von Aouini positiv. 

Neuer Stoff für Anti-Windrad-Demonstrationen: Jetzt flattern die Dinger auch noch! (Video: Tyer Wind)

Donald Trump ist Präsident. Diese Tatsache hat quasi über nacht einen Kreativitätschub in der Trump-skeptischen US-Kulturszene ausgelöst. Zum Beispiel bei Shia LaBeouf. Der Schauspieler ließ an der Außenwand des New Yorker Filmmuseum eine Webcam mit Mikrofon installieren. Bis zum letzten Tag der Amtszeit von Trump sollen die Bürger unter dem Motto „He Will Not Divide Us“ ihren Protest gegen den Präsidenten ins Internet rufen. Vier Jahre lang, 24 Stunden am Tag (hier klicken).

Natürlich kam es anders als gedacht. Besoffene grölen in die Kamera, Trump-Fans feiern ihren Donald, talentfreie Rapper rappen hirnbefreiten Stuss, und Shia LaBeouf hatte Mühe, Hitler-Fans davon abzuhalten, ihrem Führer ein Ständchen ins Mikro zu rülpsen.

Trotzdem soll die Webcam eingeschaltet bleiben. Shia LaBeouf ist schließlich für schräge Aktionen bekannt. Als ihm nach den Filmen Transformers 1-3, Wall Street und Nymphomaniac sein Ruhm zu unheimlich wurde, setzte er sich auf der Berlinale 2014 einfach eine Papiertüte auf dem Kopf.

Die Prophezeiung „I Am Not Famous Anymore“ könnte sich erfüllen. Shia LaBeouf spielt seit 2011 überwiegend in Independentfilmen (Bild: Siebbi, Lizenz: CC BY-SA 3.0)

Der New Yorker Künstler KATSU vervollkommnete in den vergangenen Jahren die Verbindung von Drohnenflug und Graffiti. Dabei entwickelte er ein System, mit dem er die Farbe unabhängig von der Drohne regulieren kann. Der Farbstrahl wird über einen Computer gesteuert. Beim Sprühen stabilisiert sich die Drohne selbst, indem sie sich gegen die Wand drückt.

Nach der Präsidentenwahl nutzte KATSU seine Technologie für einen öffentlichen Protestschriftzug gegen Trump.

Mit einer Drohne auf die Wand gesprüht: Anti-Trump-Schriftzug von KATSU (Video: Motherboard)

Mit Drohnen kann man auch fotografieren. Diese neue Technologie entwickelt sich allmählich zur eigenen Kunstform. Um den Stand der Kamera-Drohnen zu prüfen, eignet sich nichts besser als ein Wettbewerb. Den rief Ende 2016 die Online-Plattform SkyPixel aus.

Dem Aufruf folgten 27.000 Einsendungen. Eine Jury aus Fotografen des Time Magazine und von Conde Naste Travel wählte die Preisträger aus.

In den Kategorien Beauty und 360-Grad-Fotos mussten die Bilder von Drohnenkameras stammen, in der Kategorie Drones in Use konnte die Drohne auch mit einem normalen Fotoapparat aufgenommen werden.

Die Resultate sind beeindruckend – und zugleich beruhigend: Kamera-Drohnen sind nicht nur für Selfies mit grinsenden Menschen zu gebrauchen.

Grand Prize 2016 (Photo of the Year): Fishermen Close The Net, China (Bild: 郑戈/skypixel.com)

1. Preis Kategorie Professional/Beauty: Exploration, Yuli County, China (Bild: 王 汉冰/skypixel.com)

2. Preis Kategorie Professional/Beauty: Spillway Selfie (Bild: dixonltd/skypixel.com)

3. Preis Kategorie Professional/Beauty: ohne Titel (Bild: 李珩 13811278527/skypixel.com)

1. Preis Kategorie Professional/Drones in Use: A Happy Morning (Bild: Roman Neimann/skypixel.com)

2. Preis Kategorie Professional/Drones in Use: Meet the Phantom (Bild: HackerSundy/skypixel.com)

3. Preis Kategorie Professional/Drones in Use: Schwarzwald, Deutschland (Bild: Norman Nollau/skypixel.com)

1. Preis Kategorie Enthusiast/Beauty: Overbridge, China (Bild: 诚涵/skypixel.com)

2. Preis Kategorie Enthusiast/Beauty: Green Waves, Italien (Bild: Mauro Pagliai/skypixel.com)

3. Preis Kategorie Enthusiast/Beauty: Ice River, Shenyang, China (Bild: Canloker/skypixel.com)

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