Anzeige

Energieerzeugung
Hitzewelle in Deutschland: AKW Grohnde wird abgeschaltet

Auch am heutigen Freitag erreichen die Temperaturen wieder Rekordniveau. Die anhaltende Hitze sorgt nicht nur bei Menschen und Tieren für Probleme.

Kernkraftwerk in Grohnde an der Weser

Kernkraftwerk in Grohnde an der Weser (Foto: Janet/stock.adobe.com)

Autobahnen (A20) bilden Blasen auf dem Asphalt. In der Ostsee schwimmt ein riesiger Blaualgenteppich und die Flüsse und Seen erwärmen sich unaufhörlich.

Das hat nun Folgen für das AKW Grohnde in Niedersachsen. Das Atomkraftwerk nutzt das Wasser der Weser zur Kühlung des Atommeilers. Der Fluss ist jedoch zu warm. Das Atomkraftwerk muss voraussichtlich heute Mittag abgeschaltet werden, weil sich das Wasser der Weser auf 26 Grad Celsius erwärmen wird, wie das niedersächsische Umweltministerium mitteilte. Im Ökosystem gilt dieser Wert als kritisch. Zusätzlich darf kein warmes Wasser mehr in den Fluss geleitet werden, damit das System nicht kippt.

Atommeiler sorgte für verlängerten Badespaß

In Hamm-Uentrop befindet sich seit vielen Jahren ein Campingplatz in Sichtweite eines Hochtemperaturreaktors (THTR) unter Hochspannungsleitungen. Auf dem Campingplatz hat man sich längst an den Anblick des grauen Kolosses und die A2 in unmittelbarer Nähe gewöhnt. Auch der Störfall am 04. Mai 1986, kurz nach der Explosion des Reaktors in Tschernobyl, konnte die Campingfreuden nicht trüben. Man genießt das Idyll am Atommeiler.

Früher begeisterte das warme Wasser der Lippe die Camper. Das von RWE betriebene Kraftwerk pumpte das aus der Lippe entnommenes Kühlwasser um 15 Grad wärmer wieder zurück in den Fluss, was die Camping- und Badegäste erfreute. Aus ökologischen Gründen ist die verlängerte Badesaison allerdings Geschichte. Laut RWE sind plus drei Grad das absolute Maximum, was an Kühlwasser zurückgeführt werden kann. Die Lippe darf sich nur um 0,5 Grad durch das abgeführte Wasser erwärmen, um das ökologische Gleichgewicht zu halten.

Keine Abkühlung durch Wasser aus der Weser

Die außergewöhnliche Trockenheit lässt die Pegel der Flüsse sinken. Auch die Weser führt vergleichsweise wenig Wasser, wodurch es sich deutlich schneller erhitzt. Um das Ökosystem des Flusses nicht zu gefährden, will man heute Mittag den Schritt gehen und das Atomkraftwerk vom Netz nehmen. Kühlt sich die Weser nachhaltig ab, will man den Betrieb wieder aufnehmen. Die Betreibergesellschaft Preussen Elektra rechnet damit am kommenden Sonntag, dem 28. Juli 2019.

Spätestens zum 31. Dezember 2021 wird das Kernkraftwerk entsprechend der 13. Novelle des Atomgesetzes endgültig vom Netz genommen. Das AKW Grohnde nahm im September 1984 seinen Betrieb auf und beschäftigt etwa 500 Mitarbeiter bei einer Leistung von 1.430 Megawatt brutto. Es war acht Mal Produktionsweltmeister und hat im Februar 2016 als weltweit erstes Kernkraftwerk 350 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt.

Kommentare

botMessage_toctoc_comments_926
Anzeige

Nachrichten zum Thema

Auch 2020 ist die Innovationsplattform The smarter E präsent, um die Themen der neuen Energiewelt voranzutreiben – in diesem Jahr verstärkt im Rahmen digitaler Formate.

Weiter lesen

Aus dem Facharchiv: Elektropraxis Alten Trafotürmen 
weiteres Leben geben

Transformatorenstationen sind in den Stromnetzen unverzichtbare Elemente für eine preiswerte Stromversorgung. Sie sind für unseren stets steigenden Wohlstand bis heute unersetzlich, neuerdings auch als intelligente Netzstationen im Smart Grid.

Weiter lesen

Neue Produkte Sichere Trennung

Das 4-polige Relais 800 ermöglicht nicht nur, dass alle Pole entweder geschlossen oder geöffnet sind, sondern reduziert zudem die Anzahl der notwendigen Relais und Ansteuerungen.

Weiter lesen

Der Stromspeicher MyReserve bietet eine Lade- und Entladeleistung von bis zu 4,5 kW.

Weiter lesen

Bei den Sachversicherern häufen sich Anfragen, ob aus Sicht des Versicherers in vorhandenen Tief- und Großgaragen Ladestationen installiert werden dürfen.

Weiter lesen
Anzeige